Urlauber wirbt Urlauber

Peter Melzig (78) ist ein echter Berliner, „aus Westberlin“, wie er betont. Melzig ist gelernter Blechschlosser und hat über vier Jahrzehnte bei einem Lüftungsbauer im Konstruktionsbüro gearbeitet. Seine markanteste Baustelle ist der Deutsche Dom am Gendarmenmarkt: „Dort haben wir für anderthalb Millionen eine Lüftungsanlage verbaut, von der man nichts sieht.“ Die Bauherren hatten bereits vor über 300 Jahren Schächte eingeplant, die nun für die moderne Lüftungsanlage verwandt wurden.

Gemischte Erfahrung

Anfang der 80er Jahre war Melzig mit seiner seither verstorbenen Frau und mit Tochter erstmals in Warmensteinach, wohnte am Mittelberg. Eine gemischte Erfahrung: „Wunderbarer Blick über das ganze Tal. Aber zur Toilette musste man erst die Treppe runter.“ Die Melzigs reisten damals in einer Berliner Gruppe, „Warmensteinach war damals noch voll von Menschen, das ist heute etwas anders“, sagt Melzig nachdenklich.

Seit 25 Jahren kommt er gemeinsam mit Helga Baldensperger (77), die ebenfalls früh ihren ersten Partner verloren hat. Und auch sonst genug Aufregung im Leben hatte: Vertrieben aus dem ostpreußischen Allenstein, zunächst in der späteren DDR gelandet, 1959 nach Westberlin gegangen. Ihre Schwester tat es ihr zwei Jahre später gleich – auf den letzten Drücker, am Tag, als die Mauer gebaut wurde. Helga Baldensperger wurde nun für 45 Aufenthalte geehrt.

Gut aufgehoben bei Familie Brix

Dass die beiden Warmensteinach seither die Treue gehalten haben, hat eine ganze Reihe von Gründen. Und ein wesentlicher Grund heißt Brix. Denn in der Pension von Walter und Irmtraud Brix am Hüttenweg haben die beiden Berliner nicht nur eine schöne Unterkunft gefunden. Sondern Gastgeber, die nicht nur Bett und Frühstück bieten, sondern voll und ganz für ihre Gäste da sind. Als zum Beispiel der BVB-Linienbus aus Berlin nicht mehr nach Warmensteinach fuhr, war für die beiden Berliner Senioren erst mal Endstation in Bayreuth. Seither steigt Walter Flix ins Auto und holt sie in Bayreuth ab. Und chauffiert sie auch sonst gerne mal zu Sehenswürdigkeiten in der Umgebung. „Und er weiß auch, wo es gut und und nicht so teuer zu essen gibt“, sagt Peter Melzig. Auch sonst sind die beiden Stammgäste angetan von den Menschen in Warmensteinach: „Die Leute sind nett, grüßen uns wie alte Bekannte.“ Was andererseits kein Wunder ist: Drei Mal im Jahr sind die beiden Berliner in Warmensteinach, immer für drei Wochen. „Zusammengenommen waren wir schon ein paar Jahre hier“, schmunzelt Melzig.

Bayernwerbung mit Berliner Dialekt

Und wenn man von seinem Urlaubsziel überzeugt ist, wirbt man auch dafür. Eigentlich wollte Melzig nur mal die beiden Damen aus der Tourist-Information auf der Grünen Woche besuchen. Kam dabei auch mit interessierten Berlinern am Messestand ins Gespräch. Und wirbt für Warmensteinach: „Manche Berliner sind dann erst mal irritiert, dass sie an einem Stand aus Bayern berlinerisch angeredet werden.“

Astrid Rieß sagt: „Eigentlich besuchen Herr Melzig und Frau Baldensperger uns ja nur am Messestand in Berlin um mal ’Hallo’ zu sagen, aber durch Ihre unterhaltsame und aufgeschlossene Art rühren Sie die Werbetrommel aktiv mit, wenn es darum geht, für das Fichtelgebirge Werbung zu machen, und dann kann so ein kurzer Besuch auch schon mal etwas länger dauern.“ Und Regina Rabenstein ergänzt: „So haben schon einige Gäste, auch dank ihnen, den Weg zu uns gefunden und hier Ihren Urlaub verbracht.“

Und seit seiner Ehrung für 50 Aufenthalte in Warmensteinach kann Melzig in Zukunft auch im passenden Aufzug werben: Denn zur Ehrung gab es auch eine Jacke mit dem Logo der Erlebnisregion Ochsenkopf.

Nicht bewertet

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Montag, 13. November 2017 - 11:06