Wahlen bei der SPD: Tasdelen will nochmal

Es sind turbulente Jahre, die hinter dem SPD-Stadtverband liegen. Alleine in den vergangenen sechs Jahren haben die Genossen drei Vorsitzende kommen sehen. Zwei davon – Tina Krause und Thomas Ritter – sind nicht nur einfach wieder gegangen, sondern haben dabei gleich ihr Parteibuch abgegeben. Auch Michael Struck, Ritters Vorgänger, hatte das Amt zuvor nur zwei Jahre lang ausgefüllt. Insofern ist es zwar nichts Besonderes, dass Halil Tasdelen jetzt seit zwei Jahren den Hut im Stadtverband auf hat. Dass er ihn nicht mehr abnehmen will, dagegen schon.

Tatsächlich wähnt sich Tasdelen erst am Anfang

Der 44-Jährige will helfen, den rechten Parolen Einhalt zu gebieten, die, wie er sagt, gerade wieder salonfähig werden. Im Alter von zehn Jahren, als Sohn eines Steinmetzen nach Bayreuth gekommen, – der Namen Tasdelen heiße aus dem Türkischen übersetzt so viel wie „Steinbohrer“ – habe er erlebt, wie an beinahe jeder Mauer „scheiß Kanaken“ und „scheiß Türken“ stand. Dass es in Bayreuth einen Tekirdag-Platz gibt, bezeichnet Tasdelen angesichts dessen als seinen größten politischen Erfolg. Sein persönlich größter ist, dass er in der 823 Jahre alten Geschichte der Stadt der erste Stadtrat mit Migrationshintergrund ist.

Fußballer, Tiefbaufacharbeiter, Personalreferent

Tasdelen – Fußballer, Tiefbaufacharbeiter und Personalreferent bei der Firma Markgraf – ist oft belächelt worden und hat sich doch immer weiter nach oben gearbeitet: bei der Stadtratswahl von Listenplatz 16 auf zuletzt Listenplatz zwei. Der einst stolzen Partei, die mit rund 450 Mitgliedern immer noch die mit den meisten Anhängern in Bayreuth ist, deren Anzahl an Sitzen im Stadtrat aber von einst 22 auf jetzt acht gesunken ist, will Tasdelen zu neuem Glanz verhelfen. „Indem wir wieder an den Leuten sind“, sagt er. „Und uns nicht wie der Aufsichtsrat, sondern wie der Betriebsrat der Gesellschaft aufführen.“

Kein Gegenkandidat in Sicht

Einen Gegenkandidaten hat der 44-Jährige nicht zu befürchten. Thomas Bauske, der Vorsitzende der Stadtratsfraktion, sagt: „Dass ich antrete, ist absolut ausgeschlossen.“ Warum? Weil Fraktions- und Stadtverbandsvorsitz nicht in eine Hand gehörten. Weil Stadtrats- und Parteiarbeit unterscheidbar bleiben müsse. Weil zwei verschiedene Gesichter der Partei gut täten. Und Bauske sagt: „Hätte mich jemand vorschlagen wollen, wäre er hoffentlich vorher zu mir gekommen. Andernfalls würde ich das ablehnen.“

Spannender gestaltet sich da die Wahl der zwei Stellvertreter

Die Amtsinhaber, Heidi Glass und Oliver Gschwender, wollen wieder kandidieren. Weil es in der SPD eine Frauenquote gibt, gilt die Wiederwahl von Glass als sicher. Gschwender, der seit acht Jahren im Vorstand ist, davon sechs als Stellvertreter, und der aufgrund der häufigen Wechsel an der Spitze den Verband auch schon kommissarisch führen musste, erwartet aber einen Gegenkandidaten. Alexander Bauer, bisher Pressereferent des Stadtverbandes, stellvertretender Vorsitzender des SPD-Ortsverbandes Bayreuth-Mitte und Mitarbeiter des Landtagsabgeordneten Christoph Rabenstein, hat seinen Hut in den Ring geworfen. Bauer sagt: „Es muss etwas passieren. Ich möchte mehr machen für die Partei und mich engagieren.“ Auch er verweist darauf, dass die SPD nur noch acht Stadträte stelle und es gelte, das bei der Kommunalwahl im Jahr 2020 zu ändern. Bauer, dann 35 Jahre alt, strebe einen Sitz in dem Gremium an. „Aus all dem mache ich keinen Hehl“, sagt er. Und: „Ich halte nichts davon, Mitglied in einer Partei zu sein und den Mund nicht aufzumachen.“

Erst einmal muss sich Bauer aber gegen Oliver Gschwender durchsetzen

Der 46 Jahre alte Web-Administrator und Personalrat der Uni Bayreuth ist auch Mitglied im Landesfachbereichsvorstand der Gewerkschaft Verdi und im Vorstand des Kunstvereins Bayreuth. Dass es mit Bauer einen weiteren Bewerber auf seine Stelle gebe, bezeichnet Gschwender als positiv: „Wenn bereits alle Vorstandsposten vergeben wären, müsste man sich ja fragen, wozu wir uns überhaupt treffen.“ Über eine Wiederwahl würde er sich trotzdem freuen, sagt Gschwender. Er verstünde das auch als Anerkennung dafür, dass er den Stadtverband mit durch die turbulenten Jahre geführt habe. Entschieden sich die Mitglieder anders, drohe aber kein weiterer Parteiaustritt, sagt Gschwender.

Info:

Die Mitgliederversammlung mit Neuwahlen findet am Samstag, 21. Oktober, um 10 Uhr im Glenksaal statt.

3 (1 vote)

Anzeige

Kommentare

Wie kommt denn Herr Bauske auf die Idee, dass ihn überhaupt jemand als Vorsitzender des Stadtverbandes vorschlagen würde. Es reicht doch, wenn er im Stadtrat alles dafür tut, dass die SPD bei der nächsten Wahl noch schlechter abschneidet.
Auch für Parteien gibt es wie für Produkte einen Lebenszyklus. Die SPD ist auf dem absteigenden Ast.
So ist es!
Die SPD wird nur noch von ihrer Stammwählerschaft jenseits der 60 gewählt, für die jüngere Generation besitzt sie die Anziehungskraft eines Bügeleisen, das trifft auch auf Martin Schulz zu.
Wundern muss man sich darüber nicht. Wer will heute noch zu den "kleinen Leute" gehören? Heute bestehen genügend berufliche Aufstiegsmöglichkeiten für jedermann, Leistung, Wille und Einsatzbereitschaft zählen, und nicht das Sozialgeschmarre der 60er Jahre.
Außerdem war es die SPD, die ihre Stammwählerschaft mehr und mehr verraten und ihr das Geld schamlos links und rechts aus der Tasche gezogen, um es den Arbeitsunwilligen, den Migranten und sonstigem Klientel zu geben. Irgendwann schlägt das Pendel eben zurück.
Montag, 13. November 2017 - 11:06