Türkische Partnerstadt läutet Eiszeit ein

Den Beschluss hat die Stadt auf ihrer Homepage verkündet und ganz offiziell die derzeit schwierigen diplomatischen Verhältnisse zwischen der Türkei und Deutschland als Grund genannt. Das hat in Bursa wie auch in Kulmbach gleichermaßen für Irritation gesorgt. OB Henry Schramm hat von der Entscheidung aus Bursa über Umwege erfahren. Zufällig.

Intensive Freundschaften und Beziehungen

Es gab weder einen Anruf noch einen Brief. Wie er dieses Verhalten bewertet, lässt Schramm höflich offen. Aber natürlich schweigt er nicht über diesen Abbruch von durchaus guten Beziehungen. Er finde es klug, erstmal abzuwarten, bis sich vielleicht Manches wieder beruhigt hat. Besonders für das Berufliche Schulzentrum tue ihm die einseitig ausgerufene Eiszeit sehr leid, sagt der OB. "Da sind schließlich sehr intensive Freundschaften und Beziehungen entstanden über die Jahre."

Begegnungen zwischen Bürgern

Viel Herzlichkeit sei in all der Zeit zu spüren gewesen bei den Begegnungen zwischen Bürgern aus Kulmbach und Bursa, meint Schramm nachdenklich und fährt fort: "Wenn das jetzt aufgrund der großen Politik nicht mehr gewollt ist, dann ist das sehr schade für die Menschen." Jetzt gehe es darum, nicht von deutscher Seite aus auch noch einen Schnellschuss abzufeuern. Am Donnerstag werde er den Stadtrat ganz offiziell informieren und dann müsse man sehen, ob sich die Lage nicht doch nach einer Weile wieder beruhige.

Störung in der Städtepartnerschaft

Schramm will die Störung in der Städtepartnerschaft auch nicht überbewerten. "Wenn man sieht, was sich momentan leider zwischen den beiden Ländern abspielt, dann wird diese Städtepartnerschaft plötzlich zu einem überschaubaren Problem." Was Schramm wichtig ist: "Ich habe in Kulmbach viele sehr gute türkische Bekannte. Wichtig ist es, sich vor Ort nicht auseinanderdividieren zu lassen." Das sieht auch Serkan Uzun so, der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Kulmbach. "Wir sind überrascht", sagt er diplomatisch auf die Frage, was der denn von diesem Schritt der Stadt Bursa hält.

Rektor der Tophane-Schule

Serkan Uzun berichtet, er habe mit dem Rektor der Tophane-Schule in Bursa telerfoniert, die mit dem Beruflichen Schulzentrum in Kulmbach seit Jahrzehnten enge Verbindungen pflegt. Der Schulleiter habe von der Entscheidung selbst noch gar nichts gewusst. Serkan Uzun hat sich seine Meinung gebildet: "Wir bedauern das natürlich sehr. Aber das hindert nicht unsere Arbeit." Im Juli habe sich die Partnerschule zu einem Besuch angekündigt. "Hoffentlich passiert da jetzt nicht noch was."

Das Referendum abwarten

Das Oberhaupt der Türkischen Gemeinde ist überzeugt: "Was die große Politik macht, sollte nicht auf die Kleinen wirken. Das sind jetzt harte Zeiten für uns, aber da müssen wir durch. Wir werden nicht den Kopf in den Sand stecken und daran arbeiten, uns anders zu präsentieren." Er hätte sich, sagt Uzun, von Bursa gewünscht, erst einmal das Referendum abzuwarten. Jetzt gelte es, auf die Zeit zu setzen und lieber mal weniger zu sagen als zu viel." Landtagsvizepräsidentin Inge Aures war es, die am 28. Oktober 1998 als damalige Oberbürgermeisterin von Kulmbach gemeinsam mit dem damaligen Oberbürgermeister von Bursa, Erdem Saker, die Partnerschaftsurkunde zwischen den beiden Städten unterzeichnet hat.

Tiefer Riss in der Freundschaft?

Dass es jetzt einen so tiefen Riss in dieser Freundschaft geben soll, erschreckt Inge Aures: "Das ist wirklich bitter, dass sie die große Politik jetzt in die Kommunalpolitik runterholen. Was kann denn unsere Städtepartnerschaft dafür? Ich habe kein Verständnis für diesen Kleinkrieg", betonte Inge Aures und hofft, dass das türkische Referendum über eine neue Verfassung bald abgeschlossen wird, damit wieder Normalität einkehren kann. Aures hofft, dass unter all den Spannungen die örtlichen Beziehungen nicht leiden werden: "Wir hatten immer ein sehr gutes Verhältnis zu unserer Türkischen Gemeinde und ein sehr gutes Miteinander in Kulmbach."

Freundschaft stärker als Hindernisse

Gutes Miteinander, das pflegt Hartmut Schubert als Vorsitzender des Kulmbacher Unesco-Clubs ebenso wie er es als Berufsschullehrer gepflegt hat. Noch fünf Wochen sind es, dann feiert der Club sein 20-jähriges Bestehen. Natürlich sind auch Vertreter des Partner-Clubs aus Bursa eingeladen. Bisher hat niemand die Zusage, nach Kulmbach zu kommen, zurückgezogen. Für Hartmut Schubert ist das Grund zu hoffen: "Auch wenn das traurig und bedrückend ist: Unsere Freundschaft ist stärker als die Hindernisse, die uns in den Weg gelegt werden sollen."

Zwölf Praktikanten werden erwartet

Schubert berichtet, dass sich die Verhältnisse in der Türkei, die er schon lange kennt, verändern. Die Beziehungen sind offensichtlich schwieriger geworden. Dabei nennt Schubert den Praktikantenaustausch, der nun schon seit vielen Jahren stattfindet und der Anfang Juli wieder stattfinden soll. Zwölf Praktikanten, Lehrer, Kindergärtnerinnen und auch Vertreter des Unesco-Clubs aus Bursa werden erwartet. Dieses Jahr wollten die Gäste erstmals ausdrücklich nicht in deutschen Gastfamilien untergebracht werden, sondern verlangten ein Hotel. Für Hartmut Schubert ist das alles kein gutes Zeichen.

"Keine Demokratie in unserem Sinn"

Die Türkei habe sich als Staat verändert. "Das ist keine Demokratie mehr in unserem Sinn", fasst Hartmut Schubert seine Erkenntnisse ernüchtert zusammen. Recep Altepe, der OB von Bursa, habe in Aachen studiert und sei einmal durchaus recht westlich eingestellt gewesen. Jetzt sei das offenbar anders. Auch wenn man die negativen Zeichen nicht leugnen kann, will Schubert optimistisch bleiben: "Wir lassen uns von politischen Einflüssen die Stimmung nicht trüben und werden uns auf der gesellschaftlichen Schiene nicht beeinflussen lassen." Kann so viel gute Laune und freundschaftliche Verbundenheit mit einem Federstrich zerstört erden? Die Kulmbacher glauben es nicht. Das Bild entstand anbei im Jahr 2015 anlässlich eines Treffens zur Feier des 30 Jahre währenden Praktikantenaustauschs zwischen Kulmbach-Bursa.

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Kommentare

>>> Recep Altepe, der OB von Bursa, habe in Aachen studiert und sei EINMAL DURCHAUS recht westlich eingestellt gewesen. Jetzt sei das OFFENBAR anders ... ... ...
Kann so viel gute Laune und freundschaftliche Verbundenheit mit einem Federstrich zerstört werden? Die Kulmbacher GLAUBEN ES nicht <<<

(Oh Ihr Kulmbacher, träumt weiter ! )

Tja,
Kulmbach muss sich darauf einstellen,
dass das alles im Grunde nicht gewünscht war.
Man fühlt sich nun stark genug, das wahre Gesicht zu zeigen.

"Taqiyya" nennt man diese Technik ...


So ist es! Danke für diesen sehr guten Beitrag!
Ich denke man wird in Kulmbach ohne diese Partnerschaft genau so gut oder schlecht leben wie in der Vergangenheit mit der Partnerschaft

Und ein großer Anteil der Bevölkerung wird nichts gewusst haben davon .......
Ich dachte immer schlimmer wie die USA geht nicht, da hab ich mich wohl getäuscht!!!
Genau, alles ist ja so schlimm!
Schlimm!
Partnerschaft beenden, ganz einfach!
Das kleine Kulmbach hat noch andere Partnerstädte.
Da kann man auf diese (mit einer Millionenstadt!!???) sehr gut verzichten.
Genauso überflüssig wie Bayreuths Partnerschaft mit Tekirdag (aber da kommt ja der Tasdelen her - ja Wahnsinn!).
Wird eh' alles durch Erdogan erledigt...
Vielleicht gibt es auch eine Zeit nach Erdogan.
Die Türken trinken ja nur das alkoholfreie Bier!
Nägel mit Köpfen machen, Partnerschaft beenden! Aus die Maus, Endstation!
Wir haben das beim ersten Mal schon verstanden. Ich sag nur: Lichterkette! Ihre einfachen Lösungen und Parolen sind ja nicht schwer zu verstehen. Ob das aber die Lage verbessert (Stichwort: Endstation) wage ich zu bezweifeln, internationale Beziehungen sind doch etwas komplizierter zu handeln. (Aber wer hätte sich auch vorstellen können, dass das amerikanische Gesundheitssystem so eine komplizierte Angelegenheit ist - konnte ja keiner ahnen!)
Herr @Kiepfer,

ich schätze ihre Statements und ihr umfangreiches akademisches Wissen.

Es ist wahr, dass die Türkei ein vorwiegend mohammedanisches Land ist, trotzdem wäre es ist zielführend, zwischen säkularen Türken und Moslems zu unterscheiden.

Wir haben in unserem Bekanntenkreis viele türkische Freunde, die „gottseidank“ ausgewiesene Atheisten, oder, zumindest so wie ich, Agnostiker sind.

Ja selbst in Saudi Arabien, wo es 24 Stunden lang nur um Allah und seinen edlen Gesandten geht, gibt es Atheisten (die sich verständlicherweise nicht offenbaren können).

Dass diese „religionsabgewandten“ Menschen, wenn sie wollen, ein alkoholisches Bier ohne schlechtes Gewissen trinken, dürfte klar sein.

Unser Problem, wie es Helmut Schmidt immer wieder betonte, rührt daher,
weil wir uns breit schlagen ließen und Fremdarbeiter
aus Inneranatolien mit sukzessivem Familiennachzug hereinholten ...


Nachtrag:

Wobei, so wie es ursprünglich geplant war, nämlich eine Rotation der Türken von ein paar Jahren kein großes Thema gewesen wäre.
Es wäre auch gerechter gewesen, den vielen, vielen Bewerbern gegenüber, die kommen wollten, aber nicht durften.
Das tatsächliche Problem waren (damals wie heute) die unfähigen Politiker.
Sie ließen sich von den Chefs der Unternehmen beschwatzen.
Die Bosse scheuten die bei einer Rotation immer wieder notwendigen Ausbildungskosten ...
Schön herausgearbeitet haben Sie das.
Die, die einfach ihren Job machen, ihr Leben leben, sind für die Medien leider uninteressant, ob Türke, Deutscher oder sonstwer.
Der Ruf nach immer mehr, weil auf dem Arbeitsmarkt bei genügend Auswahl entsprechend billigen Arbeitskräften kennt wenige Gewinner. Noch dazu in einer Epoche der Rationalisierung und Automatisierung.
Es ist immer der gleiche Ablauf: die Wirtschaft jammert ob des Fachkräftemangels, um beim Überangebot von Arbeitskräften die Kosten zu vergesellschaften.

Nur, diesmal wird es kräftig schiefgehen. "Im besten Fall kann es auch eine Grundlage für das nächste deutsche Wirtschaftswunder werden“, orakelte Daimler-Chef Dieter Zetsche im September 2015 angesichts der stark anschwellenden illegalen Einwanderungsströme.
Es ist einfach inhuman, auch durch solche Sprüche erst die Menschen in ein Land zu locken und Ihnen anschließend weitgehendst die persönliche Perspektive zu verweigern bzw. nicht bieten zu können.
Denn die wenigsten bevorzugen ein Leben komplett innerhalb der Sozialsysteme. Zu dem, was man hart als "Sozialschmarotzer" bezeichnen könnte, werden sie erst erzogen und durch Perspektivlosigkeit gemacht.
Diesmal hat man mit der Einwanderung den finanziellen Bogen auf Generationen unfassbar überspannt. Das wird sich auf die Arbeitskosten auch der Firmen kräftig niederschlagen. Ausbaden werden es die, die immobil sind.

Ich bin gespannt, wann, abseits der Wirtschaftslobby, die ersten Studien auftauchen, die belegen, dass ein "Industrieland 4.0" auch mit 60-70 Millionen Einwohnern in Wohlstand für alle leben kann. Dazu müsste sich "die" Wirtschaft auch einmal mit sozialen Aspekten befassen dürfen, die nicht aus Luxusmurks, wie (wissenschaftlich nicht erklärbarem, aber medial unisono behauptetem) "Gender Pay Gap" und irren Frauenquoten bestehen.
Partnerschaft beendet - Scheidungstermin einreichen! Das ist das Gebot der Stunde und keine Durchhalteparolen.
Man kann sich ja eine neue Partnerschaft suchen, in Ungarn oder Polen.