Weidenberger Gemeinderat wird weiblicher

Seit der letzten Kommunalwahl musste die Weidenberger SPD den ein oder anderen Rückschlag verkraften. Nach der verlorenen Bürgermeisterwahl bekamen die Sozialdemokraten keinen Stellvertreterposten mehr. Die teilten Freie Wähler und CSU unter sich auf. Dann machte sich die Fraktion gegen die Einführung einer Straßenausbaubeitragssatzung stark -- vergebens. Das Verhältnis zu den anderen beiden großen Fraktionen im Gemeinderat war zeitweise angespannt.

"Eine persönliche Entscheidung, mit der es mir auch besser geht"

Und doch legen Peter Zeitler und Günter Kölbl Wert auf die Feststellung, das alles habe nichts mit ihrem Rücktritt zu tun. Seit dieser Wahlperiode können Gemeinderäte ohne besondere Begründung ihr Amt niederlegen. Das tun beide nun und führen dafür private Gründe an. Zeitler war 23 Jahre lang Gemeinderat. Mitten in der Wahlperiode zurückzutreten, sei eine "persönliche Entscheidung, mit der es mir auch besser geht", sagt er. "Das hat nichts mit dem Gemeinderat zu tun."

Kölbl hatte ohnehin nicht damit gerechnet, noch einmal in den Gemeinderat gewählt zu werden. Er hatte vor der vergangenen Kommunalwahl schon mit dem Gedanken gespielt, nicht mehr anzutreten. Seine Parteifreunde hatten ihn schließlich überredet, auf dem letzten Listenplatz als bekanntes Gesicht in Weidenberg noch ein paar Stimmen zu holen. Das tat er auch -- und zwar so erfolgreich, dass er wieder im Gemeinderat landete.

"Jetzt sollen mal die Jungen ran"

Er könne nachvollziehen, wenn der ein oder andere seiner Wähler sich darüber ärgert, dass er jetzt vorzeitig das Amt aufgibt. Aber Kölbl wirbt um Verständnis. "Ich bin einfach nicht mehr so fit", sagt er. Außerdem wolle er sich mehr um die Familie kümmern, vor allem um seine fünf Enkelkinder. "Jetzt sollen mal die Jungen ran", sagt er im Gespräch mit dem Kurier. Der Gemeinderatssitzung am Montagabend waren Zeitler und Kölbl fern geblieben. Der Gemeinderat stimmte ihren schriftlichen Rücktrittsgesuchen einstimmig zu.

Die Jungen, das sind aller Voraussicht nach Irene von der Weth (52) und Regina Kießling-Thees (49). Sie stehen als Nachrückerinnen auf den Listenplätzen sieben und acht bei der SPD. Sofern sie das Amt annehmen, werden sie in der kommenden Gemeinderatssitzung vereidigt -- von ihren Vorgängern mit  Vorschusslorbeeren ausgestattet. "Mit Sicherheit bringen die beiden wieder etwas mehr Schwung rein", sagt Zeitler. Und Kölbl sagt: "Beide sind in ihren Bereichen sehr kompetent."

"Ich bin bekannt dafür, dass ich den Mund aufmache"

Irene von der Weth ist Geschäftsführerin beim Paritätischen Wohlfahrtsverband Oberfranken. Regina Kießling-Thees ist Fachlehrerin an der Grund- und Mittelschule und engagiert sich seit langem in der Jugendarbeit an der Schule und im gemeindlichen Jugendtreff. "Die Jugendarbeit werde ich auf jeden Fall weiterführen, egal ob Gemeinderat oder nicht", sagt Kießling-Thees. Will sie da auch ihre Schwerpunkte im Rat setzen? "Das lasse ich jetzt einfach mal auf mich zukommen", sagt sie.

"Ich freu' mich darauf", antwortet Irene von der Weth auf die Frage, ob sie das Amt antreten will. Die Wertvorstellungen der SPD lägen ihr nahe. Deshalb habe sie sich bei der Kommunalwahl entschieden, dafür öffentlich einzustehen. Schwerpunkte ihrer Arbeit im Gemeinderat sollen die Themen Barrierefreiheit, Inklusion und Integration sein. Ein Dasein als Hinterbänklerin will sie nicht fristen. "Ich bin bekannt dafür, dass ich den Mund aufmache", sagt sie.

"Männer und Frauen haben doch manchmal eine unterschiedliche Sichtweise"

Dass mit ihr und Regina Kießling-Thees nun zwei Frauen in den Gemeinderat nachrücken, begrüßt Irene von der Weth. "Männer und Frauen haben doch manchmal eine unterschiedliche Sichtweise", sagt sie. Mit den beiden neuen Mitgliedern sind nun sechs von 20 Gemeinderäten in Weidenberg Frauen.

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