Weltstar Klaus Florian Vogt abgeführt

Ein massiver Zaun rund um das Festspielhaus, Ausweise, die man immer wieder zücken muss, Wächter vor nahezu jeder Tür, in der Kantine, auf dem Weg von der Kantine zurück zur Probebühne. Eine Atmosphäre der Angst, des Misstrauens. Manche Solisten, die den Festspielsommer auch immer ein bisschen als Sommerurlaub nutzten, sehen ihre Ferienstimmung schon jetzt verhagelt. So dürfen Sänger und Orchestermusiker ihre Familienmitglieder nicht mehr in die Kantine mitnehmen – für die Entourage gibt es offenbar nur einen Nebenausweis. „Das ist alles ziemlich belastend und nervend“, sagt es ein Mitarbeiter, der nicht namentlich genannt werden will.

Kürzlich dann der Höhepunkt der Peinlichkeit: Klaus Florian Vogt wurde, so verschiedene Berichte aus dem abgesperrten Festspielaus, abgeführt. Der Weltklasse-Tenor hatte, so berichten es Mitwirkende, im Bühnenkostüm die Kantine betreten – in einer Soldatenuniform. Was man ihm nicht abnahm. „Das ist doch kein Kostüm“, sollen die Wachleute gesagt haben. Sie führten den Heldentenor nach Berichten von zufällig Anwesenden ab.

Schlimm für den sensiblen Sänger, der sich zu dem Vorfall gestern aber nicht äußern wollte. Gesprochen hatte zuvor schon „Parsifal“-Regisseur Uwe Eric Laufenberg. Er hatte sich über Zustände wie im „Gefängnis“ und im „Hochsicherheitstrakt“ beklagt. „Absurd, was sich hier abspielt“, sagte Laufenberg gegenüber dem Kurier. Da war sein Hauptdarsteller noch gar nicht ins Gewahrsam der Sicherheitsleite genommen worden.

Theater gibt es bei den Festspielen immer schon, und zwar traditionell schon immer lange vor der ersten Premiere. Eine solche Groteske aber ist auch nach Bayreuther Maßstäben ziemlich einzigartig. Der Hügel-Bann: Vergangenes Jahr galt er für Festspielleiterin Eva Wagner-Pasquier. Heuer gilt er für alle. Solange, bis sie ihre Befugnis durch Vorzeigen eines Ausweises bewiesen haben. Und das immer wieder. Der Unmut bei den Mitwirkenden steigt.

 

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Kommentare

Irre. Allerdings ist mir in der Vergangenheit schon das normale Wachpersonal bei Aufführungen negativ aufgefallen.
Solche Situationen entstehen, wenn man in Hysterie verfällt, statt vernünftige Wachsamkeit walten zu lassen. Von mancher Seite wird die Hysterie ja gezielt geschürt!
Total irre!
Groß, blond, blauäugig, vermutlich gehobenes Hochdeutsch sprechend und in Soldatenuniform! Und das Ganze im Rahmen der Wagner-Festspiele! Also bei wem angesichts dieser Kombination von "red flags" nicht die Alarmglocken läuten, der hat aus der Geschichte nichts gelernt! Ich kann die Wachleute schon verstehen! [Ende der Satire]
Wenn das der Wolfgang wüsste.....
Stimmt
Das ist doch das Ziel der Terroristen, die Bürger in Angst zu versetzen.
Ich meine, das haben viele Verantwortliche noch nicht begriffen, indem sie alles tun, um sich juristisch abzusichern.
Montag, 13. November 2017 - 11:06