Verärgerung über Rückzug von Phoenix Hagen

Die Bayreuther gehören zu jenen Vereinen, denen ein offensichtlicher finanzieller Schaden durch den Ausfall eines Heimspiels entsteht. Erst fünf Spiele haben die Hagener in fremden Hallen bestritten, und nach der Entscheidung des Lizenzligaausschusses vom Mittwoch wird es definitiv kein sechstes mehr geben. Laut BBL-Mitteilung wird den Westfalen die Lizenz nämlich „mit sofortiger Wirkung entzogen“. Ihre bisherigen Spiele werden aus der Wertung genommen, und in der Abschlusstabelle werden sie den letzten Platz einnehmen. BBL-Geschäftsführer Stefan Holz wird in diesem Zusammenhang aber auch mit selbstkritischen Worten zitiert: „Wir als Liga-Organisation mit unseren Organen werden diesen Fall auch zum Anlass nehmen, uns kritisch mit unseren Prüfverfahren auseinanderzusetzen.“

Zwölf Vereinen entgehen somit fest eingeplante Einnahmen. Bei dieser großen Zahl von Geschädigten darf man bezweifeln, ob die Sicherungsrücklagen der Liga alle Ansprüche abdecken können. „Es ist ein Ausgleich vorgesehen, aber wir wissen nicht, was wir davon zu erwarten haben“, sagt Galewski. Genaueres erwarte er sich von einer Ligatagung am kommenden Montag: „Da soll umfassend informiert werden.“

Pokal-Heimspiel könnte fehlenden Termin besetzen

Immerhin besteht eine Chance, dass die Medi-Anhänger wenigstens ihre Terminpläne nicht ändern müssen. Das Gastspiel von Phoenix Hagen in der Oberfrankenhalle war nämlich am 21.Januar angesetzt, und genau an diesem Wochenende ist auch die K.-o.-Runde um die Teilnahme am Final-Four-Turnier des BBL-Pokalwettbewerbs vorgesehen, für die sich die Bayreuther mit großer Wahrscheinlichkeit erstmals in der Vereinsgeschichte qualifizieren werden. „Mit entsprechendem Losglück könnten wir also ein Heimspiel genau zu diesem Zeitpunkt haben“, erklärt Galewski. „Und ein hochkarätiges noch dazu.“

Damit scheint auch gleich die Frage beantwortet zu sein, wie die Inhaber von Dauerkarten für den Ausfall eines Heimspiels entschädigt werden könnten. Darauf will sich der Geschäftsführer aber noch nicht festlegen: „Das könnte man durchaus so machen. Doch der Pokal verursacht auch eigene Kosten und muss entsprechend abgerechnet werden. So stehen jeder Gastmannschaft 10 000 Euro zu.“ Vor der Auslosung der Pokalspiele nach dem Ende der BBL-Vorrunde könne man mit diesem Aspekt aber ohnehin noch nicht konkret planen: „Es gibt auch noch zwei andere Szenarien, über die wir uns schon Gedanken gemacht haben. Aber nichts davon ist spruchreif.“

Wird Reduzierung der Liga wieder ein Thema?

Weitergehende Konsequenzen der Liga erwartet Galewski von der Tagung am Montag kaum: „Hagen wird der erste Absteiger sein, viel mehr wird man nicht machen können.“ Allerdings will er nicht ausschließen, dass die Verfechter einer Reduzierung der Liga den Anlass nutzen könnten, um beispielsweise trotz des Hagener Rückzugs noch immer zwei weitere sportliche Absteiger zu fordern: „Es ist gut möglich, dass dieses Thema wieder diskutiert wird, vor allem wegen des extremen Euroleague-Terminplans. Davon sind aber eben doch nur die Bamberger betroffen. Deswegen glaube ich nicht, dass die Diskussion ein anderes Ergebnis haben wird als bisher.“

Besonders sauer ist man beim Mitteldeutschen BC

Noch mehr Grund zum Ärger als bei Medi Bayreuth und den ähnlich betroffenen Bundesligisten hat man beim Mitteldeutschen BC. Dessen Abstieg am Ende der vergangenen Saison hätte schließlich durch eine Lizenzverweigerung für Phoenix Hagen vermieden werden können. Entsprechend scharf kritisiert MBC-Geschäftsführer Martin Geissler auf der Internetseite des Vereins die Teilnahmeberechtigung für die Westfalen: „Von außen betrachtet war Hagen schon in der abgelaufenen Saison nicht mehr wirtschaftlich in der Lage, am Spielbetrieb der BBL gemäß dem Lizenzstatut teilzunehmen und dies offenkundig nicht zum ersten Mal.“ Es sei bitter, „dass ehrlich wirtschaftende Clubs am Ende aufgrund dieses Geschäftsgebarens Nachteile erleiden mussten.“ Unterstützung für eine Aufnahme der Hagener in die Pro A ist somit aus Weißenfels nicht zu erwarten: „Ich halte einen sauberen Neuanfang ohne Schuldenschnitt für die einzige sportlich faire Variante.“

Nicht bewertet

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