Wertstoffhof: Mäuse im Tetrapack

"Es ist noch unklar, wie es bei uns weiter geht", sagt Renate Stieg, die seit acht Jahren auf dem Plecher Recyclinghof jeden Samstag von 8.30 bis 12.30 Uhr schaut, dass alles in die richtigen Behältnisse geworfen wird. Die 47-Jährige hat den Posten von ihrem Mann übernommen, der von Anfang an dabei war und dann nach einem Arbeitsunfall aufhören musste. "Sonst hätten wir jemand Neues anlernen müssen", sagt sie.

Gelbe Tonne wahrscheinlich zu klein

Renate Stieg glaubt nicht, dass die Gelbe Tonne für die Privathaushalte ausreicht. "Viele bestellen beispielsweise im Internet und da fällt einiges an Verpackungsmüll an", sagt sie. Und sie kann sich auch nicht vorstellen, dass die Sortieranlagen, die den Inhalt der Gelben Tonnen sortieren, so genau arbeiten. Bei den Kunden auf dem Recyclinghof seien die Fehlwürfe nicht so extrem gewesen. Obwohl immer wieder welche dabei waren, die zum Beispiel eine ausgediente Gießkanne abgeben wollten. "Aber auch wenn die aus Plastik ist, geht das nicht, denn wir dürfen ja nur Verpackungsmüll nehmen", so Stieg.

Abfallsäcke über Zaun geworfen

Manchmal haben auch Auswärtige außerhalb der Öffnungszeiten einfach Abfallsäcke über den Zaun geworfen. Da hat sie dann nach Hinweisen nach den Verursachern gesucht. "Das hat auch mal geklappt, als jemand Kontoauszüge da drin entsorgt hat", sagt sie. Neben Kunststoffen kann man in Plech Alu, Styropor, Tetrapacks, Grüngut und Metallschrott abgeben. "Der Schrottcontainer ist besonders bei den Männern und Jungs beliebt, die kommen", sagt Stieg lachend. Da wird dann erst mal geschaut, ob da nicht was dabei ist, was noch brauchbar ist. Glas kann in einem Container im Ort abgegeben werden, Altpapier wird von der Feuerwehr abgeholt.

Samstags mehr Zeit

"Ich bedauere es sehr, dass der Recyclinghof zu macht", sagt Stieg. Sie hat es gern gemacht, auch wenn sie zeitlich sehr gebunden war. Aber das war immer in Ordnung. Wenn sie in Urlaub gefahren ist, dann von Sonntag bis Freitag, damit sie an der regulären Öffnungszeit da war. Höchstens zweimal im Jahr, ist sie nicht da. "Das kündige ich dann aber immer rechtzeitig im Mitteilungsblatt an", sagt sie. Nun hat sie samstags mehr Zeit. "Da kann ich auch mal ausschlafen", sagt Stieg.

Auch ein sozialer Treffpunkt

Die Leute bewegt es sehr, dass der Recyclinghof schließt. Sie sind nicht nur gekommen, um ihren Abfall zu entsorgen, es war auch ein sozialer Treffpunkt. Es waren viele Stammkunden unter den 70 bis 75 Leuten, die jeden Samstag kommen. "Viele haben sich draußen dann zusammengestellt, wenn sie ihre Sachen abgegeben haben", hat sie beobachtet. Viele im Ort haben überhaupt keine Gelbe Tonne bestellt, aus Protest. "Das ist natürlich auch Quatsch, denn wo wollen sie ihren Verpackungsmüll hinbringen, wenn der Recyclinghof zu hat?"

"Es sind immer die gleichen Leute, die kommen", sagt auch Georg Hartmann, der seit elf Jahren den Recyclinghof in Kirchahorn beaufsichtigt. Mittwochs ist er von 15 bis 17 Uhr da. "Da sind es etwas weniger, als am Samstagvormittag", hat er festgestellt. Da stehen manchmal bis zu zehn Autos auf dem Gelände. Wenn er mal krank war oder etwas dazwischen kam, hat ihn ein Mitarbeiter vom Bauhof vertreten. Der Bürgermeister hatte den 68-Jährigen, der damals in Frührente gegangen war, gefragt, ob er den Posten übernehmen würde. "Ich bin gerne unter Leuten und ein paar Euro extra sind ja auch nicht schlecht", sagt Hartmann.

Er geht davon aus, dass viel Falsches auch in die Gelbe Tonne geworfen wird. Aber das ist jetzt auch schon so. Da versuchen manche zum Beispiel Rohre zu entsorgen, die aber auf dem Recyclinghof nichts verloren haben. Kurios war mal, als Leute einen Beutel voll mit leeren Tetrapacks abgegeben haben. "Da sind auf einmal zwei Mäuse rausgekrabbelt", erinnert sich Hartmann lachend, "die habe ich dann nicht angenommen."

Das Gelände des Recyclinghofes ist immer geöffnet, damit auch von Montag bis Donnerstag der Grüngutcontainer genutzt werden kann. Und das soll auch in Zukunft so sein. Die anderen Sammelbehältnisse sind außerhalb der Öffnungszeiten in einer kleinen Halle eingesperrt. Da stehen jetzt manchmal Säcke mit Verpackungsmüll vor der Tür, die Unbekannte da einfach abgestellt haben.

Insgesamt herrsche bei den Leuten doch große Verunsicherung, wie es im nächsten Jahr mit der Gelben Tonne weiter geht. So ganz genau wissen nicht alle, was da reingehört. "Dabei steht es ja auf dem Deckel drauf", sagt Hartmann. Sicher, es ist schade, wenn der Recyclinghof jetzt zum Jahresende schließt. Angst vor Langeweile hat er aber nicht. "Ich fahr ja für die Gemeinde noch das Mitteilungsblatt aus und habe Enkelkinder", so Hartmann. Jetzt muss er aber weiter machen. Gerade ist ein Kunde mit dem Traktor gekommen, der mehrere Behälter mit Verpackungsmüll dabei hat.

1 (1 vote)

Anzeige

Kommentare

Den Georg Hartmann alias Dickn-Gerch werd ich sehr vermissen.
Er war mir immer eine große Hilfe in meiner Ahnungslosigkeit bei der Mülltrennung
und auch darüber hinaus.