Tourismus: Billig läuft nimmer

Es gibt viel, und das überall in Oberfranken. Wer daran irgendeinen Zweifel gehegt hätte, wurde durch den Vortrag des Coburgers Andreas Engel eines besseren belehrt. Engel, Mitglied im Vorstand des Bezirks im Verband der bayerischen Wirtschaft, nahm die Gäste im „Liebesbier“ in Bayreuth auf eine Oberfrankentour mit, die in ihrem wilden Zickzack Ähnlichkeiten mit Fredl Fesls „Taxi-Lied“ aufwies: Nach dem Skifahren im Fichtelgebirge ins Markgräfliche Opernhaus, dann zu den Hofer Symphonikern und zum Samba-Fest in Coburg, den Korbflechtern in Lichtenfels und zum Klettern in die fränkische Schweiz. Eine jahreszeitlich wild durchmischte Tour de Force als Beleg für Engels Kernaussage: „Oberfranken ist nicht nur geographisch oben in Bayern, sondern auch touristisch vorn dabei. In Oberfranken lebt und arbeitet man gern.“

Übernachtungen: Fünf-Millionen-Grenze überschritten

Die Tourismusindustrie ist ein bedeutender Faktor in Bayerns Wirtschaft. 560.000 Menschen sind im Freistaat in der Branche beschäftigt. Die Zahl der Übernachtungen in Deutschlands begehrtestem Bundesland stieg um 3,7 Prozent auf 94,4 Millionen. Die Zahl der Gäste stieg um fünf Prozent auf 37,3 Millionen. Insgesamt klingelt fast jeder fünfte Euro, der in Deutschland in der Tourismusindustrie erwirtschaftet wird, in einer bayerischen Kasse. Auch Oberfranken bekommt was ab vom Reiseboom, die Zahl der Übernachtungen hat die Fünf-Millionen-Grenze überschritten.

Das ist gut, geht aber – gerade mit Blick auf die klassische Tourismusregion Oberbayern – noch besser. Engel sagte weiter: „Wir sind zwar schon auf dem richtigen Weg, aber wir schöpfen das Potenzial des Tourismus in Oberfranken noch nicht richtig aus. Da geht noch viel mehr.“ Als Hindernisse nannte er Überregulierung und ein unflexibles Arbeitszeitgesetz, nötig seien Investitionen in die digitale Infrastruktur und leichterer Zugang zum Kapital.

"Potenzial noch nicht richtig ausgeschöpft"

„Wir sind zwar schon auf dem richtigen Weg, aber wir schöpfen das Potenzial des Tourismus in Oberfranken noch nicht richtig aus“, sagte auch Andrea Luger, die Vorsitzende des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands, Bezirk Oberfranken. In der Tat: Oberfranken erreicht 38 Prozent Bettenauslastung, im Schnitt bleiben die Gäste zweieinhalb Tage, was Luger für ausbaufähig hält. Worin ihr Manuel Becher von der Bayreuth Marketing- und Tourismus-Gesellschaft in der abeschließenden Diskussion allerdings widersprach. „Die Leute fahren immer kürzer in den Urlaub“, sagte Becher, diesen Trend werde man nicht umkehren können. Manuel Becher äußerte die Hoffnung, dass die Wiedereröffnung des Markgräflichen Opernhauses Touristen in Scharen anlocke. Er sprach von einer stärkeren Vernetzung der Weltkulturerbestätten Würzburg, Bamberg und Bayreuth mit Regensburg. „Da laufen natürlich Gespräche.“ Letztendlich müsse sich aber „jeder an die eigene Nase fassen“.

Eine Gefahr benannte Luger - das Wirtshaussterben. 500 Gemeinden in Bayern besäßen kein eigenes Wirtshaus mehr, „es fehlt die wirtschaftliche Grundlage für den Tourismus.“ Fachkräftemangel nannte sie als weiteres Problem. Was Luger auf das „lebensfeindliche Arbeitszeitgesetz“ und die Medien mit ihrer angeblich pauschal negativen Berichterstattung über ihre Branche zurückführte. Dass beispielsweise angehende Hotelfachleute ihre Ausbildung in Umfragen miserabel bewerten, verschwieg Luger. Ein Ausweg aus der Krise könne „Effizienzgewinnung“ sein. Darunter zu verstehen sind offenbar Tante-Emma-Läden im Wirtshaus oder Dienstleistungen wie Paketannahme.

Landrat: Müssen weg vom Billig-Image

Landrat Hermann Hübner stellte fest, das der Stellenwert des Tourismus maßlos unterschätzt werde und sagte: „Wir kämpfen nicht gegen Windmühlenflügel.“ Staunen erregend war die Zahl, die Hübner für Fichtelgebirge und Bayreuth nannte: Dort würden dank des Fremdenverkehrs 750 Millionen Euro umgesetzt. Was Hübner zuwieder ist, hörte man auch deutlich: „Das tolle Preis-Leistungsverhältnis - ich kann es nicht mehr hören.“ Oberfranken habe ein Billigregion-Image, doch „Billigpreise sind von gestern“. Das Ziel müsse ein Ganzjahres-Tourismus sein. In der Fränkischen Schweiz etwa sei zwischen Oktober und März eher wenig los, „dann kommen die Osterbrunnen, und dann läuft’s“.

Ob die Wirtschaftsvertreter in den zwei Stunden die Probleme und Potenziale der Oberfränkischen Wirtschaft durchdrungen haben? Es durften zum Ende hin Fragen aus dem Publikum gestellt werden. Ein Zuhörer nannte die Zahl von zehn Thermen in der Umgebung, die weltweit vielleicht höchste Thermendichte - „ein Hammerargument“. Für den Tourismus, meinte er vermutlich. Dabei belegt es vor allem die Feststellung, dass Oberfrankens Tourismusziele nach wie vor zur Kirchturmpolitik neigen und Thermen auch dort bauen, wo nicht unbedingt großer Bedarf ist.

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Kommentare

Landrat Hübner: „Das tolle Preis-Leistungsverhältnis - ich kann es nicht mehr hören.“ Oberfranken habe ein Billigregion-Image, doch „Billigpreise sind von gestern“.
Wir Oberfranken sollten doch froh sein, wenn wir als preisgünstige Region auch eine Marktlücke besetzen. Wir werden immer daran gemessen, was in Oberbayern, im Bayrischen Wald oder im Thüringer Wald angeboten wird. Am Ochsenkopf werden schon viele Aktivitäten angeboten, im Sommer und im Winter. Es kommen immer mehr Skifahrer aus Tschechien und Norddeutschland zum Ochsenkopf. Wir müssen nur die Voraussetzungen für geringere Wartezeiten schaffen, z.B. durch Schlepplifte im Verbund mit den beiden Seilbahnen.
Naja, Oberfranken hat im Vergleich zu anderen Regionen in Deutschland nach der Wiedervereinigung und dem Wegfall der Urlauber aus Berlin die Investition und die Förderung des Tourismus ganz einfach verschlafen, um sich da auch entsprechende Nischen zu eröffnen! Das beste Beispiel ist der Bayerischer Wald, der durchaus mit Oberfranken etwas vergleichbar ist, hat es vorgemacht wie es gehen kann! Es fehlt natürlich auch ganz einfach auch am Mut von potenziellen Investoren! Schauen wir doch mal in die Fränkische Schweiz oder vor allem ins Fichtelgebirge/Ochsenkopfregion! Wieviele einladende Übernachtungsquartiere oder Hotels gibt es dort überhaupt noch! Das meiste vorhandene entspricht leider nicht mehr den Ansprüchen der heutigen Urlauber! Zudem haben sich eben schon längst andere Regionen einen Namen gemacht, vor allem auch mit sehr guten Marketingkonzepten und Hochglanzbroschüren. Wer nicht wirbt der stirbt, so sagt man es doch oder? Dazu muss man natürlich auch oft ein Risiko eingehen. Ja Urwart Sie haben vollkommen recht, mit einer völlig maroden Sesselbahn am Ochsenkopf und einer Abfahrt die zudem auch noch zu schmal ist, um eine höhere Kapazität zuzulassen wird man keine Winterrlauber locken können! Und wie schnell hat man noch dazu seinen guten Ruf weg, wenn die Bahn ständig defekt ist! Ich habe es leider am letzten Samstag live selbst erlebt, wo frustrierte Skifahrer aus Unterfranken und auch aus Tschechien, dann mit mir zusammen nach Mehlmeisel gewechselt sind und von dem breiten Skihang und der schnellen Bergbeförderung am Klausenhang noch dazu bei Traumwetter einen traumhaften Skitag erlebt haben! Wo man positive Erlebnisse hat, fährt man dann auch gern wieder hin! Auch ist mir wieder einmal aufgefallen, vor allem in Fichtelberg und die Zufahrt zu den Klausenliften in Mehlmeisel, welch misseralble Zustände die Straßen dort haben, die eher an DDR-Zeiten erinnern mit völlig heruntergekommen Häusern, das ist eher ein abschreckendes Beispiel für eine Urlaubsregion!
Die Gondelbahnen stammen ja noch aus der Zeit des Landrats Dietel. Der hatte damals ein gutes Konzept und dazu gehörte auch die Fichtelgebirgsbahn bis nach Warmensteinach. Ich habe den Eindruck, dass seither keine größeren Projekte angegangen wurden. Heute wollen Gäste im Winter so etwas wie eine Skischaukel. Eigentlich ist diese nur am Ochsenkopf realisierbar, wenn überhaupt. Das mit den Ansprüchen der Gäste sehe ich etwas anders. Mit Kitzbühl kann man sowieso nicht mithalten. Aber Familien und sparsame Leute können sich hier auch sehr wohl fühlen. Mit dem Mut zu privaten Investitionen ist es auch so eine Sache, das muss Hand in Hand gehen mit den staatlichen Investitionen. Negatives Beispiel: Panorama Hotel in Warmensteinach.
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