Vier Fans, wie sie im Buche stehen

Adèle Kratzer empfindet „wahnsinnige Freude, die man lange nicht kannte“, dass es nach „unglaublichen Höhen und Tiefen“ in ihrer rund 20 Jahre währenden Fan-Zeit jüngst zu der Zehn-Spiele-Siegesserie von Medi kam. „Es brennt dann förmlich in einem“, beschreibt die Britin ihre Gefühle. „Ich hoffe natürlich, dass die Erfolge anhalten.“

Der entsprechende Optimismus ist vorhanden, er gründet sich in gleichem Maße auf Trainer Raoul Korner („Ein gebildeter Mann mit weitem Horizont und viel Lebenserfahrung“) wie auf die Mannschaft, „in der die Chemie einfach zu stimmen scheint“.

Diskussion im Internet

Apropos Chemie: „Ob unsere Basketballer gewinnen oder verlieren – das wirkt sich schon indirekt auf das Privatleben aus“, verrät das Ehepaar. Wobei nicht so sehr die Laune des Einzelnen gemeint ist, sondern eher die internen Diskussionen, die sich um den geliebten Sport drehen. „Zwischen den Spielen informieren wir uns und diskutieren im Internet“, sagt Alexander Kratzer, von Beruf Heilerziehungspfleger in Himmelkron. „Und dann steigt die Aufregung bis zum nächsten Spiel stetig an.“

In der Oberfrankenhalle ist das Quartett dank der vier Dauerkarten immer dabei, Joshua schlägt die Trommel, der Rest der Familie strapaziert die Stimmbänder. „Deshalb müssen Bonbons für deren Versorgung stets dabei sein.“

Deutsch-Unterricht für Spieler

Ein besonderes Bonbon ist für Adèle Kratzer die Chance, über ihren Beruf mit den Bayreuther Profis näher in Kontakt zu kommen. De’Mon Brooks ist aktuell der vom Klub vermittelte private Deutsch-Schüler der Lehrerin an der Berufsfachschule für Fremdsprachenberufe. „Die Idee, solchen Unterricht den amerikanischen Basketballern in Bayreuth anzubieten, kam ihr, als Assistenzcoach Tim Nees einst im Rückblick auf seine Zeit in Frankreich, Italien und Griechenland erwähnte, wie wichtig es doch für einen Spieler sei, die Sprache des Landes, in dem er aktiv ist, zu beherrschen.

Adèle Kratzer hatte diverse Sportler unter ihren Fittichen. Derrick Taylor, Dan Oppland, dessen aktuelle Spiele für die Nürnberg Falcons sie bisweilen im alten Bayreuther Oppland-Trikot besucht, gehörten ebenso dazu wie auch Jaivon Harris, Marcus Ginyard und zuletzt Ronnie Burrell. Von Ginyard gab es als Dankeschön für die Britin ein selbst erbautes Lego-Modell von der Londoner Towerbridge.

„Sehr viel kann ich ihnen in der kurzen Zeit nicht beibringen, aber es reicht, um in Deutsch seine Wünsche zu artikulieren“, sagt sie. Dazu muss man aber öfter kommen als jener US-Profi, der sich nicht mehr blicken ließ, nachdem Adèle Kratzer als Fan im Unterricht den Satz hatte fallen lassen, dass seine letzte Leistung auf dem Parkett ja nicht so glanzvoll gewesen sei . . .

"Nationalspielerin" für die Isle of Man

Bei der Begeisterung der Eltern ist es keine Überraschung, dass die Kratzer-Kinder selbst auf Korbjagd gingen. Joshua, der gerade am MWG sein Abitur gemacht hat, spielte ebenso wie seine Schwester für den BBC-Nachwuchs, Nadja brachte es in einer viermonatigen Zeit bei den Großeltern auf der autonomen Isle of Man sogar zur „Nationalspielerin“ für die Insel.

Zum Thema: „Beim Basketball für Mädchen könnte man sicher noch mehr tun, da hapert’s bei uns“, sind sich die Kratzers einig. Beim männlichen Nachwuchs gehe es dank der Young- Heroes-Gründung in die richtige Richtung. Nebenbei: Leon Kratzer, hoffnungsvolles Talent aus Bayreuth (jetzt in Baunach) ist mit diesen Kratzers „höchstens über hundert Ecken“ (Alexander) verwandt.

Große Anerkennung für „Fans respect Fans“

Seit Adèle Kratzer vor mehr als 20 Jahren nach Deutschland kam, ist sie dank ihres Mannes mit dem Basketball in Kontakt. Sehr viel halten die Mitglieder des offiziellen Fanklubs Bayreuth Bats von der Initiative „Fans respect Fans“, die das positive Auftreten gegenüber den Anhängern der jeweiligen Gastmannschaft propagiert. „Alle Fans vereint doch die Liebe zum Basketball“, sagt Adèle Kratzer, „Da darf man sicht die Rivalität in den Vordergrund stellen.“

Bei Auswärtsspielen sind die Kratzers aber nicht mehr so häufig dabei. „Das geht bei vier Personen ja doch ziemlich ins Geld“, sagen sie – und fiebern doch live mit, wenn ihre Mannschaft in Vechta und Tübingen, München und Bremerhaven spielt, via Internet-Übertragung. Logisch, dass die Kratzers ein Abo besitzen. Auf dass sich die Glücksgefühle schnell einstellen.

 

 

 

3.7 (3 Stimmen)

Anzeige