Urlaub mit autistischen Kindern

„Noch ist es eine große Baustelle“, sagt Bernhard Schmidt (54). Der Bad Reichenhaller hat Außergewöhnliches vor: Er will dem Traditionsgasthof Goldener Stern in der Ortsmitte von Oberwarmensteinach wieder Leben einhauchen. Entstehen soll dort eine Pension, die eine ganz speziellen Zielgruppe ansprechen soll: Es geht um Urlaub für Familien mit autistischen Kindern.

„Bislang gibt es für diese Zielgruppe keine Angebote“, betont Schmidt, der sich als Buchautor seit vielen Jahren mit dem Thema Autismus befasst.

Start noch im April

Start soll schon im April sein. Auch wenn überall noch gewerkelt wird – die künftige Struktur des Hauses ist schon erkennbar. Besonderheit dabei: Die alte Metzgerei wird ein Kreativbereich. Dort werden autistische Kinder besonders gefordert. Denn kreative Aufgaben sollen wettmachen, dass für einen Autisten im Prinzip ein Ortswechsel allein schon Stress bedeutet. Doch in der Kreativwerkstatt wird von T-Shirt-Druck über Arbeit mit dem Computer bis zum 3-D-Drucker viel Abwechslung für autistische Jugendliche angeboten. Und wenn sie mit Spaß bei der Sache sind, überlagert das den in fremder Umgebung auftretenden Stress. „Was wir bieten, tut allen Kindern und Erwachsenen gut“, ist Schmidt überzeugt.

Autistische Kinder zu fordern und auf sie einzugehen, in dem Punkt unterscheidet sich Schmidt von der Herangehensweise der meisten Kollegen. Er möchte autistische Kinder fordern und weiterentwickeln. „Wir sagen, Autisten brauchen Interaktion.“ Die bisherige Praxis stecke autistische Kinder eher gerne in Heime.

Zehn Jahre lang hat er für seine Idee immer wieder nach einem passenden Objekt gesucht. Jetzt wurde er durch eine Anzeige auf Oberwarmensteinach aufmerksam. Denn das Objekt befindet sich damit just in dem Ort, in dem seine Mitgesellschafterin Naomi Braasch (32) in der eigens gegründeten Solidar GmbH seit 2005 ihre Heimat gefunden hat. Wobei sie als Leiterin der Jugendmalerwerkstatt der Geschwister-Gummi-Stiftung unter dem Dach der Diakonie Kulmbach die Gelegenheit nutzte, den Umbau auch zu einem ihrer Projekte zu machen. Deshalb wurden und werden die Malerarbeiten von benachteiligten Jugendlichen, die durch die Jugendwerkstatt Unterstützung beim Start in das Berufsleben erfahren, ausgeführt.

Der Gasthof Stern war 120 Jahre lang in Familienbesitz und stand seit Ende 2011 leer. Nun ist die Zukunft gesichert. 100 000 Euro Euro werden in den Umbau investiert. „Die Resonanz ist sehr positiv“, freut sich Schmidt.

Ab dem Start im April werden 30 Betten angeboten. Gaststättenbetrieb wird es allerdings nicht mehr geben. „Wir werden uns auf unsere Gäste konzentrieren.“ Dabei entstehen nebenbei auch drei Arbeitsplätze.

Betreiber ist die Solidar GmbH, hinter der Schmidt mit zwei weiteren Gesellschaftern steckt. Die GmbH macht es sich zur Aufgabe, Menschen, die „an den Folgen von Autismus leiden oder andere Krankheitsbilder wie ADHS oder Down Syndrom“ aufweisen, zu fördern. Der Gesellschaftszweck soll ausdrücklich durch die „Führung von Hotels für Autisten“ erreicht werden. Hinter dem Projekt steht neben Bernhard Schmidt und Naomi Braasch noch ein dritter Gesellschafter, Bernd Klaus aus Bischofswiesen.

Weitere Projekte geplant

Unterstützung erfährt das Projekt durch einen wissenschaftlichen Beirat, der mit den Professoren Vadim Khoziev von der Uni Dubna in Russland und Martin Ebner von der Uni Graz sowie dem Facharzt und Autorenkollege Andreas Ganz und Sandra Schön von Salzburg Research besetzt ist. Denn es gibt durchaus auf Seiten der Wissenschaft Unterstützer der anderen Sichtweise über den Umgang mit Autismus. Denn die möchte Schmidt ganz nebenbei populärer machen.

Und das Solidarhotel soll auch längst nicht das Ende seiner Aktivitäten sein. „Das ist hier die Keimzelle, wir planen weitere Projekte“. Ohne dazu schon Konkretes verraten zu wollen.

Info: Unter solidarhotel.de finden sich weitere Informationen zu dem Projekt.

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Kommentare

Ich finde, dieses Vorhaben sollte von allen Seiten unterstützt werden.