Wahnfried: 60 000 Euro fehlen

„Wir haben einen neuen Termin“, sagte Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe, als Geschäftsführerin der Stiftung. Bis 28. November bleibt den Mitgliedern des Gremiums – unter anderem Vertreter von Bund, Freistaat Bayern, Stadt Bayreuth, Bezirk und Oberfrankenstiftung – noch Zeit, nach weiteren Einsparmöglichkeiten zu suchen und nachzuverhandeln.

Bleibt dann immer noch eine Finanzierungslücke, ist die Stiftung, auf der auch die Bayreuther Festspiele basieren, ab 1. Januar nicht mehr geschäftsfähig.

Die Eröffnung des Richard-Wagner-Museums ist für 25. Juli 2015 geplant.

„Aktuell fehlen 60 000 Euro“, sagte Regierungspräsident Wilhelm Wenning, der dem Stiftungsvorstand vorsitzt. Der Freistaat Bayern habe seine Beteiligung seit der vorherigen Verhandlungen beinahe verdoppelt. Dazu gebe es ein paar Unklarheiten: „Wir können nur grob schätzen, wie hoch die Stromkosten sein werden und wie viel Eintrittsgeld wir einnehmen.“

Er sei zuversichtlich, dass das Museum dennoch öffnen und dann auch geöffnet bleiben kann, sagte Wenning. „Auch wenn wir nicht öffnen, fallen ja Kosten an.“ Gesichert sei die Finanzierung in jedem Fall aber nur im Jahr der Eröffnung, sagte Wenning. „Im Moment schauen wir nur auf das Jahr 2015“ – mit Geldgebern, die einen eigenen Haushalt verabschieden müssten, gehe das nicht anders. „Danach schauen wir von Jahr zu Jahr.“

Nach Kurier-Informationen erwägen Mitglieder des Gremiums, die zusätzlichen Mitarbeiter des Museums nur mit kurzfristigen Zeitverträgen einzustellen.

Mehrere Szenarien zur Finanzierung des Fehlbetrags wurden in der gestrigen Sitzung nach Kurier-Informationen verworfen, darunter:

> eine Erhöhung der Miete für das Festspielhaus, die einzige wesentliche Einnahme der Stiftung. Auf Mieter- wie Vermieterseite liegt die Mehrheit und die finanzielle Hauptlast bei der öffentlichen Hand.

> ein Einspringen der „Gesellschaft der Freunde von Bayreuth“ – die Mäzenaten sind Gesellschafter der Festspiele und Mitglied im Stiftungsrat.

> der Start einer Spendenaktion.

Toni Schmid, der als Ministerialdirigent im bayerischen Kunstministerium dem Stiftungsrat vorsitzt, sieht die Verantwortung für die ungeklärte Kostenfrage auch beim Vorstand der Stiftung. „Im Frühjahr haben wir einen Brief aus Bayreuth bekommen mit der Bitte, unseren Zuschuss um 260 000 Euro zu erhöhen“, sagte Schmid. „Jetzt sind es 416 000 Euro, die wir bezahlen sollen. Mit einer solchen Explosion konnten wir nicht rechnen.“

5 (2 Stimmen)

Anzeige

Kommentare

Die Frage muß gestellt werden: "welchen Stellenwert hat Kultur insbesondere Wagners Musikkultur überhaupt gesellschaftlich und im Besonderen in Bayreuth, wenn ein geradezu lächerlicher Betrag von 60T€ nicht ad hoc aufzutreiben ist?" Für Sport (leider oft erfolglose profilierungssüchtige Vereine) u. Spaß wird in der Stadt nicht mit der Wimper gezuckt, um einen solchen Betrag aufzutreiben.
Es ist traurig, wie hier gepokert wird, um ein einmaliges historisches Erbe der Nachwelt zu erhalten. Wenn eine Stadt schon monokulturell auf Museumskultur setzt, dann soll sie das auch mit ganzem Herzen tun, sonst wirkt das nach außen nicht glaubhaft. Der neue Kulturreferent ist nicht zu beneiden.
Mal wieder ein Projekt, bei dem man nach Realisierung merkt, dass gar nicht alle Kosten gedeckt sind. War vorher bestimmt nicht abzusehen...
Gut, dann haben wir ein neues Museum, dass wir aber erstmal nicht betreiben können. Es bleibt dann geschlossen, verursacht aber weiterhin Kosten. Jetzt sehe ich da lauter kluge und erfahrene Köpfe sitzen, ehemalige Finanzminister, IHK-Chefs usw.. Mal ne dumme Frage: Planung konnte wohl keiner?
Daß der Museumbau aus anderen Töpfen bezahlt wird, als der Unterhalt war vorher schon klar publiziert worden.
Das Problem ist, daß nach der Wiedereröffnung die Personalkosten höher sind, weil wohl mehr Menschen beschäftigt werden.
Für die laufenden Kosten kommt im wesentlichen die kinderfreundlichste Stadt Deutschlands auf.
Und wenn dann mal eben 60T€ nachgeschossen werden müssen ...
Klar, daß ein Teil der Gelder, die in den Sport der Stadt gesteckt werden, dann auch den Vereinen, die gerne im Profibereich mitmischen wollen, versickern. Und wenn das STÄDTISCHE Eisstadion vom lokalen Verein wie sein Eigentum okkupiert wird ...
das STÄDTISCHE Fußballstadion ausschließlich für einen unterklassigen Klub bespielbar ist ...
das angeblich dem Schwimmverein gehörende, aber nur durch STÄDTISCHE Steuergelder zu betreibende Bad, vom Verein wie sein Eigentum betrieben und benutzt wird ...

da versickern dann viele kommunale Mittel, die anders u.U. besser investiert wären.
Es kommt alles darauf an, wie gut das Museum ist und wie es dann auch vermarktet wird.

Jeden Tag einen Bus bezahlende Besucher mehr und schon sind bestimmt alle glücklich.
Wir leben nicht mehr im Mittelalter. Die Besuchergruppen müssen schon freiwillig kommen. Und Richard Wagner ist nicht gerade ganz oben gelistet, wenn es darum geht, Musik aus dem Internet herunter zu laden.
Früher hätte man die Busse an den Ausfahrten Nord & Süd abgeleitet, durch die Stadt fahren lassen und den Reisenden die Sehenswürdigkeiten gezeigt.
Aber diese Zeiten sind - auch in Bayreuth - vorbei.
Vermutlich liegen die Betriebskosten der Therme viel höher als die des neuen Museums. Kinderfreundlich ist diese auch eher nicht. Trotzdem rührt keiner die Therme an.

Ein Museum ist jetzt nicht gerade ein "must have", aufgrund von Verträgen kommt die Stadt aber leider nicht umhin, ihren Beitrag zu leisten, wie die anderen Vertragspartner auch.

Ich kann mir vorstellen, dass unserer Frau OB jeder Euro, der nicht irgendwo investiert (Betriebskosten sind ja keine Investitionen)wird, schmerzt, aber aussteigen geht leider nicht.

Es wird an den Machern des Museums liegen (Ausstellungsgestalter, Museumsleitung, Stadtvermarkter...), ob das Museum die Erwartungen erfüllt oder nicht. Allerdings müssen vorher die konkreten Erwartungen überhaupt definiert werden. Wahrscheinlich hat Hinz andere Erwartungen als Kunz.
Verlust Lohengrintherme: 2.500.000 € p.a.
Öffentliche Bauvorhaben werden immer teuerer als veranschlagt. Deshalb werden auf den Bautafeln schon länger keine "voraussichtlichen Kosten" mehr genannt.
Montag, 13. November 2017 - 11:06