Versöhnung ist angesagt

„Es sind die Jugendlichen gewesen, mit denen wir eigentlich aufgewachsen wären“, erklärt Dostal, der 1945 aus Wachtel in Mähren nach Creußen kam. Während des kommunistischen Regimes war er einst ausgesiedelt worden, so wie Werner Suchomel (67), der 1967 aus Gablonz kam. Und so nahmen sie Kontakt zu den Jugendlichen aus Konice auf, gegenseitige Treffen fanden statt.

Visum in der Botschaft geholt

Dostal und Suchomel haben den Gästen aus der damaligen Tschechoslowakei den alten Landkreis Pegnitz gezeigt, es gab Ausflüge nach Bayreuth und Bamberg. „Und wir haben die BAT-Zigarettenfabrik angeschaut“, sagt Dostal. Die Gäste wollten mal einen Industriebetrieb im Westen kennenlernen. Angereist waren die etwa 20-Jährigen mit dem Zug. „Es gab Schwierigkeiten bei der Einreise“, erinnert sich Suchomel, denn die Tschechen hatten kein Visum bekommen. Das haben sie sich dann in Prag in der deutschen Botschaft geholt. Die Creußener haben sie dann in Pegnitz abgeholt.

Die Religion war ein Thema und es wurde viel über Freiheit geredet. „Die Jugendlichen haben nicht verstanden, wie wir so im Westen leben konnten“, sagt Dostal.

Lichtbilder geschmuggelt

Und auch die Creußener sind in die Tschechoslowakei gefahren. „Einmal haben wir Lichtbilder für den Kommunionunterricht geschmuggelt“, erzählt er. Denn es war nicht erlaubt, welche einzuführen. Einmal sind sie damit an der Grenze erwischt worden. Und die Creußener haben versucht, in den Gottesdiensten drüben Fürbitten und Lieder in deutscher Sprache zu sprechen und zu singen. „Aber das durften wir nicht, der Geistliche hat es abgelehnt“, so Dostal.

Irgendwann haben die Jugendlichen geheiratet und Familien gegründet. Aber sie haben sich weiter gegenseitig besucht. Und mittlerweile macht das auch die nächste Generation. So war Dostals Sohn Christian erst vor kurzem mit seinen Kindern drüben. „Versöhnung ist angesagt“, betonen Dostal und Suchomel. Für sie ist diese lange Freundschaft über Generationen hinweg ein wichtiges Zeichen der Versöhnung.

Gemütlich und freundlich

Das sieht auch Prenysl Kucera so. Vor 25 Jahren kam er das erste Mal mit seiner Frau Lenker nach Creußen, vor fünf Jahren war er das letzte Mal da. „Creußen ist sehr gemütlich und freundlich“, beschreibt der 76-Jährige den Unterschied zu Brünn, wo er jetzt lebt. „Es ist hier eine schöne Atmosphäre“, sagt er. In seiner Heimat ist alles viel anonymer und unpersönlicher. „Es bewegt sich nichts“, so Kucera.

Dann gehen die drei Männer raus zu ihren Ehefrauen. Sie haben sich alle bei Familie Dostal getroffen und grillen miteinander. Viele Erinnerungen werden ausgetauscht und Geschichten erzählt.

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