Viele Industrieunternehmen unzufrieden

Nach einer von der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (VBW) beim Institut der deutschen Wirtschaft in Köln in Auftrag gegebenen Studie würden sich 25 Prozent der Firmen nicht mehr in Oberfranken niederlassen, wenn sie noch einmal die Wahl hätten. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich der Wert allerdings um zehn Prozentpunkte verbessert. Die meisten unzufriedenen Firmen würden in einen anderen bayerischen Bezirk umziehen, nur fünf Prozent würden dem Freistaat komplett den Rücken kehren.

Bayernweit am schlechtesten

Insgesamt wird die Standortqualität in Oberfranken mit dem Wert 65,5 von 100 bayernweit am schlechtesten bewertet. Der Abstand zum bayerischen Durchschnitt (71,4) ist allerdings nicht gravierend, zudem hat er sich im Laufe der vergangenen Jahre verringert. Am höchsten wird die Standortqualität in Oberbayern eingeschätzt (79,3). Die Studie bescheinigt Oberfranken im bayerischen Vergleich aber eine überdurchschnittliche Dynamik beim Abbau der Arbeitslosigkeit und dem Zuwachs an Kaufkraft.

Viel Nachholbedarf

Nach der Umfrage erkennen die Unternehmen in Oberfranken Nachholbedarf vor allem bei der Verbesserung der allgemeinen Lebensbedingungen der Menschen, gerade in den ländlich geprägten Gegenden. Das erklärten 71,3 Prozent der Firmen. In einer Erhöhung der Attraktivität des Lebensraums sehen die Unternehmen den wichtigsten Lösungsansatz, um dem Fachkräftemangel begegnen zu können. Dazu zählen Maßnahmen zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die Sicherstellung einer wohnortnahen Gesundheits- und Pflegeversorgung und die Ausweitung sozialer und kultureller Angebote. Außerdem plädieren die Unternehmen für einen raschen Ausbau der Breitbandinfrastruktur und für eine bessere Anbindung des Bezirks an den Schienen- und Luftverkehr. Lauter wird bei den Firmen zudem der Ruf nach einem flächendeckend funktionierenden öffentlichen Nahverkehr.

Bessere Unterstützung bei der Ausbildung

Um fachlich ausreichend qualifizierte Arbeitskräfte zu erhalten, fordern 83,3 Prozent der oberfränkischen Industriebetriebe eine bessere Unterstützung der Ausbildung von Jugendlichen und 73,3 Prozent den Ausbau der beruflichen Weiterbildung. Zudem wünscht sich ein Großteil der Firmen Erleichterungen bei der Einstellung von älteren und von hoch qualifizierten ausländischen Arbeitskräften. Groß ist das Bedürfnis der Firmen nach weniger Bürokratie und dem Ausbau der Möglichkeiten zum E-Government, also des elektronischen Austausches mit Ämtern und Behörden.

Verband zufrieden

VBW-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt freute sich über die Ergebnisse der Studie. „Wenn sich 95,9 Prozent der hier ansässigen Unternehmen wieder in Bayern ansiedeln würden, ist das ein hervorragendes Ergebnis“, erklärte er, ohne auf die regionalen Unterschiede einzugehen. Brossardt verwies aber auch auf die Verbesserungswünsche. Diese beträfen über ganz Bayern hinweg neben dem Breitbandausbau, mit dem rund die Hälfte der befragten Unternehmen noch immer nicht zufrieden ist, Vereinfachungen im Steuersystem, den Abbau von Bürokratie, die Flexibilisierung des Arbeitsrechts, die Senkung der Arbeitskosten sowie eine produktivere Zusammenarbeit mit öffentlichen Stellen. Brossardt forderte Bund und Land deshalb auf, bei der Schaffung passender Rahmenbedingungen für erfolgreiches Wirtschaften nicht nachzulassen.

IHK fühlt sich bestätigt

Der Präsident der IHK für Oberfranken (Bayreuth), Heribert Trunk, fühlt sich von den Ergebnissen der Studie bestätigt. Verbesserung der Infrastruktur, Aufbau eines attraktiven Lebensumfeldes sowie Stärkung der Aus- und Weiterbildung seien seit Jahren „meine IHK-Themen“, sagte Trunk an Anfrage. Dass die Standortqualität in Oberfranken noch immer am schlechtesten bewertet werde, verwundere ihn nicht. „Wir sind spät gestartet, aber man erkennt in den Zahlen auch den Aufholprozess“, betonte er. „Oberfranken kann mehr, als es nach außen darstellt.“ Auch die Politik habe inzwischen die Notwendigkeit zusätzlicher Anstrengungen erkannt und handle entsprechend. Dass zahlreiche Firmen sich heute nicht mehr in Oberfranken ansiedeln würden, hält Trunk vor allem für eine Folge der allgemein hohen Energiekosten. Zudem sei das Ergebnis dem Umstand geschuldet, dass überwiegend Industrieunternehmen befragt worden seien. „Mittelständler sind eher standorttreu“, erklärte Trunk.

Nicht bewertet

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