Über sieben Stationen musst du gehen

Sieben Stationen, um inne zu halten. Nachzudenken, während um einen herum das pralle Leben tobt. Über das eigene Leben, die aktuelle Station. Den Weg, den das Leben genommen hat.

Die Idee, einen Weg des Lebens zu formen, hatten die Kirchen schon lange, sagen der evangelische Dekan der Stadt, Hans Peetz, und Martin Kleineidam, einer der Pfarrer der Stadtkirche. "2006 gab es die erste Idee, einen Weg der Kontemplation zu machen", sagt Kleineidam. Der Verein Evangelische Arbeit Bayreuth wollte den Weg umsetzen. Die Jahre gingen ins Land, bis 2009 in einem Gespräch mit dem damaligen Oberbürgermeister Michael Hohl die Idee entstand, wie Peetz sagt, "den Weg ins Konzept der Gartenschau zu integrieren". Und den Weg in Richtung Stadt fortzusetzen. Mit Gärten der Kontemplation.

Sechs Jahre später bauen christliche, muslimische und jüdische Glaubensgemeinschaften gemeinsam den Weg. Mit etwa 20 ehrenamtlichen Helfern, mit Unterstützung der Gartenbauer, die auf der Landesgartenschau im Einsatz sind. Ein Teil der Stationen ist bereits fertig, an anderen wird intensiv gearbeitet. Insgesamt investieren die Kirchen rund 300 000 Euro innerhalb und außerhalb der Gartenschau. Allein rund 100 000 Euro kostet der Ort der Besinnung, „allerdings bekommen wir unter anderem von den Bauunternehmen Spenden und andere Unterstützung“, sagt Peetz.

Station 1 - die Geburt: "Das ist nur der grobe Untergrund. Da kommt noch weißer Kies drauf", sagt Gartenbauer Thomas Klein. Marmorkies. Der Weg schlängelt sich durch Schilfpflanzen zum Ufer. "Ein Schilfkorb wird hier stehen", sagt Klein. In allen Religionen habe Wasser für das Leben eine zentrale Bedeutung, sagt Peetz. Die erste Station ist in Weiß und Grün gehalten. "Als Zeichen dafür, dass man unbelastet und hoffnungsfroh ins Leben startet", sagt Peetz.

Station 2 - die Jugend: Weil hier die Blüte des Lebens beginnt, hat diese Station auch im Boden die Form einer Blüte. Vier Bäume stehen im Quadrat einander zugeneigt, formen optisch ein Zelt, in dessen Mitte ein Kreuz stehen wird, wie der Dekanatsjugendpfleger Elmar Fertig-Dippold sagt.  Vier unterschiedliche Beläge im Boden. "Sand, der zum Nachdenken darüber anregt, wer bei mir im Leben Spuren hinterlassen hat. Oder wo ich Spuren hinterlassen habe", sagt Fertig-Dippold. Oder hackschnitzel als Symbol dafür, dass man möglicherweise mal auf dem Holzweg war.

Station 3 - Erwachsen werden: Diese Station, sagt Peetz, steht an einer Weggabelung in Richtung des Panoramakabinetts. Schüler des Markgräfin-Wilhelmine-Gymnasiums (MWG) werden hier viele Wegweiser gestalten. Wohl aus Beton. "Weil man an dieser Station im Leben vor vielen Entscheidungen steht. Richtungshinweise annimmt, außer Acht lässt", sagt Peetz.

Station 4 - Mitte des Lebens: "Von nun an geht es bergauf", sagt Peetz. Symbolisch und tatsächlich. Denn von der Weggabelung aus geht es Richtung Panoramakabinett. Bergauf. Und mittendrin wird diese Station stehen. "Leuchtend Orange. Eine Art Holzhütte. Als Ruheraum, mit Büchern drin. Religiöse Bücher der verschiedenen Religionen." Oben auf dem Kubus: Skulpturen, die die Aufs und Abs im Leben spiegeln. Und eine Figur, "ein Windspiel, das mit dem Fernglas in die Landschaft blickt", sagt Kleineidam. "Weil man sich oft in der Phase des Lebens um die eigene Achse dreht."

Station 5 - der goldene Oktober: Der Platz ist sorgsam gewählt. Nahe am Panoramakabinett, nahe der Liegewiese an einem Hügel, der sanft zur Wilhelminen-Aue abfällt, wird es drei große Sitzelemente geben. "Darunter ein riesiges Sofa, bezogen mit Kunstrasen", sagt Kleineidam. Gelb und golden blühende Pflanzen. Drei Blickrichtungen, "zum Reflektieren. Mit Weitblick. Und auch mit Blick auf das Unvermeidliche, den Tod." Dennoch, sagt Peetz, sei das hier ein "überdimensionales Ruhebänkla".

Station 6 - das gesegnete Alter: Das wird durch einen Quellstein symbolisiert, der normalerweise im Albert-Schweitzer-Hospiz steht. Das Wasser - eine Brücke zur Ausgangsstation. Eine unmittelbare Nähe zur Ausstellung der Friedhofsgärtner. "Es gibt die Idee, Seelenbretter hier aufzustellen. Erinnerungen in lebendiger, bunter Farbe", sagt Peetz.

Station 7 - das Kreuz: "Das Motto des Weges ist ,Von allen Seiten umgibst du mich'", sagt Peetz. Deshalb wird der Besucher auch das Gefühl haben, das Kreuz, das derzeit auf dem Sophienberg steht, umgibt ihn, lässt ihn frei, gibt ihm Schutz. Das Kreuz ist ein Kunstwerk von Wolfgang Stephan. Es ist begehbar, "gibt Geborgenheit", sagt Peetz. Und es steht für Anfang und Ende. Denn den Weg des Lebens kann man in beiden Richtungen gehen.

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Kommentare

Es heißt jetzt "Wilhelminen-Aue", um sich von dem Einzelgehöft "Wilhelminenaue" in der Gemeinde Großderschau in Brandenburg bei Neuruppin nordwestlich von Berlin zu unterscheiden. Zuerst war man sich dieses Problems nicht bewusst und hat den gleichen Namen gebraucht, den auch das Gehöft hat. Jetzt ist da ein Bindestrich.