Tradition im Kulmbacher Land

So war das offenbar auch vergangene Nacht in Untersteinach bei Kulmbach. Steffi Kleinow traute ihren Augen nicht, als sie am Morgen an der Zufahrt zu ihrem Anwesen in der Robert-Bosch-Straße ein Kalkherz auf der Straße entdeckte. Darin stand ihr Name. „Von einem Verehrer“, sagte die 30-Jähriger im Gespräch mit Reporter24. Sie glaubt zu wissen, von wem das kommt und findet es süß, wie sie sagt. „Ich war sehr gerührt und hab mich gefreut wie ein kleines Kind“.

Herzen oder auch das Ziehen einer ganzen Kalkspur, auch Maistrich genannt, ist in weiten Teilen Deutschlands und Österreichs eine alte Tradition, um zwei Liebende oder sich noch nicht liebende Personen zueinander zu führen oder um der Öffentlichkeit einen Wink auf das geheime Liebesleben der Beteiligten zu geben. Der Maistrich gehört zum Brauchtum im Mai, wohingegen die Kalkspur das ganze Jahr über gezogen werden kann. Gerade zu Pfingsten werden aber auch Herzen aufgemalt.

Wurde früher oft gehäckseltes Stroh oder Sägemehl zum Ziehen der Spur verwendet, so hat sich in der neueren Zeit Kalk zum Mittel der Wahl entwickelt. An den jeweiligen Enden der Kalkspur wird mit der Gießkanne ein Herz mit den Initialen der Beiden gezeichnet. In manchen Dörfern ist es Brauch, dass die Kalkspur über den Marktplatz oder einen anderen zentralen Punkt der Ortschaft führt. 

Ein alter Pfingstbrauch

Ein weiterer Brauch zu Pfingsten in Deutschland, ist das sogenannte „Birkenstecken“. In der Pfingstnacht machen sich Junggesellen auf, um ihrer Liebsten eine Birke an die Hauswand zu stellen. Dies symbolisiert seine Zuneigung zu ihr. Zudem ist es in einigen Landstrichen üblich, die bereits genannte Kalkspur von der gesteckten Birke bis zum Haus des Junggesellen zu streuen, um die Herkunft der Birke aufzuklären. Oftmals werden dabei auch Pfingstrosen verteilt. Denn wie die klassische Rose ist auch die Pfingstrose ein Symbol für die Liebe. Weil sie aber keine Dornen besitzt, steht sie auch für Heil und Geborgenheit.

Auch der Bürgermeister von Stadtsteinach hatte am Morgen über das Birkenstecken berichtet. Seine Tochter hat offenbar auch einen Verehrer. Böse Zungen behaupten übrigens, dass so manche Eltern schon alte Besen vor die Haustür gestellt bekommen haben. Im Fall des „Stanicher“ Bürgermeisters scheint aber alles glatt gelaufen zu sein.

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