Wilhelminenaue: Platz für Kinder und Körbe

Wer die Wilhelminenaue über den früheren Haupteingang der Landesgartenschau betritt, der läuft vom Parkplatz aus geradewegs auf einen Wall zu. Diese Strecke gilt es neu zu gestalten und dafür gibt es fünf Ideen.

Erstens hat die Stadträtin der Bayreuther Gemeinschaft, Christine Düreth-Trat, einen Stellplatz für Wohnmobile vorgeschlagen. Eine Idee, die in Stadtrat und Verwaltung grundsätzlich auf viel Gegenliebe stößt – nur nicht an diesem Platz. Stadtbaureferentin Urte Kelm sieht das Gelände dadurch unter Wert verkauft. Kämen zu den vorhandenen Parkplätzen weitere Stellplätze hinzu, sei das kein schöner Anblick. Und von einem neu gestalteten Eingangstor zum Landschaftspark sollten nicht nur Touristen etwas haben, sondern vor allem die Bayreuther.

Eine Idee, die sich nicht weiter entwickelt

Die zweite Idee stammt von drei Studenten, die schon vor Jahren erklärt hatten, nach der Landesgartenschau eine aufblasbare Halle errichten zu wollen. Sport sollte darin getrieben werden und für kurze Zeit galt der sogenannte Air Dome sogar als potenzielle Ersatzspielstätte für die sanierungsbedürftige Stadthalle. Einziges Problem: Seit dem Frühjahr 2015 sei das Projekt nicht mehr nennenswert vorangekommen, sagt die Stadtbaureferentin. Was auch für die Frage gelte, wie die einst berechneten 1,8 Millionen Euro aufgetrieben werden sollten.

Idee Nummer drei stammt von dem Bayreuther Immobilienbüro Giera. Das sah ein Trainingscenter für Eishockeymannschaften vor, eine Nachfrage habe aber ergeben, dass die Pläne schon seit Beginn des Jahres nicht mehr weiterverfolgt werden.

Raus aus dem Schimmel

Wesentlich besser steht es um den vierten Vorschlag. Der Walddorfkindergarten ist mit seinem Zuhause im Stadtteil Destuben nicht mehr zufrieden. Kelm spricht von baubiologischen Problemen und meint Schimmel, der die Stadt jedes Jahr rund 70.000 Euro kosten würde. Der Trägerverein will daher am Eingang zur Wilhelminenaue neu bauen. Die Nähe zum Park passe schließlich gut ins Konzept, die nächste Schule ist nicht weit weg und die Äußere Badstraße gut erreichbar. Der Verein stößt mit seinem Vorschlag auf offene Ohren. Das Projekt würden alle Fraktionen besser heute als morgen umgesetzt wissen. Wäre da nicht Interessent Nummer fünf, der sich mit dem Kindergarten die Fläche teilen will, aber wesentlich umstrittener ist.

Der Nachwuchs braucht Platz

Der Nachwuchs der Bayreuther Bundesligabasketballer sucht nämlich Platz für eine Trainingshalle. Der Eingangsbereich zur Wilhelminenaue würde sich anbieten. Im Stadtbaureferat spricht man von einem Sportband, das sich entlang des Roten Mains vom SVB-Bad, über Eis- und Hans-Walter-Wild- Stadion, die Skateanlage an der Oberen Röth, bis hin zu den Sportflächen des Gartenschaugeländes schlängle. Eine Trainingshalle für den Basketballnachwuchs würde dort nicht nur gut passen, sondern sei auch dringend nötig, damit Medi Bayreuth weiter die Lizenz zum Spielen in der Basketballbundesliga erhalte. Der Verein will die zwei Plätze umfassende Halle selbst bezahlen und im Außenbereich ein Basketballfeld für alle schaffen. Den Wunsch nach einer Trainingshalle wollen die Stadträte den Sportlern erfüllen, der Sportstadt und dem Bundesligastandort zu Liebe – nur nicht alle an der Wilhelminenaue.

CSU-Sprecher Stefan Specht glaubt, dass eine bis zu zwölf Meter hohe und 4000 Quadratmeter große Halle dort nicht ins Bild passt. Stephan Huttner (FDP) spricht gar von einer „gruseligen Vorstellung“ und Helmut Zartner (DU) fragt, ob es in Bayreuth nicht Sportarten gebe, die mehr Tradition hätten als Basketball und was mit der Halle eigentlich geschehe, wenn die Sportart einmal nicht mehr so erfolgreich betrieben werde.

Training im Gewerbegebiet

Die drei Fraktionen fordern daher, die Halle in einem Gewerbegebiet zu bauen. Das wiederum halten Stadtbaureferentin, Oberbürgermeisterin und Stadtdirektor für keine gute Idee. Gewerbeflächen gebe es in Bayreuth sowieso zu wenige. Und mit den Planungen andernorts neu zu beginnen würde eine Verzögerung um viele Monate bedeuten. Wegen der Lizenzfrage spricht der frühere Basketballspeile in Reihen der Bayreuther Gemeinschaft, Georg Kämpf, gar von einem „enormen Zeitdruck“.

Nur: Andere Grundstücke hat das Baureferat bereits überprüft. Und alle scheinen auszuscheiden. Drei stillgelegte Tennisplätze des Postsportvereins an der Scheffelstraße, weil sie zu klein sind und in an der Frischluftschneise Mistelbach liegen. Die öffentlichen Spiel- und Sportanlagen an der Hindenburgstraße will die Stadt nicht aufgeben und Gewerbeflächen am Oschenberg und in Wolfsbach seien nicht geeignet, weil sie von Jugendlichen nur schwer erreichbar seien. Der Behelfsparkplatz neben der Skateanlage an der Oberen Röth scheidet nicht nur aus Platzgründen aus, sondern auch deshalb, weil dort eine Gashochdruckleitung verläuft.

Ein Antrag setzt der Diskussion ein Ende

Der Diskussion im Bauausschuss ein Ende setzt schließlich Helmut Parzen (CSU). Er spricht von einem Messer, das ihm auf die Brust gesetzt werde und davon, dass eine schnelle Entscheidung nunmal nicht getroffen werden könne. Stattdessen fordert Parzen die Verwaltung auf, mit den Sportvereinen 1. FC und TC Rot-Weiß Bayreuth darüber zu sprechen, ob nicht eine seit Jahren zwischen den beiden Vereinen brachliegende Fläche zum Standort für eine Basketballhalle tauge. Gegen die Stimmen von BG, Grüne und Teile der SPD findet dieser Antrag eine Mehrheit. Halil Tasdelen (SPD) spricht von „Blockadehaltung“.

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Kommentare

Also was man da wieder lesen darf kann man wieder nur als typisch Bayreuth bezeichnen. Das will der Verein das sogar selber bezahlen und dann diskutieren lauter H....köpfe darüber ob da eine Trainingshalle hin passt oder nicht, mit dem Ergebnis weiter nach Alternativen zu sichen. Und es passiert, außer reden, mal wieder nix.
Übrigens lassen sich derartige Projekte auch durchaus Filigran gestalten und somit wäre dann durchaus die Möglichkeit gegeben das auch ein derartiger Bau dort eben doch sehr gut hin passen würde.
Sorry, aber da ist der Verein auch teilweise selber mit schuld.
Gestern habe ich das erste mal davon gehört, dass medi sich für diese Fläche interessiert. Ich gebe hier Helmut Parzen vollkommen recht, dass man jetzt nicht kommen und bereits von "Zeitproblemen" reden braucht. Das sind Methoden die man in der Vergangenheit eher von der SpVgg gekannt hatte. Das solche Versuche, Druck aufzubauen hier in der Vergangenheit allesamt kläglich gescheitert sind, brauche ich denke ich nicht gesondert erwähnen.
Fakt ist: medi möchte hier eine Fläche haben, für die aber auch nichts bezahlen.
Im Gegenzug scheint es einen Kindergarten zu geben, der so oder so neu gebaut werden muss. Und das so manche Stadträte sich einen Kindergarten am Landesgartenschaugelände eher vorstellen können als eine Turnhalle, leuchtet auch mir ein.

Der Vorschlag von Parzen von dem Standort zwischen FC und TC finde ich nicht schlecht.
Das schlimmste wäre jetzt, sich gegenseitig stur zu stellen.
Ich bin für den Waldorfkindergarten.
Um eines mal klar zu stellen: OB, Verwaltung und BG wollen Kindergarten u n d Basketballhalle auf der Brachfläche. Es geht beides.

Dass die Basketballer von medi Bayreuth eine Trainingshalle brauchen ist seit mindestens fünf Jahren bekannt. Medi ist mit den Verantwortlichen vom Kindergarten im Gespräch, damit auch der Kindergarten die Halle nutzen kann.

Weil OB und Verwaltung dies vorgeschlagen haben, lehnen es Bauske und Co. ab, allerdings gibt es in der SPD und beim Jungen Bayreuth auch Stadtrats-Mitglieder, die diese Blockade-Haltung nicht gut finden.

Stephan Müller
Wem nützt die Blockadehaltung? Ist doch kein Wahlk(r)ampf. Wenn beides geht dann sollte man schleunigst in die Puschen kommen. Um ein Einfügen in die Lanndschaft können sich Architekten kümmern. Es gibt sicher gute Lösungen.
Kann es sein, dass hier durch die Hintertüre Einzelhandelsflächen auf den Tennisplätzen von Rot-Weiß geschaffen werden sollen? Würde Herrn Parzen, der mit seiner Metzgerei genau gegenüber liegt, sicher nicht schaden…
Montag, 13. November 2017 - 11:06