VR-Banken machen Fusion perfekt

Herr Handke, Herr Dünkel, von diesem Freitag bis Sonntag steht die technische Umsetzung der Fusion Ihrer beiden Häuser zur VR-Bank Bayreuth-Hof an. Wie groß ist die Aufregung?

Jürgen Dünkel:  Eine Grundanspannung ist natürlich da. Aber wir haben mit unserem Rechenzentrum, der Fiducia & Gad IT AG, einen erfahrenen Dienstleister an unserer Seite, der schon viele Fusionen begleitet hat. Wir wollen, dass die Fusion technisch möglichst ohne große Einschränkungen vonstatten geht. Deshalb haben wir einen großen Teil der Umstellungen auf ein Wochenende gelegt. Wichtig für unsere Kunden ist, dass unsere Bankfilialen in Bayreuth am Freitag geschlossen sind. Auch das Online-Banking kann von Freitag bis Sonntag nur eingeschränkt genutzt werden.

Jürgen Handke:  Unsere Kunden im Raum Hof und im Vogtland sind nur sehr wenig von der technischen Umstellung betroffen. Voraussichtlich wird es lediglich am Samstag Einschränkungen bei gewissen Dienstleistungen – etwa beim Geldabheben oder beim Ausdrucken von Kontoauszügen geben. Unser Ziel ist es, die technischen Umstellungen so hinzubekommen, dass unsere Kunden möglichst wenig beeinträchtigt werden. Am 17. Juli wollen wir sagen können: Die technische Fusion unserer beiden Häuser ist abgeschlossen.

 

Der erste Schritt zum Zusammenwachsen wäre dann vollzogen. Aber wie weit ist die Fusion in den Köpfen der Mitarbeiter?

Handke:  Die Fusion ist ja nicht von heute auf morgen gekommen. Beide Institute haben sich in den vergangenen Monaten sehr gut kennengelernt. Wir haben 13 gemeinsame Projektgruppen, in denen 80 Mitarbeiter aus beiden Häusern intensiv zusammenarbeiten. Wir haben auch offen mit unseren Mitarbeitern kommuniziert, sie zum Beispiel durch einen Fusions-Newsletter kontinuierlich über die Entwicklungen informiert. Beide Banken haben ihre Stärken. Unser Ziel ist es, das Beste aus beiden Häusern zusammenzuführen – im Sinne und zum Wohle unserer Kunden. Ich denke, wir sind da auf einem guten Weg.

Dünkel:  Im Laufe der Jahre bildet sich in jedem Unternehmen eine gewisse Kultur heraus. In den Projektgruppen zeigt sich, dass Arbeitsweisen mitunter unterschiedlich sind. Aber wir können viel voneinander lernen. Ich bin fest davon überzeugt, dass unsere beiden Institute auch im Hinblick auf Mentalität und Wertesystem sehr gut zusammenpassen.

 

Gerade bei einigen Bayreuther Mitarbeitern gab es Befürchtungen, dass sie nach Hof zwangsversetzt werden. Sind diese Bedenken nun zerstreut?

Handke:  Es hat keine einzige Versetzung über den Kopf eines Mitarbeiters hinweg gegeben. Insgesamt hat sich für etwa eine Handvoll Beschäftigte eine räumliche Veränderung beim Arbeitsplatz ergeben, aber nur, weil sie sich das gewünscht haben.

 

Wie sieht es mit der Sicherheit der Arbeitsplätze aus?

Handke:  Wir stehen dazu, dass es keine fusionsbedingten Kündigungen geben wird. Aber aufgrund von Altersteilzeitregelungen und natürlicher Fluktuation werden wir mittelfristig weniger Personal haben. Wir werden genau prüfen, ob wir frei werdende Stellen neu besetzen.

 

Die neue VR-Bank Bayreuth-Hof ist nun die größte oberfränkische Genossenschaftsbank. Aber Größe muss nicht immer ein Ausdruck von Stärke sein.

Dünkel:  Das ist richtig. Aber uns geht es doch nicht um Größe an sich. Wir können enorm von unseren gegenseitigen Stärken profitieren und haben nun auch mehr Möglichkeiten, unser Tätigkeitsfeld auszuweiten – zum Beispiel das Kreditgeschäft mit größeren Mittelständlern. Manche Geschäfte, die ein gewisses Volumen überstiegen, konnte jedes Institut für sich bislang nicht stemmen, sondern nur im Verbund mit der DZ Bank, dem genossenschaftlichen Zentralinstitut. Gemeinsam sind wir aber nun stark genug. Dadurch verbessern sich auch unsere Ertragschancen. Es wäre falsch, zu glauben, dass wir die Fusion nur aus Kostengründen vollzogen haben.

 

Aber Kosteneinsparungen durch Synergieeffekte sind das Ziel jeder Fusion. Wie hoch schätzen Sie diesen Effekt in Ihrem Fall?

Handke:  Mittelfristig rechnen wir mit einem jährlichen Fusionsnutzen von zirka 3,5 Millionen Euro, der sich je zur Hälfte aus Kostensynergien und Ertragspotenzialen zusammensetzt. Ein Beispiel ist die zunehmende Regulatorik in unserer Branche. Da können wir jetzt Kräfte bündeln und brauchen nicht mehr zwei Einheiten, die sich mit diesem Thema beschäftigen.

 

Bleibt das 51 Standorte umfassende Filialnetz Ihrer Bank erhalten?

Handke:  Für 2017 sind – wie angekündigt – keine Einschnitte in unserem Filialnetz vorgesehen. Wir stehen auch zu unserer Aussage, dass wir weiterhin in der Fläche präsent sein werden. Aber klar ist ebenfalls, dass wir immer wieder überprüfen werden, wie wir unser Geschäftsstellennetz verändern müssen, damit wir auch den gewandelten Gewohnheiten unserer Kunden bei Bankgeschäften - Stichwort Digitalisierung - Rechnung tragen.

 

Die Commerzbank hat angekündigt, sie wolle ihr Filialnetz aufrechterhalten und sogar zusätzliche Filialen eröffnen. Eine Kampfansage an die Genossenschaftbanken und Sparkassen, die zuletzt viele Filialen geschlossen haben?

Dünkel:  Wir müssen hier mal die Größenordnungen deutlich machen: Die Commerzbank hat in Deutschland knapp 1000 Geschäftsstellen. Es gibt bundesweit fast genauso viele Volks- und Raiffeisenbanken, von denen viele ein weit verzweigtes Filialnetz unterhalten. Und was uns anbelangt: Ein Blick auf unser Geschäftsstellennetz macht deutlich, dass die VR-Bank Bayreuth-Hof in ihrer Region so präsent ist wie kaum eine andere Bank.

 

Nochmals zu Synergien und Kostensenkungen. Wäre nicht eine Verkleinerung des Vorstands ein eindrucksvolles Symbol gewesen, dass dabei nicht immer nur in den unteren Ebenen angesetzt wird?

Dünkel:  Ein vierköpfiger Vorstand ist für ein Institut unserer Größenordnung nicht ungewöhnlich. Ursprünglich wäre es ja ein Fünfer-Gremium gewesen, aber nach dem Wechsel von Norbert Schug nach Coburg ist niemand nachgerückt. Wir möchten darauf hinweisen, dass beide Häuser die Fusion nicht aus der Defensive heraus, sondern aus einer Position der Stärke vollzogen haben. Es ist ja nicht so, dass beide Banken in der Vergangenheit nicht erfolgreich waren. Im Gegenteil.

Handke:  Richtig. Wir haben stets betont, dass wir eine Fusion auf Augenhöhe wollen. Es wäre einem Vorstandsmitglied, das gute Arbeit geleistet hat, schwer zu vermitteln gewesen, dass es nun zurück ins Glied muss. Wir haben das ja auch nicht eigenmächtig entschieden, sondern der Aufsichtsrat und die Vertreterversammlung haben zugestimmt.

 

Den Großteil ihrer Erträge erwirtschaften Genossenschaftsbanken mit dem Zinsgeschäft. Das sind trübe Aussichten angesichts des weiterhin niedrigen Zinsniveaus, finden Sie nicht?

Handke:  Natürlich hat die ultralockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank negative Auswirkungen auf unser Zinsgeschäft. Aber es gibt ja vorsichtige Anzeichen, dass die EZB den langsamen Ausstieg aus ihrer expansiven Geldpolitik vorbereitet. Trotz des schwierigen Umfelds sind wir von unseren eigenen Stärken überzeugt. Wir merken, dass gerade wegen der Niedrigzinsen andere Geschäftsfelder – etwa das Immobilien- und Wertpapiergeschäft – zugelegt haben. Und wir sehen auch in einigen anderen Bereichen noch gute Chancen.

 

Wo konkret?

Dünkel:  Zum Beispiel – im Verbund mit der DZ Bank – bei der Betreuung vermögender Kunden. Auch die Themen Vorsorge und Erbschaftsplanung wollen wir noch stärker in den Fokus nehmen. Ich bin da optimistisch, weil wir sowohl in Hof als auch in Bayreuth kompetente Mitarbeiter haben. Oft gehen Fusionen mit Zentralisierung einher. Bei uns ist das nicht so. In allen wichtigen Geschäftsfeldern werden unsere Spezialisten weiterhin vor Ort sein.

 

Der frühere Aufsichtsratschef der VR-Bank Bayreuth, Professor Thomas Meuche, hat in einem Gespräch mit unserer Zeitung den VR-Banken und Sparkassen vorgeworfen, sie hätten Entwicklungen verschlafen. Er regt auch die Erschließung neuer Geschäftsfelder an – etwa die Finanzierung von Start-ups. Was entgegnen Sie?

Dünkel:  Ich weiß ja, dass die Wissenschaft gerne kreativ im Hinblick auf neue Geschäftsmodelle ist. Nur: Zum einen muss das Geschäftsfeld zu unseren Wurzeln passen. Und zum anderen müssen wir auch das Risiko im Auge behalten. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir mit Geldern arbeiten, die uns unsere Kunden anvertraut haben. Nehmen Sie die Finanzierung von jungen Unternehmen, sogenannten Start-ups. Die brauchen in der Startphase Investoren, die ihnen Eigenkapital zur Verfügung stellen. Bei Start-ups gibt es große Gewinnchancen, aber mindestens ebenso große Verlustrisiken. Wir selbst können nicht mit Eigenkapital zur Verfügung stehen, aber bei der Suche nach Eigenkapitalgebern unterstützen.

Handke:  Richtig ist, dass wir als genossenschaftlicher Sektor gerade im digitalen Zeitalter beim Innovationstempo noch etwas zulegen müssen. Aber man muss ebenfalls sehen, dass eine Bank in vielen Bereichen nicht allein handeln kann. Der Genossenschaftsverband hat einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung getan. Es gibt dort jetzt eine Einheit, die sich gezielt und intensiv mit Innovationsthemen befasst. Davon profitiert jedes einzelne Institut im Verbund.

 

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Zahlen, Fakten und Informationen

Die VR-Bank Bayreuth und die VR-Bank Hof sind nun verschmolzen zur VR-Bank Bayreuth-Hof. Das neue Institut wurde in der vergangenen Woche ins Genossenschaftsregister eingetragen.

Dem Vorstand gehören neben Jürgen Handke (Vorsitzender) und Jürgen Dünkel auch Bernd Schnabel und Markus Schappert an.

Die VR-Bank Bayreuth-Hof beschäftigt 453 Mitarbeiter, weist eine Bilanzsumme von 2,13 Milliarden Euro auf und ist an 51 Standorten in den Räumen Hof und Bayreuth sowie im Vogtland vertreten.

Das Kreditinstitut hat nunmehr fast 131.000 Kunden und verwaltet Kundeneinlagen von rund 1,72 Milliarden Euro.

Für die Kunden der früheren VR-Bank Bayreuth ändert sich von 15. Juli an die Iban, weil ab diesem Zeitpunkt die neue Bankleitzahl 780 608 96 beziehungsweise der neue Bic GENODEF1HO1 gilt. In Hof ändert sich hier nichts.

Alle größeren Unternehmen werden von der Bank über die Änderung informiert. Zahlungen, die nach dem 15. Juli mit alten Kontodaten eingehen, werden für eine Übergangszeit weitergeleitet.

Die Bankkarten bleiben grundsätzlich bis zum Ablauf der Gültigkeit nutzbar. Kunden, deren VR-Bankkarten Ende 2017 ablaufen, erhalten Ende des Jahres eine neue Karte. Bei den Kreditkarten ändert sich nichts.

Am kommenden Wochenende, an dem vom 14. bis zum 16. Juli die technische Fusion vollzogen wird, stehen Online-Banking, SB-Geräte sowie die Geldautomaten anderer Banken nur eingeschränkt zur Verfügung. Das betrifft auch die Zahlung an Händlerterminals (Tankstelle, Kaufhaus usw.), wie die Bank mitteilt. In der Summe kann maximal über 500 Euro verfügt werden. Kreditkartenzahlungen sind davon nicht betroffen.

Die Filialen der VR-Bank Bayreuth bleiben am Freitag, 14. Juli, aufgrund der technischen Umstellungsarbeiten geschlossen.

Vom 15. Juli an lautet die neue Internetadresse www.vrbank-bayreuth-hof.de

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