Wie Lisa Badum Bundestagsabgeordnete wurde

Für die 34-jährige Grünen-Politikerin, die bei der Bundestagswahl am 24. September als einzige ihrer Partei in Oberfranken den Sprung ins Parlament schaffte, beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Aus der Kreisrätin im beschaulichen Forchheim, wo sie seit ihrer Geburt lebt, wird eine Vertreterin des ganzen Volkes in der Bundeshauptstadt, die Entscheidungen treffen muss über Krieg und Frieden, Alterssicherung, Steuerpolitik.

Video: Lisa Badum stellt sich und ihre Themen vor

Ist ihr flau im Magen? „Das ist eine große Verantwortung, ich habe bisher nichts Vergleichbares gemacht“, weicht sie aus und schiebt noch nach: „Wenn man sich reinhängt, braucht einem nicht flau zu sein.“

Von null auf Platz eins bei der Kreistagswahl

Sich reinhängen, das hat für Lisa Badum schon früher funktioniert. Dass sie 2008 ohne jede kommunalpolitische Erfahrung auf Platz eins der Grünen-Kreistagsliste in Forchheim kandidieren konnte, empfindet sie heute noch als „große Ehre und Vertrauensbeweis“. Sie habe sich in die für sie völlig neuen kommunalpolitischen Themen reingefuchst. „Wenn man Verbundenheit mit der Region und politisches Engagement mitbringt wie ich, schätzen die Bürger das.“ Der Lohn: Bei der Kreistagswahl 2014 habe sie ihre Stimmenzahl nahezu verdoppelt. Die Partei habe ihr als junger Frau eine Chance gegeben, und sie habe das genutzt. 2008 im Kreistag und dann bei den Bundestagswahlen 2013 und 2017.

Die ganze Nacht gebangt

Platz 13 auf der Landesliste der Grünen für den Bundestag wie vor vier Jahren hätten ihr auch diesmal nicht für den Mandatsgewinn gereicht. Aber sie profitierte vom Rückzug der Rehauer Grünen-Bundestagsabgeordneten Elisabeth Scharfenberg, die Partei setzte Badum auf Platz elf. Die ganze Wahlnacht habe sie gebangt, ob es reicht oder nicht. Früh um sechs kam die Freudenbotschaft: Lisa Badum hat es tatsächlich geschafft und ist im Bundestag - eine Woche vor ihrem 34. Geburtstag. „Das war für mich das schönste Geburtstagsgeschenk“, sagt sie und strahlt noch immer.

Politische Erweckung mit 14

Den Weg zu den Grünen hatte sie zögernd beschritten. „Für mich wie für die meisten Jugendlichen war Parteipolitik nicht sexy“, sagt sie. Ein Buch über Genitalverstümmelung bei Afrikanerinnen, das sie mit 14 gelesen hat, bezeichnet sie als politische Erweckung. „Es hat mich erschüttert, dass Menschen verstümmelt werden, nur weil sie Frauen sind.“ Sie tritt der Frauenrechtsorganisation Terre de Femme bei, sammelt Spenden in der Forchheimer Fußgängerzone. Das Internetlexikon Wikipedia bezeichnet Badum als „Feministin“. Ein Problem hat sie damit nicht. „Feministin zu sein und für gleiche Rechte einzutreten ist für mich das Natürlichste auf der Welt.“

Der Weg in die Partei

Auf dem Gymnasium wählt Lisa Badum Sozialkunde und Geschichte als Leistungskurs. Nach dem Abitur studiert sie Politik in Bamberg und engagiert sie sich in der grünen Hochschulgruppe. Beim Praktikum für den „Fränkischen Tag“ schreibt sie eine Reportage darüber, warum so viele junge Frauen der Politik fernbleiben. Die Antwort auf die Frage, wie es anders gehen kann, liefert ihr ein Praktikum bei der damaligen Bamberger Grünen-Bundestagsabgeordneten Ursula Sowa. „Sie ist den Menschen zugewandt, idealistisch und glaubwürdig, das hat mich überzeugt“, sagt Badum über ihre Mentorin. Die Grünen sind in ihren Augen die Partei, die mit der Quote die Gleichstellung von Mann und Frau am konsequentesten durchsetzen. 2005 tritt sie der Partei bei.

Fukushima und Ökostrom

Politische Erfahrung sammelt die Uniabsolventin als Wahlkreisbüroleiterin des Fürther Grünen-Abgeordneten Uwe Kekeritz. Dann lernt sie auf einer Kundgebung einen Vertreter von Grünstrom kennen, einem der vier größten Ökostrombetreiber Deutschlands. Wieder tut sich eine Tür auf: Grünstrom schreibt eine Stelle in Forchheim aus und Badum bekommt sie 2012. Das Thema Energiewende hat sie gepackt, seit die Reaktorkatastrophe von Fukushima ein Jahr vorher ihr die Gefahren von Atomenergie drastisch vor Augen geführt habe. Wieder arbeitet sie sich in ein neues Thema ein. Badum wird zuständig für das Thema Bürgerbeteiligung bei Ökostromprojekten. 

Auf dem Weg nach Jamaika  

Die Energiewende will sie jetzt zu ihrem Hauptthema im Bundestag machen. „Das ist zum Erliegen gekommen, ich möchte, dass wir den Ausstieg aus den fossilen Energien schaffen, um das Klima zu schützen.“ In der neuen Bundestagsfraktion hat sie sich für die Arbeitsgruppe Klima/Energie gemeldet, die der Delegation für die Jamaika-Koalitionsverhandlungen zuarbeitet.

Dass die Energiepolitik einer der großen Prüfsteine für eine Jamaika-Koalition sein wird, ist ihr bewusst. Andererseits: „Im Grundsatz sind ja alle Parteien außer der AfD für Klimaschutz und eine Verkehrswende, das ist doch eine gute Basis.“

Im Kleinen hat Lisa Badum Jamaika schon mal geübt. Vor wenigen Monaten habe der Forchheimer Kreistag beschlossen, die Hauptverkehrszeit der Busse auszudehnen, damit mehr Pendler den Öffentlichen Personennahverkehr nutzen können. Unterstützt hätten einen entsprechenden Antrag der Grünen: CSU und FDP.

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Kommentare

Frau Badum möchte sich also der Themen Klima/Energie annehmen. Extrem komplexe und von Pseudowissenschaften, Ideologien und Lobbyinteressen getriebene Dossiers. Bleibt zu hoffen, dass sie - anders als bspw. ihre Grünen Bayreuther Parteikollegen - um die Abgrenzung von Klimaschutz, Umweltschutz und Naturschutz weiß. Gerade was das Thema erneuerbare Energien betrifft, entstehen dabei Zielkonflikte, die von den Grünen gerne mal aus ideologischen Gründen übersehen werden. Viel Erfolg im Bundestag!
Was ist eine Brünen-Bundestagsabgeordnete? Sollte es Brünette heissen? Ist doch eher dunkelblond.
Korrigiert, danke.
Lisa Badum. Die Alice Schwarzer aus Forheim oder was???? :-) Naja...die passt schon zu den Grünen. Viel Erfolg beim Umsetzen ihrer gesteckten Ziele ;-) Aber glauben Sie mir. Auch sie werden gegen Lobbyisten und die Mächtigen in der Politik vorerst wenig auszurichten haben. Sie fangen als MdB auch erstmal als backbencher an, wie viele vor ihnen auch ;-)