Wiesn: Das Sicherheitskonzept steht

Ein besonderes Augenmerk liege freilich auf dem Bundestagswahlkampf, der mit dem Wiesnstart am 16. September in die Endphase geht. Das gelte aber nicht nur für das Oktoberfest, sondern für Großveranstaltungen generell, sagte Herrmann. Es gebe etwa von den Sicherheitsbehörden in Großbritannien und Frankreich die Einschätzung, dass Anschläge gezielt im Vorfeld der dortigen Wahlen verübt worden sein könnten.

Erste Drohungen im Jahr 2009

Auch die Anschläge auf Vorortzüge in Madrid 2004 hätten kurz vor Parlamentswahlen stattgefunden. Das müssten die Sicherheitsbehörden im Blick haben, betonte Herrmann - «ohne dass es irgendeiner Weise gezielte Hinweise gäbe, weder im Netz noch von den Nachrichtendiensten».

Gerade für das Oktoberfest habe man die Gefahr eines Anschlags mit einem Lkw bereits bei den ersten Drohungen der Al Kaida gegen das Volksfest im Jahr 2009 in die Planungen einbezogen. Seitdem wurden elektronisch versenkbare Poller installiert, Blumenkübel aus Beton versperren die Zufahrten. Damals habe man allerdings an Autobombenanschläge gedacht - während heutige Täter auch ohne Sprengstoff Lastwagen zur Waffe umfunktionierten.

Herrmann: Rucksackverbot hat sich bewährt

Das 2016 beim Oktoberfest eingeführte Rucksackverbot und die Eingangskontrollen haben sich aus Herrmanns Sicht bewährt. Die Menschen hätten das Gefühl: «Hier wird etwas für die Sicherheit getan.» Vor zehn oder zwanzig Jahren hätte man es noch für unvorstellbar gehalten, auch nur ansatzweise die Besucher auf dem Oktoberfest zu kontrollieren. Mittlerweile klappe das auch bei vielen anderen Veranstaltungen.

Allerdings sei gegen Anschläge mit Fahrzeugen keine absolute Absicherung möglich, betonte Herrmann. Man könne nicht jede Straße und jedes Café mit Tischen auf dem Bürgersteig mit Pollern sichern.

Minister: Gefahr auch nicht überschätzen

Herrmann mahnte, die Gefahr dennoch nicht zu überschätzen. Das Risiko, bei einem Verkehrsunfall zu sterben, sei weitaus höher. Wähler fragten ihn gelegentlich, wieso die Polizei noch Kapazitäten habe, Autofahrer wegen Alkohol am Steuer zu kontrollieren - anstatt sich um Terroristen zu kümmern.

«Aber da muss ich sagen: Es ist richtig, dass sich die Polizisten nach wie vor um Alkohol am Steuer kümmern, weil die Gefahr, von einem betrunkenen Autofahrer überfahren zu werden, deutlich größer ist, als von einem Terroristen überfahren zu werden.»

dpa

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