„Unser Kapital sind die Köpfe"

Zu viele Studenten? „Diese Befürchtung habe ich nicht", erklärt Leible, „denn insbesondere bei der Zahl der Hochschulabschlüsse hinkt Deutschland immer noch anderen OECD-Staaten hinterher." Nach seinen Informationen liegt in Deutschland der Anteil der Hochschulabsolventen bei 29 Prozent, der OECD-Durchschnitt hingegen bei 39 Prozent. Das sei aus deutscher Sicht ein gravierender Unterschied. Deutschland habe kaum Rohstoffe. „Wir sind auf eine gut ausgebildete Bevölkerung angewiesen, wenn wir auch in Zukunft bestehen wollen."

Meister und Techniker hochqualifiziert

„Der einseitige Ruf nach mehr Akademikern ist falsch. Wir brauchen mehr Akademiker, aber auch mehr Meister und Techniker", sagt Thomas Koller, der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Oberfranken. Meister und Techniker gehörten ebenfalls zu den Hochqualifizierten. Länder wie Griechenland oder Spanien hätten eine hohe Akademikerquote, aber auch eine hohe Arbeitslosigkeit. „Wir bilden marktnah aus", betont Koller.

Beim internationalen Vergleich passe manches nicht zusammen, so Heribert Trunk, der Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) für Oberfranken: „In Großbritannien hat der Hairdresser einen Bachelor, bei uns ist das der Friseurmeister. "Meisterausbildung und Bachelor-Studium hätten zwar nicht die gleichen Inhalte, lägen aber auf gleichem Niveau, sagt Koller.

Gutes Beispiel, Theorie und Praxis zu verbinden, seien die dualen Studiengänge in Hof, sagt Trunk: „Damit waren wir in Bayern vorne dran." In Hof studieren junge Leute, die bereits in Unternehmen angestellt sind und Geld verdienen. Trunk verweist auf den Zulauf bei der beruflichen Bildung im IHK-Bereich: ein 24-Prozent-Plus zwischen 2005

Den starken Trend zum Gymnasium sieht Trunk mit einem lachenden und einem weinenden Auge: „Bei den Übertrittszahlen sind wir mittlerweile bei über 60 Prozent." Der Druck auf die Lehrer sei groß. „Es ist schon ein bisschen ein Problem, dass Eltern glaubten, ihre Kinder seien alle Einsteins und müssten aufs Gymnasium." CSU-Bildungspolitiker Rupprecht meint: „Wenn für nur 20 Prozent der Stellen auf dem Arbeitsmarkt ein akademischer Abschluss erforderlich ist, brauchen wir nicht 50 Prozent Studienanfänger pro Jahrgang."

33.000 unbesetzte Lehrstellen

Rund 33.000 Lehrstellen seien laut Berufsbildungsbericht unbesetzt geblieben. Es sei eine „Fehlentwicklung", dass das Abitur in Deutschland zum eigentlichen „Haupt"-Schulabschluss geworden sei. 20,9 Prozent der Entlassschüler begannen im Herbst vergangenen Jahres eine duale Ausbildung im oberfränkischen Handwerk, teilt die Kammer auf Anfrage mit. 3,5 Prozent der Lehrlinge haben die Hochschulreife.

Das Problem unbesetzter Lehrstellen sei ihm bewusst, so Professor Leible. „Aber das können wir nicht lösen, indem wir vom Studium abraten." Notwendig sei, die Zahl der Schüler ohne Abschluss zu verringern. Die sei mit 7,5 Prozent noch immer zu hoch. „Hier müssen wir ansetzen und diese jungen Menschen für eine berufliche Ausbildung qualifizieren." Leible erwartet eine weitere Akademisierung der Berufswelt. Er sagt: „Ich kann den Wunsch der jungen Menschen nach einem Studium gut verstehen."                          

  • Im aktuellen Bildungsbericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ist zwar erneut festgestellt worden, dass Deutschland deutlich weniger Akademiker hat als andere Industrienationen. Die OECD hebt aber diesmal hervor, mit seiner dualen Ausbildung schneide die Bundesrepublik gut ab: Mit einer Erwerbslosenquote von 5,8 Prozent liege sie weit unter dem Schnitt der 30 weltweit wichtigsten Industrienationen (7,3 Prozent).

Mit Material von dpa

Nicht bewertet

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Kommentare

Es toll, wenn die Lebensläufe erfolgreicher Menschen bekannter wären. Dann würde klar, dass sie meist keinen geradlinigen Verlauf durchlebt haben (das gilt für Albert Einstein genauso wie für Steve Jobs. Ausserdem waren sie oft an irgend einem Punkt "gescheitert" oder sind später gescheitert, nachdem sie grandiose Erfolge hatten.

Die herrschende Sicht der Dinge, gerade auch der Leistungs- udn Erfolgszwang, der den Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen auferlegt wird, ist völlig kontraproduktiv zu echten kreativen Spitzenleistungen.

Ausserdem: Unser Schul- und Ausbildungssystem ist hervorragend durchlässig. Jedem steht zu jedem Zeitpunkt die ganze Karriereleiter bis hin zum Doktor oder Professor (die in unserer Kultur noch zu stark herausgehoben werden) offen - 2. Bildungsweg sagte man früher dazu.

Interessanter wäre eher, welche Chancen Menschen aus bildungsferneren Familien haben, ihre Potenziale ganz auszuschöpfen. Und Potenziale ausschöpfen heisst nicht, zu studieren. Es kann genauso heissen, die Meisterausbildung zu durchlaufen (auf eigene Kosten!?) oder eine künstlerische an der Kreativwirtschaft oprientierten Entwicklung zu nehmen.

Wann begreifen wir, dass die Welt multidimensional und flexibel ist und sein muss, und es darauf ankommt, einen guten Mix aus Talenten und Tätigkeiten zu haben? Und, dass es auf die Begeisterung ankommt, mit der Menschen engagiert ihre Leben leben und die berufliche Aufgaben meistern ...

Ausserdem ist bekannt, dass die Entstehungsdynamik des Silicon Valley viel mit "Subkultur" zu tun hatte ... mit einem hoch kreativen Umfeld kombiniert mit wissenschaftlichen Spitzeninstitutionen (Stanford/Berkeley) ...

Wenn wir alles auf den Nutzen für die Wirtschaft hin auslegen würden, dann blockieren oder lähmen wir gerade das, was immer wieder als der größte Rohstoff unseres Landes bezeichnet wird:
Die Kraft der Köpfe der Menschen.
Im internationalen Vergleich liegt Deutschland mit seinem Anteil an Hochqualifizierten weit hinten. Das attestiert die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hervor. Konkurrenten auf dem Weltmarkt haben in den vergangenen zehn Jahren die Zahl ihrer Studenten und Hochschulabsolventen weitaus stärker steigern und die Zahl der Geringqualifizierten stärker reduzieren können als Deutschland.

Die Anzahl der Hochschulabsolventen in Deutschland wächst unterproportional. Deutschland ist Schlusslicht der 36 OECD-Staaten. Beim Ausgangsniveau 1959 lag Deutschland im Mittelfeld.

In Deutschland fehlen demnach nicht nur Akademiker, sondern auch Meister und Techniker sowie andere qualifizierte Fachkräfte. Die Bildungsausgaben liegen in Deutschland nach internationalen OECD-Kriterien immer noch deutlich unter dem Schnitt der anderen Industrienationen. Da sollte der Herr Bundestagsabgeordnete einmal ansetzen!

Zitat:
Leible erwartet eine weitere Akademisierung der Berufswelt. Er sagt: „Ich kann den Wunsch der jungen Menschen nach einem Studium gut verstehen."

Was kann, darf und will er denn schon anderes sagen, der Herr Universitätspräsident!! Oder sollte er gegen einen weiteren Zuwachs der Studierendenzahlen sein und sich damit selbst den Ast absägen auf dem er sitzt??

Man sollte beide Seiten genau betrachten und respektieren - auch die der Nichtstudierenden. Es kommt mir nämlich seit Jahren so vor, als dass in unserer Gesellschaft der nichts ist und gilt, der nicht studiert (hat). Respekt und Anerkennung hat auch der "normale" Schulabgänger und Azubi verdient, der als gestandener Handwerker des Akademiker`s Villa malert oder dessen Bad fliest. Denn sehr, sehr oft ist der Herr A. nämlich zu b... dazu, einen Nagel gerade in die Wand zu schlagen, könnte aber stundenlang darüber philosophieren, warum der Nagel krumm geworden ist...;-)!
Also - da hat er schon nicht unrecht, der Herr CSUler, mit seiner Forderung! Und, ach ja: ich habe nicht studiert und bin trotzdem mehr als zufrieden mit meinem in wenigen Jahren zu Ende gehenden Berufsleben und dem dort Erreichten. Und das mit dem Nagel und dem Akademiker habe ich selber erlebt...
Bitte schüren Sie doch hier nicht derart uralte und platte Vorurteile. Und wenn Sie schon mit einem Einzelbeispiel kommen: mein Bruder ist Akademiker (FH) und konstruiert mit seinen nach Ihrer Meinung zwei linken Händen Motoren bei Audi.

Wir haben zu wenige Akademiker, wie der internationale Vergleich zeigt. Allerdings haben wir ebenso zu wenige anderweitig Hochqualifizierte. Dazu gehört auch ein Meister. Im Zusammenspiel sichern diese die Zukunftsfähigkeit des landes. Jedem sollte die Möglichkeit geboten werden, sich möglichst hoch zu qualifizieren. Wir brauchen keine Politiker aus der Oberpfalz, die unserer Jugend vorschreibt, ob sie studieren darf oder nicht. Ist das CSU-Planwirtschaft? Wir sind doch nicht in der DDR. Übrigens sind auch Handwerksberufe heute oft hochkomplex und ohne fundierte Ausbildung nicht machbar.

Wovon Deutschland allerdings ausreichend hat, sind Geringqualifizierte und Mitbürger ohne jegliche abgeschlossene Ausbildung. Sie werden in einem immer anspruchsvoller werdenden Arbeitsmarkt immer weniger Chancen haben.
Mit Verlaub, werter Hr. Hagenfels, wer schürt denn hier bitteschön was???
Ich habe selten so einen einseitig motivierten Kommentar gelesen wie den Ihren - Sie ergreifen eindeutig Partei und werfen dies gleichzeitig denen vor, die eben auch die andere Seite der Medaille versuchen zu sehen und vor allem zu akzeptieren!

Habe ich irgendwo behauptet dass ihr Bruder zwei linke Hände hat? Er möge weiterhin seine Motoren erfolgreich konstruieren; zusammenbauen und warten tun das aber andere, nämlich die, die z.B. im PAZ in BT als Kfz-Mechaniker arbeiten und durch deren Hände diese Wagen z.B. beim Kundendienst gehen. Fragen Sie dort doch mal selber nach, wie viele dieser Spezialisten studiert haben! Ich habe keinen kennengelernt als ich dort noch Kunde war!
Es ist ja wenigstens nett von Ihnen, dass Sie einen Meister als hochqualifiziert darstellen - das kann in Ihren Augen ein Azubi oder Geselle wohl nicht sein - hochqualifiziert, oder??
Und ob ein Politiker aus der Oberpfalz kommt oder nicht kann Ihnen doch wohl auch egal sein - jeder kann in unserem Lande seine Meinung sagen (Gott sei Dank) oder wollen Sie nur die ihre als die einzig wahre gelten lassen?
Und falls Sie es noch nicht mitbekommen haben - wir können doch gar nicht mehr in der von Ihnen zitierten DDR sein, Mensch Herr H., die gibt`s doch schon lange nicht mehr; wohl was versäumt, oder?

Was mich freut ist die Erkenntnis, dass Sie Handwerksberufe als hoch komplex bezeichnen, Hut ab. Nun fragen Sie mal den Handwerker Ihres Vertrauens, wie viele "Studierte" er in seinem Betrieb hat? Eine fundierte und qualifizierte Ausbildung zu einem Handwerksberuf erlernt man während der Berufsausbildung und eben nicht auf der Uni!

Dem letzten Absatz Ihres Kommentars kann man zustimmen!
Alibt, ich bin mir ziemlich sicher, dass Sie meinen Kommentar entweder nicht (ganz) gelesen oder/und nicht (ganz) verstanden haben.

Ich schreibe z.B. sehr klar, dass wir zu wenige Akademiker haben, aber eben auch zu wenige andere Hochqualifizierte, die auch außerhalb von Unis / FHs ausgebildet werden. Somit ergreife ich nicht einseitig Partei.
Wie ich schrieb, müssen diese Gruppen zusammenspielen. Dazu gehören auch Meister, aber eben (noch) keine Azubis, was ja in der Natur der Sache liegt, da noch in der Qualifizierungsphase. Diese sind aber hoffentlich auf dem Weg dahin. Dass man nicht überall Akademiker benötigt ist zudem ja wohl klar. Die Anspielung auf die zum Glück verblichene DDR zielte auf die dort übliche staatliche Planung individueller Bildungs- und Berufswege. Diese kann man sich heute zum Glück selbst aussuchen.
Alles klar, Hagenfels, akzeptiere ich!

Nur eines noch - Sie schreiben, Zitat:"...Dazu gehören auch Meister, aber eben (noch) keine Azubis, was ja in der Natur der Sache liegt, da noch in der Qualifizierungsphase..."!

Dann sollte man aber bitteschön auch Studierende mit einbeziehen, denn die sind auch noch in der "Qualifizierungsphase"! Nur weil man eine Uni besucht ist man noch lange nicht qualifiziert!

Solange Professoren und Unidozenten sehr oft von Studierenden sprechen (müssen), deren z. B. grammatikalisches Wissen unter aller S.. ist (siehe diesen Link

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-88861729.html

frage ich mich, was solche Leute überhaupt qualifiziert, ein Studium zu beginnen. Bei genauerem Nachdenken könnte ich einige Gründe aufzählen...;-))!

Schönen Sonntag noch...
Sie ist es Alibt, Azubis und Studierende sind in der Qualifizierungsphase. Und ja, nicht jeder Student ist dem Studium gewachsen, ebenso wie nicht jeder Azubi seiner Ausbildung gewachsen ist. Das zeigen ja auch die Abbrecherquoten. Das ist menschlich. Im Übrigen möchte ich noch anmerken, dass ich aus einer Nicht-Akademikerfamilie stamme, meine Eltern mich (und meine Geschwister) jedoch trotz nicht ganz einfacher äußerer Umstände nach Kräften unterstützt haben, die Chancen auf Bildung/Ausbildung/Studium zu nutzen, die unser Land bietet. Akademiker sind weder bessere noch schlechtere Menschen. Genauso wie die von Ihnen zitierten Handwerker. Auf der Bierbank im Herzogkeller sind wir alle gleich ;-)
"Es Fehlen Lehrlinge." Also Leute, die für geringe Entlohnung arbeiten. Sollen die Unternehmen dann halt Praktikanten anstellen. Die sind nicht teuerer und müssen, wenn man sie loshaben will, nicht gekündigt werden, da sie von vornherein befristet angestellt sind.
Kiepfer, Sie sprechen sich damit für ein unsoziales und nicht nachhaltiges System aus. Leidtragende sind zunächst die Dauerpraktikanten, langfristig aber auch Unternehmen. Denn aus Lehrlingen werden z.B. Gesellen und Meister. Zudem sind Lehrlinge nicht einfach "Leute, die für geringe Entlohnung arbeiten". Sie sollten auch einmal einen Blick über den Zaun der Uni und diverser Festveranstaltungen wagen.
Wer baut eigentlich die meißte Scheiße in unserem Land?
Der Hartz 4ler oder die sogenannte Elite?
Was soll denn dieses Elitegefasel immer? Akademiker sind auch Lehrer, Ärzte etc., die Sie sicher auch schon kennengelernt haben. Der Beruf des Politikers, sollten Sie darauf abzielen, erfordert hingegen keine Berufsbildung. Nur ausreichend Wähler.
Doch ich gebe Ihnen Recht: "Hartz IV'er" tragen wenig bei - allerdings wenig im positiven und negativen Sinn. Nur will selbst dies finanziert sein...