Wegen Baustelle: Bierwoche muss umziehen

Die Bierwoche 2017 wird in die Geschichtsbücher eingehen: Sie findet nicht, wie bis Montagnachmittag noch geplant, auf dem Zentralparkplatz in der Stadtmitte statt, sondern auf dem Gelände der Brauerei an der Lichtenfelser Straße.

Diese Entscheidung begründeten Vorstandsprecher Markus Stodden und Oberbürgermeister Henry Schramm in einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz am Dienstagvormittag mit Sicherheitsbedenken. Stodden versicherte, dass diese Lösung eine einmalige Ausnahme bleiben werde. Die Brauerei investiert sogar knapp eine Million Euro in ein neues Festzelt, das ab Juli 2018 wieder alljährlich auf dem dann fertig gestellten Zentralparkplatz stehen soll.

Provisorischer Teer war für zwischendrin geplant

Stodden erläuterte, dass die Sanierung der Tiefgarage unter dem Zentralparkplatz mit der Verbindung zur Stadthallen-Tiefgarage eine der größten und anspruchsvollsten städtischen Baumaßnahmen der zurückliegenden Jahre sei. Für diese Projekt einschließlich der barrierefreien Erneuerung des Zentralparkplatzes und der Straßensanierungen sind in zwei Bauabschnitten insgesamt rund zwei Jahre Bauzeit veranschlagt. Dazwischen sollte die Bierwoche 2017 auf der Baustelle stattfinden.

Stodden erklärte dazu, es sei geplant gewesen, die Oberfläche des Zentralparkplatzes nur für die Bierwoche zunächst provisorisch zu teeren und die umliegenden noch nicht sanierten Straßenzüge anzuschließen. Erst im Zuge der Bauarbeiten habe sich herausgestellt, dass beim ersten Aufbau des neuen Bierstadels aufgrund abweichender Höhen des Platzbelages und der zu erwartenden Situation diverser anderer technischer Gewerke wie Stromversorgung, Wasser- und Abwasseranschlüsse oder Toilettenanlagen "umfangreiche bauliche Provisorien und Kompromisse" nach sich ziehen würden. Dies habe sich bei zahlreichen Treffen und Gesprächen mit den Architekten und Vertretern der Baufirma ergeben.

Fluchtwege wären eingeschränkt gewesen

Letztlich den Ausschlag für eine Verlegung haben aber Bedenken wegen der Sicherheit der Besucher gegeben: Stodden sagte, da die Tiefgarage weder für WCs noch für die Logistik der Brauerei und der Frankenfarm nutzbar gewesen wäre, hätten zusätzliche Container rund ums Zelt platziert werden müssen. "Diese Einschränkung der Fluchtwege hätte dazu geführt, dass der Personenabfluss im Ernstfall nicht mehr gewährleistet wäre." Hingekommen wären Stolperfallen und mögliche Gefahrensituationen durch den behelfsmäßigen Belag, eine unübersichtliche Baustellensituation mit vielen Bauzäunen und nicht einsehbaren Ecken.

"Das 2016 erfolgreich erweitere Sicherheitskonzept der Bierwoche wäre unter den gegebenen Umständen kaum zu realisieren gewesen. Gerade bei der Sicherheit aber wollen Brauerei, Stadt und Rettungsorganisationen keine Abstriche machen", hob Stoden hervor. Sowohl Polizei als auch Feuerwehr und BRK begrüßten die einmalige Verlegung des Bierfestes auf das Brauereigelände. Die Brauerei hätte den provisorisch befestigten Zentralparkplatz bereits Mitte Juni in Beschlag nehmen müssen, um den Erstaufbau des neuen Stadels dort termingerecht fertigstellen zu können. Und ein Aufbau des alten Zeltes auf dem Zentralkplatz sei aufgrund der anderen Maße des künftigen Stadels nicht möglich.

Nach der Motorrad-Sternfahrt wird geplant

Wie Stodden erläuterte, habe man auch andere Ausweichplätze geprüft, sich aber für den Platz an der Lichtenfelser Straße entschieden, der sich seit Jahren als Veranstaltungsort der Motorrad-Sternfahrt bewährt habe. So wird die 68. Kulmbacher Bierwoche vom 29. Juli bis 8. August auf dem Brauereigelände stattfinden. Wie der Vorstandssprecher erläuterte, werden die Vorarbeiten für den einmaligen Umzug des Bierfestes bereits unmittelbar nach der Motorradsternfahrt, die am 29. und 30. April stattfinden wird, beginnen. Der (alte) Bierstadel wird auf der Wiese des ehemaligen Eisweihers aufgebaut und einen Holzboden erhalten. Im Umfeld soll es unter den Bäumen großzügige Biergärten geben.

Das Festprogramm bleibt von der Verlegung des Veranstaltungsortes unberührt. Auch die diesjährige Kulmbacher Zinnfigurenbörse findet nach die Bierwoche wie gewohnt im Feststadel statt, heuer eben ausnahmsweise an der Lichtenfelser Straße. Stodden sagte, dass mit dieser Entscheidung nun alle Beteiligten Planungssicherheit haben. Denn sowohl die Bierwoche als auch die Zinnfigurenwoche seien ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor für die Stadt Kulmbach.

Ohne Sicherheit würde ein Festplatz nicht abgenommen

Oberbürgermeister Henry Schramm gab zu, dass er in der Nacht nach der Entscheidung, das Fest zu verlegen, schlecht geschlafen habe: "Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht, aber die Sicherheit hat oberste Priorität", sagte er. "Wir haben alles getan, um die Bierwoche auf dem Zentralparkplatz stattfinden zu lassen." Ein dickes Lob zollte er in diesem Zusammenhang der Firma Dechant, deren Arbeiter selbst bei Temperaturen von minus 15 Grad weitergearbeitet hätten. Die Stadt, die Brauerei und die Baufirma hätten in den letzten Monaten eng zusammengearbeitet. Aber man müsse anerkennen, dass "wir nur ein Provisorium hinbekommen hätten mit Abstrichen und einem enormen Aufwand". Dabei sei letztlich das Sicherheitskonzept ein wesentlicher Aspekt, denn die Bierwoche mit Zehntausenden Besuchern sei "kein Garten-Festla"."Wir hätten die ganze Webergasse voller Container gehabt und die Rettungswege für Feuerwehr und Polizei hätten dennoch frei bleiben müssen. Lass da mal etwas passieren...", sagte Schramm.

OB argumentiert mit Interessen der Geschäftstreibenden

Die Kosten für das Provisorium in der Innenstadt bezifferte der OB auf rund 300.000 Euro. Schramm wies zudem darauf hin, dass die Bierwoche in der Innenstadt drei Monate Baustopp für die Baustelle bedeutet hätten. "Jetzt können wir durchgehend bauen und im nächsten Jahr einen herrlichen neuen Zentralparkplatz präsentieren." Es liege auch im Interesse der anliegenden Geschäfte, wenn sich die Bauzeit verkürze, erläuterte der OB. Und auch wenn der Bierstadel in diesem Jahr an der Lichtenfelser Straße stehen wird, wird die Innenstadt eingebunden: Wie der Oberbürgermeister und der Brauereichef erklärten soll ein "rund laufender" Bus zwischen dem Festgelände Lichtenfelser Straße und Innenstadt eingesetzt werden, den die Besucher kostenlos nutzen können. Stodden ist sich sicher: "Es wird keinen Abbruch in der Innenstadt geben."

 

Der neue Bierstadel

Die Kulmbacher Bierwoche wird 2017 letztmalig in dem Bierstadel stattfinden, der seit den 1980er Jahren Pilgerstätte aller Bierliebhaber war. Ab 2018 wird die Bierwoche dann mit einem neuen Bierstadel auf den fertiggestellten Zentralparkplatz im Herzen der Kulmbacher Altstadt zurückkehren. Wie der Vorstandssprecher der Kulmbacher Brauerei, Markus Stodden, erläuterte, investiere die Kulmbacher Brauerei in eine erfolgreiche Weiterentwicklung der Bierwoche, die Jahr für Jahr weit über 100 000 Gäste aus nah und fern nach Kulmbach lockt.

Das mittlerweile in die Jahre gekommene Bierzelt aus den 1980er Jahren werde durch einen vollkommen neuen Bierstadel ersetzt. Der sei längst konzipiert und auch bereits in Auftrag gegeben. "Er wird in sehr wertiger, massiver fränkischer Fachwerkstruktur erreichtet und um 90 Grad gedreht auf dem Zentralparkplatz platziert werden."

Unter dem grünen Dach der an der Grabenstraße geplanten Baum-Allee werde ein großzügiger Biergartenbereich entstehen. Und an der Haupteingangsseite hin zur Stadthalle werde es einen überdachten Außenbereich geben, erläuterte Stodden. Was der Brauereichef bescheiden verschweigt, verrät Oberbürgermeister Henry Schramm: Fast eine Million Euro wird der neue Bierstadel kosten.

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