Unfall: Beifahrer greift ins Steuer

Viel Glück hatte ein junges Pärchen aus Bayreuth Ende September vergangenen Jahres bei einem Unfall auf der Autobahnauffahrt bei Brücklein. Obwohl ihr Kleinwagen dort in die Leitplanken krachte, blieben beide unverletzt. Diesem Umstand dürfte es der Beifahrer zu verdanken haben, dass er jetzt bei Gericht sehr milde davonkam.

Der 23-Jährige hat damals auf der nächtlichen Rückfahrt von einer Familienfeier seiner Partnerin plötzlich ins Lenkrad gegriffen und das Fahrzeug so nach rechts gesteuert. Bei der späteren Unfallaufnahme zeigte sich der stark betrunkene Bayreuther gegenüber der Polizei derart renitent, dass er gefesselt zur Wache gebracht werden musste, unter andauernden wüsten Beschimpfungen der Beamten.

Das machte in der Summe gleich vier Anklagen: neben dem gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr und der Sachbeschädigung noch Widerstand und Beleidigung. Im Laufe des Verfahrens stand sogar mal der Verdacht des versuchten Totschlags im Raum. Am Ende wurde eine Bemerkung des 23-Jährigen, dass er seine Freundin „bei der Geschichte mit dem Auto“ töten wollte, aber nicht ernst genommen.

Eigentlich habe der Abend nett und friedlich begonnen, berichtete die Fahrerin dem Gericht. „Ich bin nach der Arbeit zu der Feier und die Stimmung war gut“, erzählte die 26-Jährige in dem Prozess. Später habe ihr Partner jedoch Streit mit anderen Gästen angefangen. Der Streit habe sich auf der Rückfahrt nach Bayreuth im Auto fortgesetzt.

Zu diesem Zeitpunkt, gegen zwei Uhr nachts, hatte der Angeklagte sich bereits einen gehörigen Pegel angetrunken, vor allem mit Wodka. Daran konnte sich der 23-Jährige noch erinnern, ansonsten berief er sich auf einen „Blackout“. „Ich weiß noch, dass wir unterwegs waren. Und dann erst wieder, wie ich in der Arrestzelle aufgewacht bin“, behauptete er.

Maximale Alkoholisierung von 2,3 Promille

„Aus medizinischer Sicht ist das nicht nachvollziehbar“, hielt ihm Gerichtsgutachter Dr. Klaus-Peter Klante entgegen. Der erfahrene Forensiker errechnete aus der späteren Blutprobe für den Tatzeitpunkt eine maximale Alkoholisierung von 2,3 Promille. Das sei zwar ein mittelschwerer Rausch, aber keine ausreichende Erklärung für einen kompletten Erinnerungsverlust. „Da spielt wohl eher Verdrängung eine Rolle“, vermutete Klante.

Ausschließen wollte der Sachverständige aber nicht, dass der Bayreuther nur „eingeschränkt steuerungsfähig“ gewesen sei. Mehrere Zeugen und auch die Freundin des Angeklagten hatten zuvor in dem Prozess von für Betrunkene typischem Verhalten berichtet wie starke Stimmungsschwankungen und impulsive Reaktionen.

Die Fahrerin des Unfallwagens ging in ihren Schilderungen nicht zimperlich mit dem Angeklagten um, von dem sie sich inzwischen getrennt hat. Die 26-Jährige: „Sein Verhalten war extrem seltsam, so hatte ich ihn noch nie erlebt. Für mich sah das schon fast wie eine Psychose aus.“ Aus dem Zusammenleben der beiden konnte sie berichten, dass ihr Partner oft fast rund um die Uhr auf den Beinen sei, sie vermutete auch, dass er Drogen konsumiert.

Hinweise darauf lagen auch dem Gericht vor, nämlich eine frühere Verurteilung wegen Besitzes von Betäubungsmitteln im Frühjahr 2016. „Nach meiner Entgiftung in der Klinik ist das aber schon lange vorbei“, beteuerte der Bayreuther. In seiner Blutprobe nach dem Unfall im September hatte das Labor auch keinerlei Hinweise auf Drogenkonsum gefunden.

Am Alkohol alleine kann es aber wohl nicht gelegen haben, dass sich der 23-Jährige bei der Unfallaufnahme durch die Polizei gesträubt hat und verbal ausfällig geworden ist. „Er hat sich in alle Gespräche eingemischt und wollte uns erklären, wie wir unsere Arbeit zu machen haben“, erinnerte sich ein 40-jähriger Beamter. An Selbstbewusstsein scheint es dem jungen Bayreuther trotz der gut zwei Promille auch nicht gefehlt zu haben: In „Fachdiskussionen“ habe er später auf der Polizeiinspektion durchaus Hintergrundwissen gezeigt.

Verurteilt wurde der 23-Jährige schließlich wegen der vier angeklagten Straftaten zu einer Geldstrafe von 100 Tagessätzen. Insgesamt fiel die mit 2000 Euro relativ gering aus, da der Bayreuther derzeit eine Schule besucht und von Meister-Bafög lebt.

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