Trockauer Wehr will Gaffern Paroli bieten

Mit mobilen Sichtschutzwänden, die in kürzester Zeit aufgestellt werden können, will die Feuerwehr Gaffern künftig die Sicht nehmen. Am Montagabend ließ sie sich ein Modell vorführen, das andere Wehren bereits ihr eigen nennen. Fazit: Das sollte sich die Stadt Pegnitz leisten.

Angetan zeigte sich auch Herbert Maier, im Rathaus für das Feuerwehrwesen zuständig: „Das überzeugt schon“, so Maier auf Kurier-Anfrage. Auch Kommandant Florian Schedler, der das Ganze ins Rollen gebracht hat, war zufrieden: „Damit kann man etwas anfangen.“ Ähnlich die Sichtweise des zweiten Bürgermeisters Wolfgang Nierhoff (Pegnitzer Gemeinschaft), der mit FWG-Fraktionssprecher Thomas Schmidt den Feuerwehrbeirat des Stadtrats vertrat: „Die Anschaffung solcher Schutzwände macht durchaus Sinn, letztlich muss das aber natürlich das gesamte Gremium entscheiden.“

Es geht um das Persönlichkeitsrecht

Schmidt als stellvertretender Leiter der Einsatzzentrale im Polizeipräsidium in Bayreuth weiß aus eigener Erfahrung, was Sache ist: „Es geht darum, die Persönlichkeitsrechte von Unfallopfern zu wahren.“ Das binde bei einem Einsatz Kräfte. Etwa, wenn sie über einen längeren Zeitraum Decken oder Planen halten müssen, um einen Sichtschutz zu ermöglichen.

Zwei Mann schaffen das in 45 Sekunden

Der Kauf solcher Schutzwände wäre daher „richtig sinnvoll, wenn sie bezahlbar sind“. Sind sie, sagt Manfred Uhlig von der gleichnamigen Firma aus Erlangen, die diese Wände vertreibt. In enger Abstimmung mit dem in Norddeutschland ansässigen Hersteller, wie er betont. 7,20 Meter lang und 1,80 Meter hoch ist jedes Teil. Laut Produzent kann eine Person so eine Wand innerhalb von 30 Sekunden aufstellen, „ich halte 45 Sekunden bei zwei Mann für realistischer“, so Uhlig. Das sei ja immer noch „sehr schnell“.

Der berühmte Vorführeffekt

Bei der Präsentation am Trockauer Gerätehaus ging das dann auch recht flott vonstatten, auch wenn der berüchtigte Vorführeffekt dazwischen funkte: der Versuch, das Stangensystem – ähnlich einem Campingzelt – in jedem Abschnitt der Sichtschutzwand mit dem Fuß nach unten zu drücken, gelang nur bedingt.

Es gibt Zubehör

Dennoch: Die Aktiven der Wehr waren durchaus beeindruckt. Und stellten die Frage, wie standfest so eine Wand denn sei, wenn zum Beispiel ein Laster mit 70 Sachen an der Unfallstelle vorbeirauscht und dabei jede Menge Luftzug erzeugt. Dafür gibt es Zubehör, so Uhlig. Etwa Zugseile und extrem starke Magneten, um die Wand an der Leitplanke oder einem Einsatzfahrzeug zu befestigen. Oder auch Heringe aus Titan, die man wie bei einem Zelt in den Boden schlägt und den Magneten dort zuschnappen lässt. Oder auch Metallständer, an denen man die Wand links und rechts festzurrt.

Aber dann wird's teuer

Dann allerdings wird es teuer. Kostet eine nackte Wand offiziell knapp 400 Euro – „wir bieten sie für 375 an“ –, werden inklusive Zubehör schon rund 1000 Euro fällig. „Brauchen wir nicht“, waren sich die Trockauer Aktiven einig. Verfügen sie doch über stativartige Teleskopständer, an den sich eine Sichtschutzwand genau so befestigen lässt. „Und da können wir oben sogar noch Lampen für das Ausleuchten der Unfallstelle anbringen“, so Kommandant Schedler.

Viele Wehren haben schon bestellt

Hermann Maier will eine Anschaffung befürworten, „wobei ich dem Stadtrat ja nicht vorgreifen kann und will“. Eine für die Wehr in Trockau, eine für die in Pegnitz – hier war kein Vertreter der Einladung gefolgt –, das müsste für den Anfang reichen, auch in diesem Punkt herrschte Einigkeit. Andere Feuerwehren haben solche Wände längst, sagt Manfred Uhlig. Erst kürzlich haben gleich sieben über einen kommunalen Verbund verknüpfte Gemeinden von Gößweinstein über Gräfenberg und Igensdorf bis nach Eckental und Eschenau bestellt. Und: „Die Wände sind sehr widerstandsfähig, sind aus einem Material, das noch besser ist als Lkw-Planen.“

Ausstattung nicht mehr zeitgemäß, sagt der Kommandant

Kommandant Schedler hofft jetzt auf zügig gefasste Beschlüsse. Und darauf, dass der Trockauer Wehr noch in anderer Hinsicht unter die Arme gegriffen wird: Hat doch das Einsatzfahrzeug LF 8 inzwischen mehr als 25 Jahre auf dem Buckel. Die Karosserie hat durch die winterlichen Salzmengen auf der Autobahn gelitten – „und die Ausstattung ist einfach nicht mehr zeitgemäß angesichts wachsender Aufgaben“.

Der VW Bus ist auch nicht mehr der jüngste

Ach ja, auch das Mehrzweckfahrzeug für die Einsatzleitung, ein VW Bus aus dem Jahr 1993, ist nicht mehr gerade gut in Schuss. Auch da sieht der Kommandant Handlungsbedarf.

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Kommentare

Super Sache, solch eine Sichtschutzplane! Macht definitiv Sinn!
Kann es sein, dass man mit diesen "Lösungen" versucht etwas von eigentlichen Haupt-Problemen ablenkt ?
z.Bps. Zuviel Güter auf der Straße, zu polizeiliche Kontrolle des LKW-Verkehrs ?
Oder kann es sein, dass einfach versucht wird, in Ruhe seine Arbeit machen zu können? Welches Interesse sollte die Feuerwehr haben, von dem von Ihnen genannten Hauptproblem ablenken zu wollen?
Natürlich machen Sichtschutzplanen Sinn. Aber was wird denn noch getan, um solche Unfälle möglichst zu vermeiden? Wäre das nicht die wichtigste Konsequenz nach schweren Unfällen? Z.B. mehr Brandschutz, eine andere Verkehrspolitik, um den Gütertransport auf der Straße nicht noch mehr zu fördern, eine bessere Ausbildung zum Fahren von Spezialfahrzeugen und Motorrädern....Warum sollten sich nicht auch Rettungskräfte daran beteiligen?