Wenig Interesse am Tennet-Infomarkt

Die Goldkronacher Bürgerinitiative gegen die Leitung war mit einem großen Banner vor der Tür präsent. Darauf zu lesen: „Die echte Energiewende braucht Stromspeicher und einen intelligenten Netzausbau... aber keine Gleichstrompassagen.“ Draußen der Protest, drinnen der Dialog. Thomas Neubauer von der Bürgerinitiative ist mit der Tennet-Bürgerreferentin Carolin Kürth ins Gespräch vertieft. Sie reden miteinander. Aber zueinander finden sie nicht.

BI-Sprecher Neubauer: „Wir wollen das verhindern."

„Das hier beschränkt sich rein auf die technische Lösung“, sagt Neubauer im Gespräch mit dem Kurier. „Wir bekommen hier fertige Tatsachen vorgesetzt.“ Er bezieht das nicht auf den möglichen Verlauf der Leitung. Hier werden die Tennet-Vertreter nicht müde zu betonen, dass alle Trassenvarianten gleichrangig geprüft werden, obwohl der sogenannte Vorzugskorridor über das östliche Fichtelgebirge verläuft. Neubauer stellt aber die Notwendigkeit der Leitung in Frage. „Wir wollen das verhindern“, sagt er. Und zum Gespräch mit Tennet: „Das sind ganz verschiedene Ebenen.“

Der Aktivist ist überzeugt, dass Bayern die Energiewende auch ohne die Gleichstromleitung von Wolmirstedt (Sachsen-Anhalt) nach Landshut schafft. „Wir wollen eine dezentrale Lösung mit mehr Speichern“, sagt er. Er selbst mache es vor – mit Sonnenstromanlage auf dem Dach und einem Speicher im Keller benötige er fast keinen Strom mehr von außen.

Bessere Erklärung im persönlichen Gespräch

Bei Tennet zeichnet man ein anderes Bild. Gesamtprojektleiter Andreas Herath ist auch vor Ort. Und er erklärt gerade einem interessierten Ehepaar aus Bad Berneck, dass die Energiewende mit dezentraler Erzeugung in Bayern und privaten Stromspeichern ohne den Netzausbau nicht zu schaffen sei. Der Gast aus Bad Berneck sagt: „Wir sind hier, um uns allgemein zu informieren.“ Er habe gezielt das persönliche Gespräch mit den Tennet-Leuten gesucht. „Da wird manches einfach besser erklärt“, sagt er. Die Notwendigkeit der Leitung? „Es wird uns nichts anderes übrig bleiben.“ Erdkabel statt Freileitung? Für ihn ein annehmbarer Kompromiss.

Auch der Goldkronacher Bürgermeister Holger Bär ist da. Seine Gemeinde liegt mitten in der westlichen Trassenvariante. Bärs Eindruck vom Infomarkt: „Die gewohnt professionelle Tennet-Art.“ Leider werde nicht mehr über die Notwendigkeit des Projektes diskutiert. „Ich bleibe dabei: Das ist nicht das, was wir für die Energiewende wollen.“ Die Veranstaltung in Goldkronach ist einer der letzten Infomärkte, die Tennet in diesen Tagen zwischen Hof und Landshut durchführt. Bürgerreferentin Carolin Kürth ist zufrieden mit den Gesprächen. Die Infomarkt im Meister Bär Hotel sei einer der ruhigeren gewesen.

(Korrektur: In der ursprünglichen Version des Artikels stand statt Thomas Neubauer der Name des BI-Sprechers Martin Förster. Es kam zu einer Verwechslung. Wir bitten, dies zu entschuldigen.)

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Kommentare

"Die Infomarkt im Meister Bär Hotel sei einer der ruhigeren gewesen."
Wo war es laut?
Beim Infomarkt auf der Goldwaage soll es recht laut gewesen sein. ;)
Tennet ist doch nicht der richtige Ansprechpartner. Sie erledigen doch nur den Auftrag, die Gleichstromleitung zu bauen.
Wer ist denn der Auftraggeber? Die Großkonzerne oder das Wirtschaftsministerium. Wer hat denn ein Gesamtkonzept im Rahmen der Energiewende für ein Leitungsnetz ab dem Zeitraum von 10 Jahren und mehr ausgearbeitet? Wo kann man das lesen?
Seit wann gibt es fürdie Energiewende ein Gesamtkonzept ? Hier regiert nur das Chaos ! Wo
sind nennenswerte Stromspeicher in Betrieb. Was ist in Zukunft, wenn konventionelle und
Atomkraftwerke keinen Beitrag zur stabielen Netzversorgung mehr leisten können und Wind
flaute und Sonnenmangel bei längeren Kälteperioden herschen. Die Energiewende in ihrer
jetzigen Form ist ein Musterbeispiel für Politikversagen.
Das Ziel war, soviel wie möglich dem freien Markt zu überlassen und der Staat steuert mit seinen Gesetzen den Ausbau der dezentralen Versorgung. Leider hat sich die große Koalition von den großen Stromunternehmen über den Tisch ziehen lassen und das Heft aus der Hand gegeben. Was damals bei der Atomkraft funktionierte, wird heute nicht mehr gemacht, dass der Staat die Forschung und Entwicklung im großen Stil mobilisierte. Ja, die Politik ist kein guter Anlagenbauer, vorallem wenn ein ganz neues Konzept verwirklicht werden soll.