Wagnerianer-Spott: Alt, faltig, eitel

Wagnerianer oder die Leute, die sich dafür ausgeben, sind ein leichtes Ziel für Spötter. Gralshüter, selbst ernannte Künder des Wahren, Schönen und Guten, Jünger einer Religion, die Außenstehenden komisch, anrüchig oder was auch immer vorkommt – nur nicht eines, nämlich gesund: Ja, solche Leute haben nicht nur hohen Wiedererkennungswert, sondern weisen außerdem große Angriffsflächen aus.

Béla Faragó lässt sich dieses Ziel nicht entgehen. Darsteller – aus der Tetralogie des „Rings“ – wie auch Zuschauer bevölkern seine Grafiken, die der Kunstverein Bayreuth bis 20. September im Kabinett des Kunstmuseums präsentiert. Der Titel der kleinen Ausstellung lautet „Die Bayreuther Festspiele und ihr Publikum“, er könnte aber auch lauten: Die Schönen und die Mächtigen. So hat der in Ungarn geborene und in Nürnberg wirkende Künstler eine ganze Reihe von Grafiken betitelt: Paare in Abendgarderobe, die natürlich nicht schön sind, sondern alt und faltig, und über deren Macht man nichts weiß.

Grob und ungeschlacht geben sich die Zeichnungen nur

Die Karikaturen geben sich den Anschein des Groben und Ungeschlachten, sind aber tatsächlich mit feinem Können gezeichnet. Das Problem: Béla Faragó bleibt, vom hohen Wiedererkennungswert der einzelnen Akteure im Wagner-Zirkus verführt, an der Oberfläche und reproduziert ein ums andere Mal Klischees. Wagner-Darsteller haben Helme mit Hörnern auf und haben Tonnenform, das Publikum ist eitel und arrogant, und Hitler bewundert Wagner auf Augenhöhe. Nur selten weckt der Wahl-Nürnberger Assoziationen und öffnet damit Spielräume für Gedanken. Auf einer Grafik prosten zwei ältere Damen einander mit Schaumwein zu, während ihre Gatten voreinander katzbuckeln. „Begegnung in der Pause in höherer Erwartung“ heißt das Blatt, das ziemlich sicher eine Verbeugung vor Paul Klee und seiner frühen Radierung „Zwei Männer, einander in höherer Stellung vermutend, begegnen sich“ darstellt. Auf anderen Blättern werden Kinder mit Wagner traktiert: Vielleicht ein kleiner Fingerzeig an den einen oder anderen Betrachter, wie man Musikbegeisterung abtöten kann.

Ein machmal herausragender Zeichner

Béla Faragó ist ein vielseitiger und in manchen seiner Werke herausragender Grafiker und Maler. Bekannt (manche Strenggläubigen würden eher sagen: berüchtigt) geworden ist er durch sein „Wollust“-Gemälde, das, in einer Erlanger Kirche aufgehängt, zu Protesten führte. In Serien wie „Totentanz“ bannt er das Grauen in Knochengestalten, die tatsächlich wie belebt wirken. Eine unheimliche Wucht entfaltet Faragó in diesen Blättern.

Ein allzu einfaches Ziel?

Im Kunstkabinett stellt Faragó eine grobschlächtige, fast schon vulgäre Spottlust zur Schau, die allein über den Kontrast zur Hochkultur des Musiktheaters Wirkung erzielt. Die stärksten Arbeiten aber haben die Festspiele dem Zeichner nicht entlockt. Manchmal wirkt es, als sei Béla Faragó angesichts dieses einfachen Ziels ein wenig unterfordert gewesen.

Nicht bewertet

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Montag, 13. November 2017 - 11:06