"Wetten dass..." - das fast perfekt war?

Und das sorgte für eine Seltenheit: Schon beim letzten Applaus vor der Pause waren erste Zugabe-Rufe zu vernehmen. Das Publikum war hin und weg. Apropos Publikum: So viele kamen wohl noch nie. Freie Stühle? So gut wie Fehlanzeige. Kein Wunder also, dass auch der gerne grummelnde Dirigent Jürgen Kratochvill nach dem Konzert mit einem dezenten Lächeln auf dem Gesicht umher eilte. War er mit seinen Schützlingen zufrieden? Ein schlichtes „Ja“ kam als Antwort. Ergänzt durch: „Wenn sie wollen, dann können sie auch.“

Beinahe schon eine Lobeshymne

Das ist aus Kratochvills Mund fast schon so etwas wie eine Lobeshymne. Seinen Akteuren hatte er vor der Zugabe noch ein Zugeständnis gemacht: „Ich weiß, ihr habt es nicht immer leicht mit mir.“ Er es aber auch nicht ihnen, gaben diese zu, als sie ihm ein Geschenk überreichten, garniert mit einem verbalen Dankeschön: „Ohne dich wären wir nie dort angekommen, wo wir jetzt sind.“ Und das kann sich mehr als nur sehen, oder besser: hören lassen. Dieser Samstagabend bot auch eine Samstagabend-Show.

Atemberaubend wie das Motto

War das Konzert unter dem Motto „Einfach atemberaubend“ doch als musikalische Wiederbelebung von „Wetten, dass ..?“ aufgezogen. Stilecht. Denn der bewährte Moderator Daniel Nowak machte – inklusive blonder Perücke – den Thomas Gottschalk. Und zum Finale dann nach einem Abstecher in die „Umkleidekabine Treppenhaus“ auch noch die Helene Fischer. Hatte er doch die Saalwette verloren. Da ging es darum, ob mehr als zehn Vertreter auswärtiger Musikvereine auf die Bühne kamen. Es kamen weit mehr. Was wiederum Dirigent Kratochvill begeisterte: „So viele von außen, damit hätte ich nie gerechnet.“

Erst den Gottschalk, dann die Fischer

Und so musste sich Daniel Nowak zum ersten Zugabe-Stück „Atemlos durch die Nacht“ als Meister der passenden Helene-F.-Gestik beweisen – was ihm höchst respektabel gelang. Ein würdiger Abschluss für einen Abend, der zwar nicht perfekt war, dem aber ziemlich nahe kam. Und zwar querbeet durch eine Bandbreite völlig unterschiedlicher Musikrichtungen – so abwechslungsreich wie diesmal war das JBK-Konzertprogramm noch nie. Was auch mit den erwähnten Ansprüchen zu tun hat. An Takt-, Tempi- und Rhythmuswechsel.

Von Orff über Strauß bis Bond

Von Orffs „Carmina Burana“ über Walzer-Seligkeit von Johann Strauß’ Sohn über „Welcome to the Jungle“ von Guns N’Roses und Abba-Hits bis hin zur jetzt schon legendären Bond-Melodie „Skyfall“ reichte die Vielfalt. Am Ende dann der Höhepunkt, ein zweites Mal auch als Zugabe: Ein Medley aus 14 Disney-Klassikern, bei dem die JBK eine derart warme Tonfülle erreichte, dass die gerne zitierte Gänsehaut ganz plattitüdenfrei zu spüren war. Eine wirklich runde Sache eben ...

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