Verlust bei Faustfestspielen

Am vergangenen Samstag lief die letzte Vorstellung (wir berichteten), achtmal gab es den Faust und 17-mal war die Molière-Komödie „Schlau, schlau, die Frau“ zu sehen. „Wir haben durchwegs gute Kritiken bekommen, die Zuschauer waren begeistert, es waren Anwohner des Schlossbergs da und keiner hat sich wegen Falschparkern oder Lärmbelästigung beschwert“, sagt Vogel. Alle Vorwürfe, die es im Vorfeld gegeben hat, sind geplatzt. Der Bus-Shuttle hat auch funktioniert. Ungünstig waren nur die Steine, die den Machern vorher in den Weg gelegt wurden und häufig auch das Wetter. „Aber so ist das nun mal bei einem Freilichttheater“, sagt Leistner.

Leistner und Vogel verzichten auf Honorar

In sehr kurzer Zeit sei da etwas auf die Beine gestellt worden und damit sind sie sehr zufrieden. Sicher müsse das eine oder andere verbessert werden, aber grundsätzlich war die Resonanz auf beide Stücke positiv gewesen. Reich sind sie allerdings mit den Festspielen nicht geworden, so Leistner. Beide verzichten deshalb auch auf ihr Honorar und sie brauchen auch die Ausfallbürgschaft der Stadt. Wie hoch der Betrag genau ist, wissen sie noch nicht. Das muss erst alles abgerechnet werden. „Wir investieren in Pegnitz, in die Zukunft“, sagen Leistner und Vogel. Die beteiligten Schauspieler werden aber bezahlt. Und auch die 27 000 Euro, die sie von der Stadt als Kredit genommen haben, sind komplett zurück bezahlt.

Großes Einzugsgebiet

Er war von der Hetzkampagne im Vorfeld überrascht, sagt Leistner. „So etwas habe ich bisher noch nie erlebt“, so der Intendant. Auch das sie sich über anderthalb Jahre hinzieht, habe ihn erstaunt. „Ohne diese Kampagne hätten wir die 6000 erreicht“, ist er überzeugt. Die Festspiele hätten in Pegnitz eine unglaubliche Lage, schon allein mit dem Einzugsgebiet nach Bayreuth, Nürnberg und in die Fränkische Schweiz. Das vorhandene Gelände am Schlossberg sei ideal, die sanitären Einrichtungen und der Biergarten super. „Unser Ziel war es, die Stadt selber so wenig wie möglich zu belasten“, sagt Leistner. Und das habe man geschafft.

Das Ganze sei ein Projekt für Pegnitz gewesen, nicht für irgendeine Partei, betont auch Vogel. Deshalb habe man immer zu allen Seiten den gleichen Kontakt gehalten. „Und wir müssen jetzt mit unserer Leistung auch nicht hinter dem Berg halten“, so Vogel. Von der Stimmung her sei es besser gewesen, als er erwartet habe, betont Leistner. „Die Herzlichkeit und Begeisterung haben mich überrascht“, sagt er. Nach jeder Aufführung hat es Jubel gegeben. „Das war nicht nur Höflichkeitsapplaus“, sagt der Intendant. Und wenn es manchmal nur 30 Leute waren, war es auch gut. „Dann haben wir für diese Leute gespielt“, sagt Leistner. Und er sei zutiefst befriedigt, wie die Stücke selber aufgenommen wurden. Der Stil seiner Inszenierungen sei angenommen worden. „Ich setze weniger auf Längen, mehr auf Emotionalität“, sagt er.

Stadt muss unterstützen

Wenn es nach Leistner und Vogel geht, gibt es nächstes Jahr wieder Faustfestspiele. „Da hoffen wir natürlich wieder auf die Unterstützung der Stadt“, sagen sie. Bis Oktober muss da im Stadtrat eine Entscheidung gefallen sein. „Wir sind ja auch ein Wirtschaftsmotor für die Stadt“, erwähnt Vogel und erinnert an die Übernachtungen, die man durch die Festspiele nach Pegnitz geholt hat. „Die Festspiele sind für Pegnitz weniger ein kultureller Aspekt, als vielmehr ein wesentlicher Beitrag zum Tourismus“, so Leistner. Sie sind ein Aushängeschild für Pegnitz, sagt Vogel.

Nächstes Jahr soll es dann drei Stücke geben. Neben dem Faust und einer Komödie wird der Hamlet zu sehen sein. Intendant Leistner hat alles schon genau geplant und so gut wie geschrieben. Auch organisatorische Planungen gibt es schon, einiges soll geändert werden. So will Vogel das Kassensystem am Abend ändern, auf PC umstellen, damit eine direkte Verbindung zur Vorverkaufsstelle da ist. Die Umkleidekabinen, die heuer hinter der einen Tribüne untergebracht waren, sollen einen anderen Standort bekommen. „Es gibt drei nasse Stellen auf der Wiese und dort war eine“, sagt Vogel grinsend. Und auch der Ausschank soll künftig dauerhaft unter einem Zelt sein, damit die Zuschauer auch bei schlechter Witterung im Trockenen sind. Und die Werbung soll geändert werden, gezielter laufen. „Die Zeit für die Vorbereitung war in diesem Jahr sehr knapp“, sagt er. Man müsse künftig mehr mit den Tourismusbüros und Schulen zusammenarbeiten. Schwierig sei es auch in vielen Orten mit der Plakatierung. Entweder es war gar nicht erst gestattet, was aufzuhängen oder es war zu teuer.

Angenehm im Eimer

Daniel Leistner und Uwe Vogel sind zufrieden und kaputt. Zurzeit sind sie mit dem Abbau der Tribünen und den Aufräumarbeiten beschäftigt. „Ich bin im Eimer, aber angenehm im Eimer“, sagt Vogel. Die Festspiele haben viel von ihnen abverlangt.

2.5 (4 Stimmen)

Anzeige