Wilhelminenaue: Mondlandschaft auf Zeit

Gleich nach dem letzten Gartenschau-Tag, dem 9. Oktober, hat die Landesgartenschau-Gesellschaft damit begonnen. Jetzt sind es noch 14 Tage bis zum Ziel: "Bis zum 30.November wird die Ausstellung komplett zurückgebaut sein", sagt Max Heyland, der Bauleiter der Landesgartenschau, im Gespräch mit unserer Zeitung. "Der Rückbau geht immer so viel schneller als der Aufbau", sagt Dagmar Voß, die Geschäftsführerin der Landesgartenschau. "Innerhalb kürzester Zeit verschwindet, was in jahrelanger Arbeit entstanden ist."

Zeitplan war sehr knapp

Der Zeitplan war eng getaktet: "Bis Ende Oktober mussten die ganzen Ausstellerbeiträge weg sein", sagt Heyland. "Das hat bis auf wenige Ausnahmen auch geklappt." Eine davon: der Pavillon des Landwirtschaftsministeriums. "Das war der Pavillon, der als erster bei uns angekommen ist. Direkt aus Deggendorf. Und er zieht jetzt auch weiter nach Würzburg", sagt Voß. "Dort musste erst geklärt werden, an welcher Stelle er ins Konzept passt und ob dann noch entsprechende Fundamentarbeiten gemacht werden müssen. In Würzburg wird der auch wieder der erste Pavillon sein, der steht." Knapp zwei Jahre vor Beginn der Landesgartenschau dort. Ein zweiter Ausstellungsbeitrag, über den der Bauausschuss des Stadtrats am 22. November noch entscheiden muss, ist nach dem Rückbau der japanischen Gartenanlage der Rest des Purus-Gartens unweit der Dirt-Bike-Anlage: Der nach dem Wiederverwertungsgedanken gebaute Garten mit Unterstellmöglichkeit aus Holz und einer Aussichtsplattform soll einen Wert von rund 200.000 Euro haben. Die Investoren wollen den Garten der Stadt schenken. Einen interfraktionellen Antrag, den Garten zu erhalten, gibt es bereits. Darüber muss, sagt Voß, "die Stadt entscheiden. Der Nachnutzungsplan sieht dort Rasen- und Wiesenflächen vor".

Rasen und Wiesen statt Blumen

Rasen und Wiesen werden an vielen Stellen die Blumenpracht der Landesgartenschau ersetzen: Entlang des Auenbogenwegs etwa wird ab dem ehemaligen Haupteingang "ein 20 Meter breiter, grüner Streifen entstehen", sagt Voß. Auch dort, wo die Themengärten der Garten- und Landschaftsbauer standen, "wird es grün", sagt die Geschäftsführerin. Die Bäume, die dort und in der üppig mit Blumenbeeten angepflanzten Ouvertüre zwischen Haupteingang und Blumenhalle standen, ziehen noch im November um: ins Grüne Quartett. Dort, wo bis zum Ende der Gartenschau das Gastro-Zelt stand, kommen ein Bolzplatz und zwei öffentliche Grillplätze hin. "Dahinter, auf der asphaltierten Fläche, wird Platz sein zum Streetball-Spielen. Die Bäume werden zwischen der dann begrünten und der Asphaltfläche gepflanzt. Damit da oben auch ein paar Schattenspender sind", sagt Voß.

Wiederverwerten, was geht

Wo die Partnerstädte ihre Ausstellungsbeiträge hatten, zeugt nur noch wenig von Pracht, Farbigkeit, Architektur oder Kultur: Der Annecy-Garten ist schon eingeebnet und mit Erde aufgefüllt, aus dem Rudolstädter Garten sind alle Einbauten und Skulpturen entfernt worden. Auch Prag VI hat Federn gelassen: "Nur die Hochbeete bleiben dort. Für die essbare Stadt", sagt Heyland. Wo Wege oder Plätze aus dem Ausstellungskonzept für den Landschaftspark nicht mehr gebraucht werden, waren schon Bagger am Werk. "Wir haben rund 7500 Quadratmeter Flächen aufgelassen", sagt der Bauleiter. Was im Gegenzug bedeutet, dass knapp 3000 Tonnen Erde aufs Gelände gefahren wurden, um die Flächen aufzufüllen. "Auch die Beete am Auenbogenweg werden aufgefüllt und Rasenflächen. Vorher waren die Mitarbeiter des Stadtgartenamts in mühevoller Arbeit drüber und haben die ganzen Dahlien aus den Beeten geholt. Die werden im nächsten Jahr im Stadtgebiet wieder eingesetzt", sagt Heyland. "Was wiederverwertbar ist, wird auch wiederverwertet", sagt Voß. Das gelte nicht nur für Pflanzen. "Acht Sattelschlepper Inventar sind schon abtransportiert worden, drei folgen noch. Das Material geht nach Pfaffenhofen oder Würzburg", sagt Heyland. "So lange die Sachen  gut sind, werden sie von Gartenschau zu Gartenschau weiterverkauft. Gebraucht ist günstiger als neu", sagt Voß.

Oberste Priorität war der Radweg

Oberste Pritorität bei allen Rückbauarbeiten, sagt Voß, habe für die Gartenschau die Freigabe des Radwegs zwischen Laineck und der Innenstadt gehabt. Seit 1. November dürfen die Radler und Fußgänger diesen Part der Wilhelminenaue bereits nutzen. "Den Rest wollen wir - mit Ausnahme der Flächen, die erst im Frühjahr angesät werden können - bis 23. Dezember für die Öffentlichkeit freigeben. Damit die Bayreuther bei schönem Wetter ihren Weihnachtsspaziergang in der Wilhelminenaue machen können."    

Kosten waren schon mit eingerechnet

Die Daueranlage, also der Park, der den Bayreuthern ab dem kommenden Jahr zur Verfügung stehen wird, war in den Baukosten für die Landesgartenschau mit eingerechnet, sagt Voß. 10,5 Millionen Euro waren dafür insgesamt veranschlagt. Die Rückbaukosten beziffert Heyland mit "170.0000 Euro brutto. Das war auch schon mit eingerechnet". Die Abrechnung der Landesgartenschau wird sich bis zum Sommer kommenden Jahres hinziehen, "wir haben immer noch nicht alle Schlussrechnungen", sagt Voß. So lange wird eine stark reduzierte Mannschaft auch das Büro in der Schlossgalerie behalten. "Wobei wir auch hier auf dem Rückzug sind und nach und nach Räume freigeben", wie Voß sagt. Die Landesgartenschau sitzt praktisch in Bayreuth schon auf gepackten Kisten.

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Kommentare

Was hier umgebaut wird ist die Bayreuther Obere Rotmainaue. Die "Wilhelminenaue" ist seit etwa 250 Jahren ein Gut in der Brandenburgischen Gemeinde Großderschau im Landkreis Havelland.
Karl, Du bist der Beste!
Montag, 13. November 2017 - 11:06