Über 1200 Kilometer am Stück auf dem Rad

Bei diesem erstmals 1891 ausgetragenen Rennen, das damit älter ist als die Tour de France, sind auf dem Hin- und Rückweg zwischen der französischen Hauptstadt und der bretonischen Atlantikküste insgesamt rund 1230 Kilometer zu bewältigen – und zwar in einem Stück. Profis sind schon seit den 50er Jahren nicht mehr dabei, aber die Popularität des nur alle vier Jahre veranstalteten Wettkampfs ist umso größer. In vielen Orten entlang der Strecke gehört es zum guten Ton, die 6000 Fahrer nicht nur mit Anfeuerung zu unterstützen, sondern auch mit Verpflegung.

Trotz dieser Atmosphäre kann natürlich von einer Spazierfahrt keine Rede sein. Zur Qualifikation müssen die Teilnehmer im Austragungsjahr die Bewältigung von Strecken über 200, 300, 400 und 600 Kilometer nach bestimmten Zeitvorgaben nachweisen. Entsprechend früh musste die Vorbereitung beginnen. „Ich bin den ganzen Winter durch gefahren“, berichtet Bernd Rücker. „Dafür habe ich mir eigens ein Cross-Fahrrad gekauft.“ Von Januar bis Juni habe er ein monatliches Trainingspensum von rund 1500 Kilometern absolviert, im Juli dann etwa 2000: „Das bedeutet an sechs Tagen pro Woche eine Fahrt zwischen 90 und 110 Kilometern. Am siebten Tag gönne ich mir eine Pause.“

Der 44-Jährige sitzt erst seit drei Jahren auf dem Rennrad, war sich über sein Talent für lange Strecken aber schnell im Klaren: „Nach einem Schicksalsschlag 2013 wollte ich einfach nur weg. Ich bin mit einem Rucksack los gefahren und wollte nur sehen, wie weit ich komme“, erzählt Rücker. „Ich kam bis Amsterdam und dann noch bis ans Meer. Dort habe ich ein Eis gegessen und bin zurück gefahren. Das waren 1300 Kilometer fast ohne Pause.“

Dabei hat der Bayreuther auch schon gemerkt, dass es nicht nur auf Ausdauer ankommt: „Man muss bereit sein, bei jedem Wetter zu fahren. Da trennt sich die Spreu vom Weizen. Die meisten steigen nämlich nicht wegen Defekten aus, sondern weil es ihnen zu kalt ist, zu nass, oder sonst was. Wenn man dann auch noch nachts fährt, muss man schon hart im Nehmen sein.“ Diese Qualität haben alle drei Bayreuther bewiesen, als sie die Qualifikationsstrecke über 600 Kilometer bei einer Bayerntour von Treuchtlingen aus absolvierten: „Das waren 14 Stunden im Regen.“ Rücker kann mit gut solchen Schwierigkeiten umgehen: „Ich komme beim Fahren in einen sehr entspannten Zustand und kann komplett abschalten. Das ist fast meditativ. Ich habe nur noch im Kopf, was im Umkreis von einem Meter um mich herum ist.“

Das Bayreuther Trio wird in verschiedenen Gruppen mit unterschiedlichen Startzeiten am Sonntagabend oder Montagmorgen ins Rennen gehen – je nach dem, wer lieber zunächst in der Nacht oder am Tag fährt. Die Ziele sind aber ähnlich: „Wenn es gut läuft, sollte alles in einem Stück möglich sein, nur mit einem Stündchen Pause am Wendepunkt zum Durchdehnen“, sagt Rücker. Das persönliche Zeitlimit dafür liege bei weniger als drei Tagen: „Ich rechne mit 60 bis 70 Stunden – abhängig davon, wie viel Schlaf ich brauche.“

Nicht bewertet

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