Weltneuheit: Die Reflektorjeans

Es ist frappierend. Auf den ersten Blick hat Klaus Zuleeg eine ganz normale Jeans an. Farbe, Schnitt, Tragekomfort - nichts Außergewöhnliches, schick halt. Doch wenn man ihn anstrahlt, wie es etwa nachts durch ein Auto der Fall wäre, dann leuchtet seine Hose hell auf, ist schon aus großer Entfernung deutlich zu sehen. Ein großer Sicherheitsgewinn, gerade auch für Kinder, sagen Zuleeg und Hans-Martin Erhardt, die mit ihren Firmen in der Quality Group verbunden sind.

Vier Jahre Entwicklungszeit

Rund vier Jahre hat die Entwicklung des neuartigen Stoffs in Zusammenarbeit mit einem Garnlieferanten gebraucht, ein sechsstelliger Betrag steckt drin. Mit der Serienreife wurde er zunächst in Funktionskleidung eingesetzt, denn da ist der Firmenverbund aus den Webereien Erhardt (Grafengehaig), Zuleeg sowie dem Veredler Knopf's Sohn (beide Helmbrechts) und drei Tochterunternehmen von jeher stark (hierzu Extra-Artikel).

Aus Fehlern lernen

"Und dann hatten wir die Idee, auch mal etwas für Privatkunden zu machen", sagt Erhardt. Da sei die Jeans am naheliegendsten gewesen. Aber: "Es ist ein großer Schritt vom Zulieferer zum Endprodukt. Wir lernen gerade viel, auch aus Fehlern", sagt Zuleeg. Gefertigt werden die Produkte von einem externen Konfektionierer.

Versuchsballon Kickstarter

Aber wie kommt man auf den Markt? Auch um den mal ganz vorsichtig zu sondieren, haben die beiden eine Art Versuchsballon gestartet. Auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter (www.kickstarter.com) läuft noch bis kommenden Mittwoch eine Aktion, bei der Unterstützer Jeans und Kappen aus dem besonderen Stoff ordern können und dabei einen Preisnachlass bekommen. Überhaupt der Preis. "Wir müssen es machen wie die Bauern - Direktvermarktung", sagt Erhardt. Als Grund nennt Zuleeg: "Der Stoff kostet rund vier Mal soviel, wie ein normaler Jeansstoff. Wenn wir da über den normalen Handel gehen, würde eine Hose rund 300 Euro kosten." Jetzt sind die Endpreise auf 69 Euro für eine Kinderhose und 119 Euro bei Erwachsenen kalkuliert.

Ab 1000 Jeans rentabel

Ab 1000 verkauften Hosen pro Jahr rechnet sich das Ganze, haben Erhardt und Zuleeg durchkalkuliert. Dass diese Zahl mindestens erreicht wird, da sind die beiden zuversichtlich. Wenn erst mal das Marketing- und Vertriebskonzept fertig entwickelt ist und umgesetzt wird, wenn weitere Vertriebskanäle gefunden wurden. Kompetente Unterstützer sind da willkommen. Entsprechende Kontakte gebe es bereits zum Verkehrssicherheitsrat.

Hundebekleidung und Rucksäcke

Für den reinen Stoff, für dessen Produktion die Webmaschinen extra umgerüstet werden müssen, gibt es übrigens schon mehrere Kunden. Ein bekannter Outdoor-Anbieter etwa verwendet ihn für Rucksäcke, er wird für Hundebekleidung genutzt und auch Hightech-Fahrradbekleidung entsteht daraus bereits. Doch den Einstieg in die Vermarktung von Endprodukten ist Zuleeg und Erhardt trotzdem ein Anliegen. "Wir lernen jetzt auch für die Zukunft und hoffen, dass der Endverbrauchermarkt ein neues Geschäftsfeld für uns werden kann. Und eins wissen wir aus Erfahrung: Wenn man als Unternehmer etwas Neues anfängt, dann ergeben sich oft Dinge, an die am Anfang keiner denkt." Hört sich ein bisschen nach Revolution an.

Die Quality-Group

Die Produktion der reflektierenden Jeans See You ist für die Firmen der Quality Group ein Schritt ins Ungewisse. Ähnlich war es vor 20 Jahren, als sich die Webereien Erhardt in Grafengehaig-Eppenreuth, Zuleeg in Helmbrechts-Ort und der Veredeler Knopf's Sohn (Helmbrechts) zur Quality Group zusammenschlossen, um dem Strukturwandel in der Branche zu begegnen und die erste gemeinsame Tochter Profitex (Kontroll- und Vertriebs-Dienstleistungen) gründeten. 2002 folgte mit Corporate Fabrics die nächste Tochter und damit der Einstieg in den Bereich Funktionsbekleidung. Deren Stoffe werden zum Beispiel zu Uniformen von Fluggesellschaften, Polizei oder Bahngesellschaften verarbeitet und müssen entsprechend strapazierfähig sein. Noch höhere Anforderungen gibt es an Stoffe für Motorradbekleidung und für Schutzausrüstungen, wie sie in der Industrie, auf Ölplattformen oder bei Energieversorgern zum Einsatz kommen. Sie müssen Hitze oder sogar Feuer, Elektrizität oder Chemikalien trotzen und zum Teil noch eine besonders gute Sichtbarkeit des Trägers garantieren. 2010 wurde schließlich das Geschäft mit Stoffen für die Modebranche in der Tochter EZ Fashion zusammengelegt. Mit rund 80 Prozent Kunden von außerhalb der Quality Group hat Knopf's Sohn eine Art Sonderstellung im Verbund.

Dennoch sei es wichtig, dass die Gruppe als Einheit wahrgenommen werde, sagen die beiden Geschäftsführer Klaus Zuleeg und Hans-Martin Erhardt. "Die Kunden wissen, dass sie bei uns alles aus einer Hand bekommen." Dass sich alles im Umkreis von zehn Kilometern abspiele, werde ebenfalls als Qualitätsmerkmal wahrgenommen, erleichtere aber auch die internen Abläufe.

Die Quality Group hat rund 280 Mitarbeiter, kommt auf einen Jahresumsatz von 50 Millionen Euro und hat Kunden in ganz Europa. Das Geschäft mit Stoffen für die Modebranche macht immer noch 40 Prozent aus. Die Produktion solcher Stoffe in Deutschland ist mittlerweile selten.

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