Uniopenair: Lehrstunde für Fips-Asmussen-Witze und Velvet-Underground-Hintergrundwissen

Keine Band hat so abräumen können wie Nachbar Helios. Was natürlich nicht heißen soll, dass das Line-up groß geschwächelt hätte, aber es hatte definitiv zu kämpfen gegen die Hitze und ihre Begleitumstände. Denn bei Temperaturen nah an den 30 Grad sitzt es sich einfach gut auf dem Parkplatz und den Grünflächen vor dem Festivalgelände. Und die Drinks schmecken auch besser als bei Frost, was wiederum die Menschen redselig macht und den Fokus wegzieht von Musik und Tanz.

Egoding

Aber es wurde nicht nur getrunken und gequatscht, vor allem beim Headliner Retro Stefson aus Island durfte niemand stillstehen, dafür sorgten Haraldur Ari Stefánsson und seine Kollegen schon. Regelrecht genötigt wurde man zum Tanzen. Das ganze Konzert wirkte sowieso weniger wie ein Egoding der sieben Musiker, sondern war eine interaktive Show zwischen ihnen und dem Publikum. Das machte vielen Spaß, was die Massen vor der Bühne bewiesen. Aber wenn einer sagen würde, dass das alles irgendwie ein bisschen zu viel Weltmusik-Popanz war, dem dürfte man auch nicht widersprechen. Und das Potenzial von Niedersitzen-und-dann-alle-gemeinsam-auf-Kommando-aufspringen-Spielchen ist erschöpft. Punkt.

Aber wenn wir von Retro Stefson sprechen, sprechen wir ja schon fast vom Ende des Spektakels. Wir wollen einen Blick auf den Beginn werfen, denn aus etlichen Mündern hörte man auf dem Gelände, dass der zweite Sieger neben der Sonne nämlich der Opener war, ein heimlicher Headliner sozusagen. Liegt sicher auch daran, dass Folk-Pop mit einer rauen Brise Indie derzeit auf der Trendwelle ganz obenauf surft. Aber der Trend ist sicher nicht verantwortlich dafür, dass Young Chinese Dogs aus München einfach sausympathisch rüberkommen und einfach gut sind. Die will man auf jeden Fall im Glashaus in Clubatmosphäre wiedersehen!

Motorhorst

Wäre zum einen noch die Moderation. Die Institution Motorhorst war gewohnt stark. Heißt: gut informiert über die Bands, die er anzukündigen hatte, inklusive der jeweiligen Anzahl an Facebook-Likes. So lockerte er das Publikum vor ElsSter Club mit einem kleinen Gewinnspiel auf. Seitdem weiß auch der Letzte, dass die Banane vom legendären Velvet-Underground-Album „The Velvet Underground and Nico“ von Andy Warhol stammt. Und unangefochten in der Rangliste der besten Zwischenmoderation ganz oben: Fips-Asmussen-Witze.

Deshalb hier für Sie: „In Lüneburg ist letztens einer aus der Kirche ausgetreten. Das ist der Lüneburger Heide.“

Zum anderen noch die Aftershow. Die war groß. Ja, zu den Strokes lässt sich immer noch gut tanzen. Und ja, New Order gehen immer. Und noch ein Ja: spät Techno ist auch immer gut. Hoffentlich auf bald, va.bene! Tobirakete ist ja zum Glück sowieso ständig am Plattendrehen in Bayreuth.

Nicht bewertet

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