Warnstreik: IG Metall verschärft den Ton

Auch Beschäftigte anderen Betriebe aus der Region reisten nach Pegnitz; alles in allem zählte die IG Metall rund 700 Teilnehmer. Volker Seidel, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Oberfranken-Ost, scheute sich nicht vor einer drastischen Wortwahl. Das Verhalten des Verbands der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie (VBM) sei eine Provokation, ja eine Schweinerei.

Arbeitgebern zeigen, wo die Reise hinführt

Und er legte nach: „Wenn man dort nicht in die Gänge kommt, müssen wir denen zeigen, wo die Reise hinführt.“ Am 25. Januar ist die vierte Gesprächsrunde in München anberaumt. Sollten die Arbeitgeber dann kein vernünftiges Angebot unterbreiten, sei der weitere Weg klar: „Dann reden wir von Tageswarnstreiks – oder gleich von einer Urabstimmung über einen echten Streik.“

Ein Signal, das ernst zu nehmen ist

Die Bereitschaft sei da, sagte KSB-Betriebsratsvorsitzender Wolfgang Kormann angesichts der enormen Resonanz. Mehr als 500 Beschäftigte des größten Arbeitgebers im Landkreis Bayreuth beteiligten sich am Warnstreik. Die Pottensteiner Maschinenbaufirma Klubert & Schmidt war mit etwa 20 Mann vertreten, ebenso das Unternehmen Wilo aus Hof. Und von Kennametall in Mistelgau hatte sich ein ganzer Bus nach Pegnitz aufgemacht. Das sei schon ein Signal, „dass wir ernst zu nehmen sind, dass wir uns nicht an der Nase herumführen lassen“, so Kormann, selbst Mitglied der Verhandlungskommission.

Rechtsgutachten des VBM eine Nullnummer

Wie Volker Seidel kritisierte er vor allem den VBM-Vorwurf, die Forderungen der IG Metall wie daher auch die Warnstreiks seien unrechtmäßig. Der Verweis auf ein vom Verband in Auftrag gegebenes Rechtsgutachten sei letztlich gegenstandslos. Weil es allem widerspreche, was seit Jahrzehnten gelebte Praxis bei Tarifauseinandersetzungen ist. Dieses von einem, so Seidel, „Prof. Dr. x“, erstellte Gutachten sei eine rein bayerische Angelegenheit, „nirgends sonst wird so argumentiert“. Und das noch falsch, wie der deutsche Juristenbund der Gewerkschaft bestätigt habe. Für Kormann ist das Vorgehen des VBM eine „reine Provokation“ des Hauptgeschäftsführers Bertram Brossardt.

Verhandelt wird nur das Gesamtpaket

Eins sei klar, betonte Seidel: „Wir verhandeln nur das Gesamtpaket, ohne Wenn und Aber.“ Das umfasst nach wie vor drei Forderungen: sechs Prozent mehr Lohn, die Möglichkeit, befristet von Voll- auf Teilzeit zu wechseln inklusive eines Rückkehrrechts – und einen teilweisen Ausgleich für das dann reduzierte Einkommen. Als man sich am Montag nach zwei Verhandlungsstunden in kleineren Gruppen zusammensetzte, sei zumindest das Thema Teilzeit ansatzweise diskutiert worden, so Wolfgang Kormann: „Allerdings in beide Richtungen, also auch nach oben.“ Weil die Arbeitgeber auch eine 40- oder gar 42-Stunden-Woche im Bedarfsfall für nötig halten - „und zwar für alle“.

Lohnforderung alles andere als übertrieben

Unterstützung auf dem Pegnitzer Marktplatz kam auch von Manfred Böhm aus Bamberg, Regionalleiter der katholikschen Betriebsseelsorge. Die Lohnforderung sei alles andere als übertrieben, betrachte man Geschäftslage der Unternehmen und die „rosigen Aussichten für die Zukunft“. Gerechter Lohn sei der Dreh- und Angelpunkt auch aus Sicht der katholischen Soziallehre: „Da geht es um die Verteilung von Lebenschancen, aber auch um die Wertschätzung von Arbeit.“ Noch wichtiger sei aber das Thema Zeit, „vor allem deren Verfügbarkeit“. Sich um Kinder oder pflegebedürftige Angehörige kümmern zu können, sorge auch für neue Motivation und damit auch um mehr Leistungsbereitschaft.

Da steht auch der DGB dahinter

„Lasst euch nicht abspeisen“, so Böhm an die Adresse der 700 Metaller. Das wünschte sich auch Mathias Eckardt, Geschäftsführer des DGB für Oberfranken. Die IG Metall sei der Vorreiter bei den 2018 anstehenden Tarifverhandlungen, „gerade die Arbeitszeit ist ein zentrales Thema für die Zukunft unserer Gesellschaft“.

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