Unternehmer setzt Gemeinderat unter Druck

Nach einer Stunde Hin- und Her steht Harry Krause vom Besucherstuhl auf, geht an die Stirnseite des Rathaussaals, stützt sich auf einer Stuhllehne ab und schaut die Riege aus Bürgermeister und seinen Stellvertretern aus einem Meter Entfernung an. Im Ton bleibt er freundlich, er lächelt, aber die Worte sitzen. Eine Stunde hat er sich zurückgehalten, hat seinen juristischen Beistand Altlandrat Klaus-Günter Dietel reden lassen. Aber jetzt reicht es ihm.

"Wir können es auch so machen: Sie kaufen mir das Grundstück ab und wir bauen gar nichts", sagt Krause. Für 300.000 Euro plus Finanzierungskosten könne der Gemeinderat sofort zuschlagen. "Ich mache keinen Spaß."

Durchfahrt zwischen Tankstelle und Autohaus

Der Bayreuther Unternehmer Krause will Rossmann nach Bindlach bringen. Hinter der Jet-Tankstelle an der B2 soll ein 800 Quadratmeter großer Drogeriemarkt entstehen. Die Zufahrt soll zwischen der Tankstelle und Autohaus Räthel hindurch führen. Das ist vielen Gemeinderäten zu eng kalkuliert. Sie wollen die Erschließung von Westen über die Brandgasse, hinter dem Autohaus herum und wieder nach oben.

Vier Jahre Diskussion 

Vier Jahre lang diskutiere man schon über das Thema, sagt Krause. Seit fünf Jahren finanziere er das Grundstück ohne etwas davon zu haben. "Die Probleme sind alle nicht neu." Im März war das Thema auf der Tagersordnung, aber verschoben worden. Damals hatte der Gemeinderat den Unternehmer nach Hause geschickt mit der Aufgabe, nachzubessern. Jetzt soll er wieder vertröstet werden.

"Wir haben keinen Zeitdruck, wir können uns das in Ruhe überlegen", sagt Werner Hereth. Der SPD-Fraktionsvorsitzende will nichts übereilen, denn die Verkehrssituation ist ihm nicht geheuer. Wenn zu Stoßzeiten an der Tankstelle Hochbetrieb sei, staue sich der Verkehr bis zum Kreisel.

"Wollen Sie es oder nicht?"

Krause bleibt hart, der Gemeinderat habe sich über dieses Problem ja sicher schon früher Gedanken gemacht. "Entweder Sie wollen das oder Sie wollen das nicht."

Helmut Steininger (SPD) formuliert den Zwiespalt, in dem der Gemeinderat an diesem Abend steckt. Der Zwiespalt, der sich später auch im Abstimmungsergebnis zeigen wird. "Ich will den Drogeriemarkt, aber eigentlich wollten wir ein Gesamtkonzept und einen Erschließungsplan für das gesamte unbebaute Gebiet bis Bayreuth", sagt Steininger.

Es gibt noch keinen kompletten Erschließungsplan

Dann müsse der Gemeinderat aber auch mal in die Gänge kommen und einen Erschließungsplan vorantreiben, sagt Bürgermeister Gerald Kolb. Auch ihm ist die Zufahrt zwischen Tankstelle und Autohaus hindurch "ein Gezwick und einfach zu eng". Auch er hätte lieber eine direkte Zufahrt aufs Gelände von der B2. Das lasse aber das Straßenverkehrsamt nicht zu, sagt Dietel. Bleibe nur die Zufahrt von der Leuschnitz-Straße aus. Dietel referiert Verkehrs-Gutachten und Bürgerbefragung. Demnach seien die "maximal 50 Autos in einer Stunde kein Problem" für den Verkehr. Der Markt bei den Bürgern aber "sehr gewünscht".

"Kein Erotikmarkt"

Dietel schlägt versönliche Töne an. Krause werde sich an Erschließungsbeiträgen für eine zweite Straße im Industriegebiet "selbstverständlich beteiligen", sobald es so weit ist und die Drogerie von Westen erschlossen wird. Auch könne man das Gelände auf die Nutzung durch einen Drogeriemarkt festlegen, "wenn sie Sorge vor anderen Geschäften wie Erotikmärkten haben".

Nicht nur an Autofahrer denken

Neithard Prell (WG) wirbt um Weitblick. "Wir sind auch gewählt, um die gemeindliche Entwicklung zu steuern und nicht nur um an die Autofahrer zu denken." Berthold Just (CSU) erinnert an den einstigen kleinen Drogeriemarkt in der Bahnhofstraße. "Da hat sich keiner drum geschert, wer wo parkt."

Sieben sind dagegen

Zwölf Gemeinderäte stimmen schließlich für das Vorhaben mit Zufahrt zwischen Tankstelle und Autohaus. Zusätzlich entsteht ein Fußweg vom Kreisel entlang der B2. Dagegen stimmen Gerald Kolb, Werner Hereth, Gerda Küfner, Jürgen Masel, Werner Baunerfeind, Nicole Friedel und Andreas Heußinger. "Weil wir uns mit der Zufahrt ein großes Ei legen", sagt Heußinger.

Unternehmer Krause will sich jetzt mit dem Betreiber abstimmen, im Frühjahr mit dem Bau beginnen und im Herbst 2016 eröffnen.

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