"Unglaublich phänomenale" Saison des EHC

Können Sie sich noch an den 28. März 2013 erinnern?

Sergej Waßmiller: Puh. Ehrlich gesagt nicht.
Dietmar Habnitt: War da nicht der 2:0-Heimsieg im Bayernligafinale gegen Sonthofen, der uns den Aufstieg in die Oberliga gesichert hat?

Richtig! Und vier Jahre später spielt der EHC Profi-Eishockey und stand im Viertelfinale der DEL2. Wie ist diese Entwicklung erklärbar?

Habnitt: Das ging alles explosionsartig. Ruckzuck waren wir in der DEL2. Da hat vieles zusammengepasst. Am 28. März 2013 hat sicherlich niemand an ein DEL2-Viertelfinale gedacht.
Waßmiller: In dieser Zeit ist wirklich viel passiert. Wir haben uns Jahr für Jahr gesteigert – sowohl im Fitness-, als auch im Taktikbereich. Zudem haben wir die richtigen Spieler gehabt und geholt. Auch Teamgeist und Teamwork waren ganz wichtig. Wir haben uns nicht zurückwerfen lassen und immer hart gearbeitet.

Ist so eine Entwicklung planbar oder gehört auch Glück dazu?

Waßmiller: Logisch gehört Glück dazu. Wir hatten das Ziel, professioneller zu werden. Jetzt sieht man den Erfolg.
Habnitt: Planbar ist so etwas im Sport nie, aber nur Glück funktioniert auch nicht. Wer akribisch und vielleicht etwas mehr arbeitet als andere, kann dann vielleicht die Lorbeeren ernten. Und das ist beim EHC passiert.

Bemerkenswert ist, dass einige Spieler den Weg von der Bayernliga in die DEL2 mitgegangen sind – und auch dort zu den Leistungsträgern zählen.

Habnitt: Das war Teil des Konzepts. Wir hatten in der Bayernliga schon eine laufstarke Mannschaft und haben auf Spieler mit Qualität Wert gelegt. Vielleicht haben andere Vereine diese Qualität nicht gesehen. Ich habe vor vier Jahren schon bei einigen Spielern gedacht, dass sie bald höherklassig spielen können. Und das tun sie jetzt, weil sie sich durch Sergejs Training körperlich weiterentwickelt haben.
Waßmiller: Dazu gehört auch der Wille und die Einstellung der Spieler. Die Mentalität ist wichtig. Man muss sich immer weiter verbessern wollen – körperlich und psychologisch. Einige der Spieler wollten eben unabhängig von der Liga Leistungsträger sein und haben das geschafft. Paradebeispiel ist Michal Bartosch. Er ist eine Maschine. Er arbeitet jeden Tag an sich, um diese Leistungen abrufen zu können. Der Lohn: Er ist Tigers-Topscorer in der DEL2.

Sind Bartosch und Torwart Tomas Vosvrda für Sie die Spieler der Saison?

Waßmiller: Die ganze Mannschaft war überragend. Wir haben immer an uns geglaubt. Aber diese beiden muss man schon etwas herausheben: Sie haben großen Anteil am Erfolg.
Habnitt: Ich würde auch andere dazuzählen, wie zum Beispiel Jozef Potac. Unser Routinier hat eine hervorragende Saison gespielt.

In den vergangenen vier Jahren gab es auch viele Querelen an der Vereinsspitze. Das Team zeigte sich davon nahezu unbeeindruckt. Wie war das möglich?

Habnitt: Wir mussten schon viele, viele Gespräche mit den Spielern führen. Immer wenn ein Gerücht auftauchte oder es Streit gab, kam das natürlich umgehend beim Team an. Ich denke, dass jetzt mit der neu gegründeten GmbH alles professioneller wird. Das muss es auch werden. Es kann nicht immer wieder solche negativen Meldungen geben, obwohl wir sportlich für Furore sorgen.
Waßmiller: Natürlich haben wir immer alles mitbekommen. Aber wir haben versucht, es nicht an uns heran zu lassen. Wir müssen Leistung auf dem Eis bringen, das ist unser Job. Alles andere mussten wir ausblenden. Ich bin froh, dass uns das gelungen ist. Der sportliche Erfolg war immer da. So muss es sein.

Zurück zur Debütsaison in der DEL2. Können Sie diese Spielzeit mit drei Worten beschreiben?

Waßmiller: Unglaublich, Wille, brutaler Teamgeist.
Habnitt: Unglaublich phänomenal und schwer zu wiederholen.

Wie erwartet, fällt das Fazit positiv aus. Gab es überhaupt negative Momente in dieser Saison.

Habnitt: Von der sportlichen Seite her nicht. Wir haben bis auf das letzte Wochenende jedes gepunktet. Das ist für einen Aufsteiger sensationell.
Waßmiller: Wir haben vieles richtig gemacht, von Negativem will ich nicht sprechen. Man muss die Saison jetzt in Ruhe analysieren. Schließlich will man sich auch weiterentwickeln. Dazu ist es nötig, die Mannschaft punktuell zu verändern. Dazu gehört es, einige Spieler durch andere zu ersetzen. Das ist normal im Profigeschäft. Das Grundgerüst soll aber erhalten bleiben.

Kann die Leistungskurve ähnlich steil nach oben gehen, wie in den vergangenen vier Jahren?

Waßmiller: Wir tun gut daran, den Ball flach zu halten und am Boden zu bleiben. Unser Ziel kann auch nächste Saison nur der Klassenerhalt sein. Die Ligakonkurrenten werden aufrüsten, und wir müssen uns weiter auf unsere Stärken wie den Teamgeist konzentrieren. Dann schauen wir, was drin ist.
Habnitt: Wir waren unter den Top 8 der DEL2. Dieses Ergebnis zu wiederholen, ist eine Riesenaufgabe. Aber wir dürfen uns nicht auf dem Erreichten ausruhen. Wir müssen die wenigen Schwachstellen ausmerzen. Am liebsten würde ich nach so einer Saison alle Spieler halten, es hat keiner enttäuscht. Von dem einen oder anderen werden wir uns aber trennen müssen. Ein anderer wichtiger Punkt ist: Wir müssen uns etwas breiter aufstellen und die Kooperationen mit Nürnberg sowie Weiden ausbauen. Ich denke, wir werden wieder eine schlagkräftige Truppe stellen.

Ihre Zusammenarbeit prägt die seit Jahren so erfolgreiche Geschichte des EHC. Was zeichnet Sie als Duo aus?

Waßmiller: Es passt einfach zwischen uns. Wir haben die gleiche Philosophie, sprechen uns intensiv ab und halten zusammen. Das überträgt sich auch auf die Mannschaft. Man darf aber nicht vergessen: Zu unserem funktionierenden Team gehören auch Physiotherapeut, Betreuer und viele andere, die im Hintergrund mithelfen. Dafür bin ich sehr dankbar.
Habnitt: Sergej ist ein sehr akribischer Arbeiter, er bleibt dabei stets fair und ehrlich. Es hat in den ganzen Jahren nicht eine Meinungsverschiedenheit gegeben. Wir reden immer offen und haben die gleiche Ansicht vom Eishockey. Manchmal genügen Blicke, um zu wissen, was der andere denkt. Es hat sich eine Freundschaft entwickelt.

Wenn man Ihnen zuhört, könnte man annehmen, Sergej Waßmiller bleibt Trainer der Tigers. Einen Vertrag für die kommende Saison hat er aber noch nicht.

Waßmiller: Dazu sage ich nichts. Nur eins: Der EHC ist mein erster Ansprechpartner.
Habnitt: Etwas mehr kann man schon sagen: Unterschrieben ist noch nichts, aber die Verhandlungen laufen gut. Es schaut nicht so schlecht aus. Man muss auch sagen, dass Bayreuth innerhalb kürzester Zeit ein tolles Eishockeypflaster geworden ist. Der EHC ist für Sergej sicherlich eine gute Adresse.

Wie viel Anteil am Renommee, das sich der EHC in Eishockey-Deutschland erarbeitet hat, haben – neben den sportlichen Erfolgen – die Fans?

Habnitt: Uns wird stets ein faires, sauberes Auftreten bescheinigt. Über den EHC wird in der DEL2 sehr positiv gesprochen. Daran haben auch die Fans ihren Anteil. Sie haben eine Wandlung mitgemacht, unterstützen uns von der ersten bis zur letzten Minute. Diese Entwicklung ist super.
Waßmiller: Wir haben sehr laute Fans, auch auswärts war die Unterstützung toll. Egal wie das Spiel ausging. Danke dafür. Die Spieler brauchen diese Unterstützung. Die Fans haben dazu beigetragen, dass sich Bayreuth in der DEL2 in kurzer Zeit einen Namen gemacht hat.

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