Trassenwiderstand: Pegnitz "arbeitet" mit 40-Meter-Kran

In Pegnitz hatte die Bürgerinitiative (BI) „Pegnitz unter Strom“ einen echt hohen Kran anfahren lassen. Was Höheres war nicht zu bekommen in der Region. 40 Meter in die Lüfte, mehr gibt der Kran nicht her. Sinn der Ganzen: Zeigen, dass ein Trassenmast der Zukunft doppelt so hoch wäre. Ganz zu schweigen von seinen 45 Metern breiten Auslegern. Ganz da oben. Das beeindruckte. Hunderte. Wohl so um die 500 Besucher kamen, sagte BI-Sprecher Prof. Markus Bieswanger gegen Ende der Veranstaltung, gegen 18 Uhr. Damit könne man angesichts der höchst nassen Witterung mehr als zufrieden sein. Und dankte zum wiederholten Mal an diesem Nachmittag den BI-Helfern, die da den ganzen Tag zu Werke gingen. „Irgendjemand muss ja die Arbeit machen“, sagte dazu im Gespräch mit unserer Zeitung Thomas Engelhart, Vorsitzender der Dorfgemeinschaft Buchau. Und zuckte ob des Lobs von der „Spitze“ ebenso mit den Schultern wie Gerhard Bauer, Chef der Sängervereinigung: „Ich habe mich nur um die Plakate gekümmert.“ Bescheidenheit ist Trumpf bei den rund 30 Trassengegnern, die im Vorfeld der Aktion wie beim Geschehen selbst kräftig Hand angelegt haben.

Bei den Grußworten dann diverse Textbausteine, die in den letzten Wochen immer wieder zu hören waren. Bürgermeister Uwe Raab sprach mit Blick vom Zeichen des Zusammenhalts, der Kreativität, der Vernetzung und der Kraft „gegen den Trassenwahnsinn“. Pegnitz stehe dabei im Zentrum des Widerstands. Landrat Hermann Hübner wiederholte, was er bereits tags zuvor beim Anti-Trassen-Fest in Neuhof bei Creußen betont hatte: Der Kreis habe seine Hausaufgaben beim Thema Energiewende gemacht. Etwa durch die Einrichtung diverser Hackschnitzelanlagen – „und die sind erfolgreich“ – von der Autobahnrastanlage bei Pegnitz bis zur Therme Obernsees.

Wesentlich skeptischer äußerte sich am Rande Reinhard Bauernfeind, Aktivist bei den BI’s in Plech-Riegelstein und Pegnitz. Er war am Samstag bei einer Informationsveranstaltung der Bundesnetzagentur in Bonn zu den geplanten Trassen in ganz Deutschland vertreten. Dort hieß es laut Bauernfeind, dass sämtliche Kabel unter der Erde verlegt werden sollen. Das würde allerdings 22 Milliarden Euro mehr kosten als bisher geplant. Kosten, die umgelegt werden müssten: „Das wäre der GAU für das Erneuerbare-Energien-Gesetz“, ist Bauernfeind überzeugt. Wie auch davon, dass es dabei nicht mehr um einen „sozialverträglichen“ Netzausbau geht, sondern um die Umsetzung längst beschlossener Pläne mit europäischer Reichweite. Und damit um eine Trasse, „die keiner braucht und die nach wie vor vor allem Braunkohlestrom transportieren soll“, wie BI-Sprecher Bieswanger unter dem Beifall der Trassengegner betonte.

5 (1 vote)

Anzeige

Kommentare

Warum sieht man es nicht ein, dass diese Demonstrationen nach dem St.Florians-Prinzip nichts und niemandem helfen?

Wäre man ehrlich und mannhaft, würde man endlich aussprechen, was eh jeder weiß.
Dass nur ein sofortiger Stopp dieses Energiewendemurkses, also ein Ausstieg aus dem Ausstieg, eine Verlängerung der Laufzeiten der Kernkraftwerke und ein Ausstieg aus den regenerativen Energien neue Stromtrassen, die allenthalben die Landschaft verzieren werden, verhindern können.
Und die Autos werden wieder durch Pferdekutschen ersetzt.
Nur weil die Energiewende "vermurkst" angegangen wurde und wird, so ist der Ausstieg aus der diabolischen Kernkraft doch richtig. Energie dort erzeugen, wo sie gebraucht wird ohne nachfolgende Generationen mit strahlenden Müll zu belasten. Das muss das Ziel sein und nicht immer wieder die rückwärts gewandte Verherrlichung der Atomkraft. Das wäre ehrlich und mannhaft!
Die "diabolische" Kernkraft...

Danke! Ich kugel mich vor Lachen. ;) :)
You made my day!
Ja, insofern können konträre Meinungen auch ein lächeln zaubern :)
Das ist doch mal was Schönes.
Empfanden Sie eigentlich jede Neuerung in der Geschichte als Fortschritt? So kommt's mir vor, ich meine aber, das ist sehr leichtgläubig, weil Sie zum x-Ten Mal die Pferdekutschen zitieren. Irgendwann einmal haben auch automatische Feuerstoßgewehre die Lanzen ersetzt, das Giftgas wurde erfunden usw. Würde ich nicht unbedingt gutheißen wollen...
Nunja, natürlich können wir den Zombie Atomkraft noch ein paarmal aus dem Keller holen, aber es wird halt nicht besser. Alternde und immer gefährlicher und teuer werdende Technik und die ungelöste Frage nach dem Müll, die teure Entsorgung der alten Meiler, alles in der Hoffnung es möge wohl nichts Schlimmeres passieren. Das ist nicht zukunftsträchtig. Nicht zuletzt weil der wirtschaftliche Erfolg in der Region immer einher ging mit dem Ausbau von Stromleitungen. Wer sich gegen die Trasse stemmt, stemmt sich auch gegen Arbeitsplätze in der Region!
Stimmt. Bekanntlich hockt alle fünf Meter oben einer auf der Trasse und kontrolliert, ob der Strom noch fließt. Auf jedem Mast sitzt zusätzlich ein Mastwärter. Wenn man in Oberfranken die Stromtrasse mäandrierend bauen würde, könnte man die Anzahl der dadurch entstehenden Arbeitsplätze hier glatt verdoppeln.
Hammer heut früh an Clown gegessen? Nein, aber in der Tat müssen die Masten erst einmal errichtet werden, und die Leitungen gezogen und auch dauerhaft gewartet. Also sowohl im technischen und vor allem im Verwaltungsbereich der Netzbetreiber wird mehr Personal benötigt. Ein Netzbetreiber sitzt in Bayreuth und hat erst wieder Arbeitsplätze gen Regensburg verlagert. Warum nur?
Weil man im Stadtgebiet Regensburg 355 Kilometer Hochspannungsleitung gebaut hat. Ah jetzt versteh ich es, egal wie's aussieht, egal wie sehr die Masten die Landschaft verschandeln, Hauptsache drei Arbeitsplätze gewonnen.
Würde man jetzt alle Grünflächen in ganz Oberfranken zubetonieren, dann würden nochmal zigtausende Arbeitsplätze entstehen, vom Wirtschaftswachstum ganz zu schweigen. Gute Idee eigentlich...
Welch eine Schande für die schöne Landschaft. Autobahn - egal, leerstehende Supermärkte auf der grünen Wiese - egal, ICE-Trasse - egal, 110kV-Masten - egal, 220kV-Masten - egal, aber JETZT sollen Masten auf einmal die Landschaft verschandeln. Wer unberühret Natur will sollte vielleicht in die Steppe Russlands ziehen - Vorsicht Gasleitung!
Richtig, is doch alles egal, solange gebaut wird und Billigarbeitskolonnen ein künstliches Wirtschaftswachstum generieren. Was braucht man auch eine intakte Natur, Landschaftsräume und Umweltschutz?
Inhaltlich ist mir der Artikel egal.
Aber sprachlich und grammatikalisch muss ich mich fragen, was der Redakteur im Fach Deutsch in der Schule gelernt hat.
Es gibt eine gesprochene und eine geschriebene Sprache.
Früher galt der Journalismus für mich auch immer noch als Trutzburg gegen modische Sprachpanschereien.
Aber dieser Artikel wollte wohl eher eine Radiomoderation werden.
Schlimm, ganz schlimm.

Weil ein wenig soll er schon ...
einen echt hohen Kran anfahren ...
Sinn der Ganzen: Zeigen, dass ein Trassenmast
Wohl so um die 500 Besucher kamen ...

Es gibt Leser, die bezahlen für die Zeitung Geld. Ich kann mir vorstellen, daß die einen gewissen Gegenwert erwarten.
Den Kran braucht auch keiner, reine Energieverschwendung und bei der SPD-Veranstaltung in Kamerun standen auch nur ein paar Leute rum. Auch da Sommerloch, gähnende Leere. Langweilig.

Wenn die sich mehr mit Energiesparen als mit Verschwenden beschäftigen würden, bräuchten wir auch keine Trasse, aber das kapieren die nie.
Energiesparen ist politisch auch nicht gewollt. Je mehr verbraucht wird, umso mehr klingelts in der Kasse - auch beim Staat, der dann wieder neue soziale Wohltaten verteilen kann.
Kuriose Thesen.
Ja, aber leider stimmt das, was Samuel schreibt.
Bravo, man klatscht sich am Stammtisch mal wieder gegenseitig auf die Schulter, wenn einer einen dumben Satz loslässt.
Inhalt ist ja auch overrated.
oder auch Konzerne subventionieren - siehe Ausnahmen beim EEG. Fakt ist, dass der Strompreis künstlich an der Strombörse kreiert wird und nicht das Produkt einer soliden Kalkulation ist. Zahlen muss der kleine Verbraucher. Energie sparen ist eigentlich gut, allerdings spart der kleine Stromkunde monetär gar nichts, weil für weniger Strom das gleiche Geld gezahlt werden muss, wie vor dem sparen, also weniger für das gleiche Geld.
Danke für nichts.