Wasserwacht will umziehen

Hans Joachim Seibel ist seit 1970 bei der Wasserwacht aktiv, heute ist der ehemalige Kripobeamte ihr Kreisvorsitzender. Am Fichtelsee macht Seibel seit fast 40 Jahren Dienst, also schon zu einer Zeit als es den erweiterten See noch nicht gab. Ursprünglich hatten die Wasserretter gar kein Dach über dem Kopf. „Da saßen wir auf Campingstühlen direkt am See.“ Und das Boot musste jedes Mal wieder mit nach Bayreuth genommen werden.

Mit "Sigmund" und "Adolf" über den See

Die Wasserfahrzeuge der Retter auf dem Fichtelsee wären fast eine eigene Geschichte wert. Das erste Boot hatte einen Zweitakter. Die blaue Fahne sorgte für Beschwerden, dann gab es einen Viertaktmotor. Ein Boot hieß „Sigmund“, nach dem Fichtelberger Bürgermeister und Wasserwachtförderer Sigmund Glaser. Ein anderes hieß „Adolf“, getauft nach dem Wasserwacht-Urgestein Adolf Dachs. Doch das wusste nicht jeder, und der Bootsname sorgte auch für Irritationen, erinnert sich Seibel. Und der Forst habe sogar mal mal verlangt, dass die Wasserretter mit einem grün gestrichenen Boot auf dem See fahren.

Normalerweise sind im Sommer an Wochenenden drei bis vier Leute am Fichtelsee im Einsatz, bei Großveranstaltungen auf der Asphaltfläche aber auch bis zu 30. Im Jahr 2016 kamen so 35 Wachtage zusammen, an denen 1264 Einsatzstunden anfielen. Vier Rettungseinsätze im Wasser gab es, außerdem 50 Erste-Hilfe-Einsätze, von Schürfwunden, über umgeknickte Fußgelenke bis zu Radfahrern, die gestürzt waren oder sich überfordert hatten. „Und Pflaster gegen Blasen an den Füßen könnten wir tonnenweise verteilen“, so Seibel. Was weniger bekannt ist: Die Wasserwacht kümmert sich auch um den Natur- und Gewässerschutz am Fichtelsee, insbesondere die Biotopbewachung. Da müssen auch schon mal Leute aufgefordert werden, das Sammeln von Gräsern in geschützten Flächen bleiben zu lassen.

Von Anfang an nicht ideal

Vor 26 Jahren bekam die Wasserwacht am Fichtelsee ihr erstes Dach über dem Kopf: ein in Eigenleistung gebauter kleiner Anbau neben den öffentlichen Toiletten am Fichtelsee auf Gemeindegrund unweit des Waldhotels. Platz für ein paar kleine Schränke, einen Tisch mit Eckbank, eine Liege, um Patienten behandeln zu können, mehr nicht. Ideal war das schon damals nicht, aber es war seinerzeit der einzig mögliche Standort. Wenn die Toiletten mal verschlossen waren, „wollten die Leute bei uns aufs Klo.“ Seit letztem Jahr hatten die Wasserwachtler nicht mal mehr fließend Wasser, weil die Leitung kaputt ist. Auch der Standort war nicht ideal: „Man hat nur einen Teil des Sees im Blick“, so Seibel. Und nun kommt hinzu, dass der Wirt vom Waldhotel Interesse hat, das Grundstück mit den Toiletten und dem Wasserwachtraum komplett von der Gemeinde zu übernehmen. Und anstatt noch mal Geld in einen unbefriedigenden Standort zu stecken, hat der BRK-Kreisverband lieber Nägel mit Köpfen gemacht, zumal der Forst mitzog. Und einen Standort anbot, an dem kaum Bäume fallen müssen und der den Zwecken der Wasserwacht sehr viel mehr dient.

Holz und Blech

Die neue Station – geschätzte Kosten: rund 380 000 Euro – soll am südlichen Ende der Asphaltfläche unweit des Waldhotels entstehen. „Ideal für den Rettungshubschrauber zum Landen“, findet Seibel. Das Gebäude wird direkt zwischen das Wasser und dem Weg um den See gebaut. Im Erdgeschoss ist unter anderem ein Behandlungsraum sowie ein Bereitschaftsraum geplant, im Obergeschoss ein Ruhebereich. „Dann können bei größeren Veranstaltungen abends auch mal Diensthabende übernachten“, erläutert Seibel. Integriert ist eine Bootsgarage und eine Slipanlage, um das Boot zu Wasser zu lassen. Die Pläne hat der Bindlacher Architekt Berthold Just gemacht. Optisch soll sich das Gebäude einpassen: in Holzbauweise und mit einem Blechdach. Ursprünglich hatte die Wasserwacht gehofft, schon im Mai einziehen zu können. Da die Genehmigung komplizierter wurde als anfangs gedacht (wir berichteten), wird daraus nichts. Seibel hofft nun, im Sommer mit dem Bauen anfangen und idealerweise schon im Herbst einziehen zu können.

Info: Die Kreiswasserwacht hat 1290 Mitglieder in sieben Ortsgruppen. 2016 hatte sie knapp 5000 Einsatzstunden.

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