Ulrike Gote will im Landtag bleiben

Für Ulrike Gote gibt es heute kein Mittagessen. Um sie herum wird gespeist: Flammkuchen mit oder ohne Käse, grobe Bratwürste auf Kraut, mit Brot und Senf. Für Ulrike Gote gibt es nichts außer einer großen Apfelschorle, die sie zügig trinkt. Sie wirft nicht einmal einen Blick in die Speisekarte. "Ich esse nicht gern bei Terminen, ich unterhalte mich lieber." Sie möchte sich konzentrieren. Auf ihr Gegenüber, auf das Thema. Essen stört dann nur. Also hört sie zu.

Harald Mild, dem ehemaligen Bürgermeister von Creußen und jetzigem Projektmanager der Friedrich Wilhelm Raiffeisen Energie eG Creußen. Und Thomas Gambke, Mitglied im Finanzausschuss des Deutschen Bundestags und dort auch Mittelstandsbeauftragter der Grünen. Den hat sie gerade vom Bahnhof abgeholt. Es geht um Energie, um die Energiewende. Mild erzählt vom Flächenpachtmodell und der Bürgerbeteiligung an der Neuhofer Windkraftanlage und davon, dass seine Kaffeemaschine so viel Strom verbraucht, man glaubt es nicht, selbst wenn sie keinen Kaffee macht.

Gote hört zu, lacht, schaut ernst, wirft hier und da etwas ein, das beweist, sie kennt sich aus, sie nickt. Energiewende. Das ist ihr Thema. Eines von vielen, für das sie in ihrem Wahlkampf eintritt.

Ulrike Gote will wieder in den Landtag. Dort sitzt die studierte Geoökologin für die Grünen schon seit 1998. Und jetzt tourt die Bayreutherin durch ihren Wahlkreis, um erneut für sich zu werben. Die Grünen - für Gote war das damals, Ende der 1980er Jahre, die einzige Alternative in der politischen Landschaft. Heute auch noch, schiebt sie nach. Jetzt will sie möglichst viele Menschen von ihrer Überzeugung überzeugen.

Dass die 47-Jährige bei den Grünen landete, habe sich ganz logisch ergeben. Kümmerten sich die Grünen doch um die Themen, die sie bewegten und bewegen. Atomausstieg, Gleichstellung von Frauen... "allein aus diesem Grund wäre eine andere Partei gar nicht in Frage gekommen". Natürlich gibt es immer wieder Zeiten, in denen sie nicht alles gut findet, was in der Partei passiert. So habe sie sehr gehadert, als es um die Kriegseinsätze der Bundeswehr ging. Trotzdem: Die Grünen, das ist die einzige Partei, in der sich Gote engagieren will, in der sie sich engagieren kann. Seit 2008 ist sie im Fraktionsvorstand.

Mit Mild und Gambke war Ulrike Gote vorher schon bei den Neuhofer Windrädern. Ein herrlich warmer Vormittag der schon nach Spätsommer roch. Der Wind piff, die Sonne blendete, der Schatten des Windrades wanderte und mit ihm die Menschen, die sich für eine Energiewende einsetzen. Dieses Gespräch, das dann im Lindenhardter Wirtshaus seine Fortsetzung findet, ist nicht der erste Termin des Tages für Ulrike Gote. Heute saß sie schon um 7 Uhr am Schreibtisch. Zugegeben, das war sehr früh.

Normalerweise, sagt sie, ist ihr erster fixer Termin des Tages eine Telefonkonferenz mit Kollegen aus dem Fraktionsvorstand. "Kleine Lage" nennt sie diese Konferenz, die immer um 9.30 Uhr stattfindet. "Bis dahin hab' ich aber schon Zeitung gelesen und meine Mails abgerufen."

Ulrike Gote hört viel zu. Und sie regt sich auf, wenn es um die Sache geht. Über den Ministerpräsidenten Horst Seehofer, der nicht genug Mumm habe, den Windkraftgegnern Einhalt zu gebieten, wenn diese Windkraftanlagen und Konzentrationslager in Zusammenhang bringen.

Über anderes kann Ulrike Gote herzlich lachen. Zum Beispiel die Tatsache, dass sie nicht die erste Grußwortrednerin ist, später dann beim Spatenstich in Bayreuth zur Renaturierung des Roten Mains. Ein Mitarbeiter der Veranstaltung entschuldigt sich wortreich bei ihr, dass sie nicht als Erste zu Wort kommt, sondern der CSU-Abgeordnete Walter Nadler. Schließlich sei er doch Stimmkreisabgeordneter. Gote lacht laut. "Ich kann gut damit leben, als Zweite zu sprechen, ich hab' gern das letzte Wort", sagt sie. Nur das Argument, Nadler sei Stimmkreisabgeordneter, könne sie so nicht stehen lassen, grinst sie den Mann an, der ihr den Ablaufplan der Veranstaltung überreicht hat. Der grinst entschuldigend zurück. 

Gote wird dann als Zweite sprechen, aber nicht als letzte. Es kommt dann doch noch ein Redner nach ihr. Sie wird zum Spaten greifen und diesen foto-wirksam mit all den anderen in die Erde stechen. Sie wird sich mit dem ein oder anderen noch unterhalten, ein Wasser trinken, dann geht es weiter. Zusammenstehen, essen, das mag Gote nicht. "In der Zeit kann ich auch etwas arbeiten", sagt sie.

Jetzt geht Gote nach Hause. Der nächste Termin ist erst am Abend, ein Benefizkonzert für Avalon. Für Gote kein Pflichttermin. "Avalon ist doch mein Verein." Sie ist im Vorstand. Doch für etwas Ruhe zwischen all den Terminen bleibt keine Zeit. Gerade hat sie erfahren, dass die Kompensationsmittel für die Studiengebühren gekürzt werden sollen. "Da muss ich jetzt recherchieren, ob da etwas dran ist und schau'n, ob ich in der Fraktion jemanden erreiche." Das ist oft so. Dass Zeit, die eigentlich eine Pause wäre, dann doch für die Politik gebraucht wird.

Anfang der Woche war das auch so. Ein freier Tag eigentlich, doch dann der Anruf, dass die Polizei den Protestmarsch der Flüchtlinge stoppte. Gote war vor Ort, keine Frage für sie. Doch so war der freie Tag plötzlich auch voll Politik.

Dabei ist Ulrike Gote seit ihrer Krebserkrankung viel achtsamer mit sich selbst. "Ich habe vorher wenig Rücksicht auf mich und die eigene Gesundheit genommen." Immer zu viel gearbeitet. Immer ja, nie nein gesagt. Jetzt will sie besser mit ihren Kräften haushalten. In der heißen Phase des Wahlkampfes bleibt für Sport nur noch wenig Zeit, bedauert Gote. Normalerweise plant sie ein, Laufen zu gehen, doch im Moment gelingt ihr das nicht. "Aber es kommen ja auch wieder andere Zeiten." Zu einem achtsameren Lebensstil gehört auch, dass sie regelmäßig isst, sagt sie. Auch das gelingt ihr im Wahlkampf nicht. Wenn sie während der Landtagsarbeit in München lebt, hat sie sich jetzt eine Obstkiste fürs Büro abonniert. Und: Sie sagt auch schon einmal Termine ab, um Zeit für die Familie zu haben. Die, denen sie abgesagt hat, wären meist sehr verständnisvoll, wenn sie als Grund Zeit für die Familie angibt, statt irgendwelche Ausflüchte zu finden. "Wir Grünen vertreten ja auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie." Gerade hat sie sich fünf Tage Urlaub mit der Familie gegönnt - nicht nur sich, auch ihrer jüngsten Tochter zuliebe. "Die kommt in der Wahlkampfzeit etwas zu kurz", bedauert Gote.

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