Volksfestplatz: Treff der Sinti-Baptisten

Was sind Baptisten?

Die Baptisten sind eine Freikirche in der das Neue Testament gepredigt wird. Bei den Baptisten gibt es keinen Dachverband, keine Sakramente und keine Babytaufe, „eben nichts, womit sich ein Gläubiger vor Gott beweisen muss“, sagt Pastor Jim White. Getauft werde im Erwachsenenalter, „aber auch das ist keine Pflicht, um in den Himmel zu kommen.“ Dazu genüge der Glaube an die Geburt, den Tod und die Auferstehung Jesus.

Warum haben die Sinti eigene Baptisten-Gemeinden?

Weil es bislang nicht gelungen sei, Sinti und Roma in die allgemeinen Gruppen der Baptisten zu integrieren. „Überall standen sie immer am Rand“, sagt White. Eine Gemeinde brauche Zeit zu wachsen und wer Menschen mit einem relativ jungen und ungefestigten Glauben nicht nur religiöse Formen, sondern auch noch die deutsche Kultur überstülpe, der überfordere sie. Für die Sinti sei die Mitgliedschaft bei den Baptisten bislang weniger eine Freude, als vielmehr eine Last gewesen, sagt White.

Warum findet das Treffen in Bayreuth statt?

Die Teilnehmer kommen aus Nürnberg, Würzburg, Bamberg, Bayreuth, Karlsruhe und aus Ludwigsthal im Saarland. In Bayreuth fand das Jahrestreffen schon einmal vor vier Jahren statt. Pastor White sagt: Aus dem damaligen Treffen sei die Bayreuther Sinti-Baptistengemeinde „Quelle des Lebens“ mit mittlerweile 35 Mitgliedern hervorgegangen. Und man handhabe das wie Paulus zu seiner Zeit: Man komme zurück um das einst Begonnene zu stärken. Dazu kommt: In Bayreuth gibt es viele sesshafte Sinti. Für viele ist das Jahrestreffen auch eine große Familienzusammenkunft.

Wie kommt es, dass scheinbar jeder Sinti-Baptist einen Wohnwagen hat?

„Es gibt immernoch viele Reisende unter den Sinti“, sagt Pastor White über den Zustand, dass viele Sinti keinen festen Wohnort haben. Die, die gerade auf dem Volksfestplatz kampieren, verdienen ihr Geld größtenteils als Händler, beispielsweise mit Antiquitäten und auf Flohmärkten. Der Wohnwagen ist ihr Zuhause.

Wer bezahlt das?

„Wer es sich leisten kann, den bitten wir um 140 Euro Standgebühr für diese zehn Tage“, sagt Pastor White. Wer kein Geld hat, für den springen die Gemeinden aus Bayreuth, Bamberg, Karlsruhe, Ludwigsthal und Würzburg ein. Sie sind es auch, die die Miete für das Zelt und die sanitären Anlagen bezahlen.

Darf jeder auf das Gelände?

Grundsätzlich handelt es sich um eine geschlossene Veranstaltung. Gäste seien aber jederzeit willkommen, vor allem zu den Gottesdiensten, die jeden Abend um 19 Uhr im Zelt stattfinden. „Wenn viele Bayreuther kämen, um sich das anzusehen, wäre das großartig“, sagt Pastor White. Er bittet aber auch darum, die Privatsphäre der Teilnehmer zu respektieren. Für die meisten sei die Zeit auf dem Volksfestplatz so etwas wie ein Jahresurlaub.

Was unterscheidet einen solchen Gottesdienst von einem, wie wir ihn kennen?

Am ersten Abend kamen 400 Menschen zum Gottesdienst. Eine Zahl, von der die großen Konfessionen nur träumen können. Pastor White schwärmt vor allem von der Musik. Von den Liedern, die auch ihm fremd seien. Ein solcher Gottesdienst sei wie eine Weltreise, man könne regelrecht hören, durch welche Länder die Menschen gereist seien. Die Predigten hält nicht der Pastor, sondern einer der „Ältesten“, also ein Sinti, mit einer gewissen religiösen Reife. „Wenn ich zu den Leuten rede, die den Weg noch nicht kennen, dann ist da eine Wand“, sagt White. Und: Die Gottesdienste im Zelt dauern ziemlich genau eine Stunde. Man brauche schließlich eine feste Form und Zeit, um sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, die Botschaft von Jesus. Gerade dann, wenn einem die noch neu sei.

Gibt es Sicherheitsvorkehrungen?

Einen Sicherheitsdienst gibt es nicht, das Tor zum Volksfestplatz steht offen. Einzig die Polizei patrouilliert hin und wieder. White sagt, allenvoran mit Neonazis habe man bei Jahrestreffen in anderen Städten bereits Bekanntschaft gemacht. Das sei auch der Grund dafür, dass man in der Stadt nicht für die Veranstaltung geworben habe. „Wir wollen nicht provozieren“, sagt White, aber man mache aus dem Treffen auch kein Geheimnis. Auf dem Gelände gibt es ein Seelsorgezelt. Das vorherrschende Thema dort sei die Angst vor Terrorismus, allenvoran vor rechtsextremen. „Die Leute haben Angst“, sagt White, aber die Ältesten der Gemeinden würden das Risiko, dass etwas passieren kann, in Kauf nehmen. Aus Sicherheitsgrünen hätte man das Zelt beispielsweise weiter vom Eingang des Volksfestplatzes entfernt aufstellen können. Aber man habe den Anwohnern in der Hübschstraße nicht mehr als nötig auf die Pelle rücken wollen. Musikalisch könne es, vor allem in der Jugendstunde um 21 Uhr, nämlich durchaus einmal etwas lauter werden.

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