Warum heute Abend trotz des Pokal-Spiels so viele Veranstaltungen stattfinden

Nein, nicht ganz: Um Bayreuth herum, im westlichen Landkreis, gibt es einige weiße Fußball-Flecken. Orte, an denen zeitgleich mit dem Pokal-Kracher völlig andere Veranstaltungen stattfinden. Eine Protestbewegung, um gegen die Verfußballung unserer Gesellschaft anzugehen?

Sabine Habla muss laut lachen. Heute Abend wird es ab 20 Uhr in der Volksschule Mistelbach einen Vortrag zum Thema „Alles Reden hilft doch nichts!“ geben, den sie organisiert hat. Vor über vier Monaten. „Dass gleichzeitig dieses Fußballspiel läuft, ist totaler Zufall“, sagt sie. „Wirklich. Und leider. Als ich gestern die Zeitung aufgeschlagen und gesehen habe, dass das Spiel ansteht, dachte ich erst einmal: Oh je.“ Habla ist selbst Fußballfan, zwar eher für die Nürnberger, aber da ihre drei Männer zu Hause – der Ehemann und die zwei Söhne – Bayern-Fans sind, wird sie den Münchnern die Daumen drücken. Aus der Ferne und ohne Familie. „Fußball steht bei meinen Männern ganz oben. Zu dem Vortrag werden die definitiv nicht kommen.“ Sie selbst könnte es nach dem Vortrag zur zweiten Halbzeit schaffen. Was Habla außerdem schade findet: „Heute ist ja auch noch ein Vortrag von Horst Mayer in Mistelgau – da wäre ich eigentlich auch ganz gerne hingegangen.“

Armenien geht vor München

Den Chefreporter der Radio Mainwelle hat der Frauenkreis Mistelgau für 19.30 Uhr ins evangelische Gemeindehaus eingeladen, um einen Vortrag über Armenien zu halten. Vor über einem halben Jahr wurde der Termin ausgemacht. Jeden zweiten Mittwoch trifft sich der Frauenkreis, seit 1975, daran ändern auch Fußballspiele nichts. Anfang der Woche vergewisserte sich Erna Meyer vom Frauenkreis aber doch sicherheitshalber bei Mayer persönlich, ob er auch wirklich komme. „Naja, ist schon ein wenig unglücklich gelaufen“, sagt sie. „Hoffentlich kommen trotzdem einige. Es sind übrigens auch Männer eingeladen.“ Obwohl sie als auch ihr Mann Fußballfans sind, werden beide zum Armenien-Vortrag gehen. „So Fußball-närrisch sind wir dann doch nicht.“ Die zweite Halbzeit ist ja durchaus realistisch... Und da werden dann eher den Dortmundern die Daumen gedrückt. Der Redner selbst, Horst Mayer, sagt, er sei zwar ein großer Fußballfan – aber da das Spiel ja eigentlich nur ein Viertelfinale sei, auch nicht „sooo traurig“. Und außerdem sei er in erster Linie Fan der 1. JFG Hummelgau und des SC Hummeltal.

Donnerstag die bessere Wahl

Eine Gegenbewegung zum Fußball oder gar ein Aufstand war also nicht geplant, da sind sich die befragten Veranstalter einig. Auf zahlreiche Besucher hoffen sie trotzdem, auch wenn sie befürchten, dass nicht ganz so viele kommen werden. Der FC-Bayern-Fan und Vorstand des FC-Bayern-Fanclubs in Mistelgau hat ein wenig Mitleid mit den Organisatoren, weiß aber aus eigener Erfahrung, wie schwierig es für Vereine sein kann, einen geeigneten Termin zu finden. „Aber vielleicht wäre Donnerstag doch die bessere Wahl gewesen“, sagt er. Er selbst wird natürlich zu keiner der erwähnten Veranstaltungen kommen: Er wird vor Ort die Bayern anfeuern. Und was sagen die Dortmund-Fans zur Doppelterminierung? Die sind, wohl aus geografischen Gründen, in unserer Region nicht so stark vertreten. Der nächste offizielle Fanclub ist in Waldeck.

Und warum der CSU-Ortsverband in Glashütten ausgerechnet am Abend des Spiels der Spiele seine Jahresversammlung abhält? Das ist – genauso wie die heutige Taktik von Jürgen Klopp und Jupp Heynckes – streng geheim. „Das hat seine Gründe“, sagt der Vorsitzende Bruno Heider. „Aber die brauche ich nicht zu erläutern.“ Fußballfan sei er jedenfalls nicht.

Foto: Gisder/Archiv

Nicht bewertet

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Kommentare

Hier werden Zusammenhänge konstruiert, wo keine sind!
Dürfte ein guter Abend sein, um ins Kino zu gehen. Denn die schwatzenden Popcornesser sitzen bei Chips und Bier vor dem Fernseher.
Und das Ergebnis von heute hat auf die Welt von morgen keinen Einfluß, denn:
Ist ja NUR Fußball.
Im dritten Programm wird live ab 18.30 bis ca. 21.15 der Starkbieranstich auf dem Nockherberg gezeigt:

"Salve pater patriae, bibas princeps optime!"