Wunderland will 2017 wieder öffnen

Dass wir im August aufmachen wie geplant, wird vorne und hinten nicht funktionieren,“ sagt Birgit Hübner. „Realistisch ist: Nicht vor Sommer 2017.“ Sie sei schon zufrieden, wenn in diesem Sommer die ersten Baufahrzeuge rollen. „Aber es sieht gut aus.“

Einen zweistelligen Millionenbetrag will Birgit Hübner nach eigenen Angaben investieren. Sie will rund 80 Prozent des 120 000 Quadratmeter großen Parks neu aufbauen lassen. Kanäle, Strom- und Wasserleitungen – „das muss alles neu gemacht werden.“ Außerdem verspricht sie neue Attraktionen und Gebäude.

Die Bürokratie lähmt

Dass die Arbeiten in dem Park noch nicht einmal begonnen haben, obwohl sie im Sommer dieses Jahres eröffnen wollte, liege an der Bürokratie. Das bestätigt Plechs Bürgermeister Karlheinz Escher: „Das ist ein erheblicher Aufwand, erst recht wenn es um so viel Geld geht.“ Zwei Punkte müssen laut Hübner noch geklärt werden. Unter anderem gehe es um Förderprogramme. Bis zur Unterschrift werde es noch ein paar Monate dauern. „Es kann immer noch kippen, aber ich arbeite dran, dass wir das schaffen.“

Vorbesitzer stoppen Verkauf

Auch die Vorbesitzer hoffen darauf, dass die Verhandlungen erfolgreich sind: „Wir wünschen uns, dass es weiterhin einen Freizeitpark in Plech geben wird und fühlen uns der Gemeinde hierbei auch verpflichtet“, teilt Alexander Schuster im Namen seiner Familie mit. „Das Konzept von Frau Hübner schätzen wir als aussichtsreich ein.“ Um die Investorin zu unterstützen, habe die Familie den Verkauf von Teilen des Fränkischen Wunderlandes an andere Interessenten bis auf Weiteres eingestellt.

Entscheidung mit "Herzblut"

Dass Birgit Hübner den 40 Jahre alten Freizeitpark retten will, ist kein Zufall: Die Nürnberger Immobilienmaklerin hat einen persönlichen Bezug zum Fränkischen Wunderland, hat Ende der 90er Jahre selbst dort gearbeitet. Sie lebt nicht weit davon entfernt. Ihre beiden Töchter seien gern dort gewesen, als sie noch klein waren. „Bei der Entscheidung hat Herzblut mitgespielt.“

Flapsiges Gespräch mit Folgen

Schon 2013, als es Gerüchte gab, dass der Park nicht fortbestehen würde, habe sie kurz mit dem Gedanken gespielt, ihn zu übernehmen. Aber nach einem flapsigen Gespräch mit einem Bekannten darüber habe sie der Gedanke einfach nicht mehr losgelassen. „Ich bin mit meiner Idee zum Bürgermeister gegangen. Ich hatte schon ein Erstkonzept, ohne im Park gewesen zu sein.“

Bürgermeister mit Zweckoptimismus

Ein Jahr lang entwickelte sie das Konzept weiter. Weil sie als Immobilienmaklerin keine Expertin für den Betrieb eines Freizeitparks ist, habe sie sich fünf Männer ins Boot geholt, die sie bei den Themen Pferde, Gastronomie, Technik, Entertainment und Marketing unterstützen und beraten.

Plechs Bürgermeister geht mit „Zweckoptimismus“ an die neuen Pläne heran. Er glaubt an das Konzept: „Ich kenne das in- und auswendig und es ist gut“, sagt Karlheinz Escher. Er sehe auch keine Probleme, in der Marktgemeinde die baurechtlichen Voraussetzungen für neue Fahrgeschäfte und Gebäude zu schaffen. Er hofft für die Marktgemeinde, dass Birgit Hübner Erfolg hat. Bei der Gewerbesteuer und in der Gastronomie mache sich das geschlossene Wunderland bemerkbar. Und das Interesse der Besucher an dem Park sei da. Das sei durch die vielen Anfragen deutlich geworden, die nach der Schließung in Plech eingegangen waren.

Ziel: Das ganze Jahr geöffnet

Zwar hat sich der Zeitplan um ein Jahr verschoben, ihr Konzept ist aber unverändert: Sie will die Western-Atmosphäre erhalten, den Park aber auch für neue Zielgruppen öffnen. Und: Künftig soll er das ganze Jahr geöffnet sein. Deshalb sei es auch egal, zu welchem Zeitpunkt des Jahres sie eröffne: Eine Saison in dem Sinne gebe es dann nicht mehr. Birgit Hübner will den Park auf keinen Fall einschlafen lassen: „Ganz viele Leute haben Kindheitserinnerungen daran.“

Das Fränkische Wunderland

Im Jahr 1973 begann der Bau des Freizeitparks, drei Jahre später eröffnete Ernst Schuster den ersten Bauabschnitt, das "Märchenland". Im August des darauffolgenden Jahres war die Westernstadt "Kansas-City" fertig - sie war seither das Zentrum des Wunderlands. Vor allem in den 1980er und 90er Jahren wuchs der Park um weitere Fahrgeschäfte und Shows hinzu. Unter anderem zeigten Indianer dort Tänze und Rituale. Einer der Höhepunkte in der Geschichte des Wunderlandes war der Besuch des "King of Pop" Michael Jackson im Jahr 1992, der im Rahmen seiner "Dangerous"-Tour in Pflaum's Post-Hotel in Pegnitz übernachtete. Zuletzt investierte der Eigentümer 2010 und 2012 in die "Beerenschleuder" und die "Watershots". Der Park ist seit 2013 geschlossen. Schuster hatte angekündigt, den Park renovieren zu wollen. Dazu ist es aber nicht gekommen - stattdessen verkaufte er einen großen Teil des Inventars und die Tiere. Selbst die Mitarbeiter wussten lange nicht, ob und wann es mit dem Park weitergehen würde. Im August 2015 hat Birgit Hübner angekündigt, das Fränkische Wunderland zu kaufen und zu sanieren.

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