Todesfahrer wird angeklagt

Dies teilte auf Nachfrage der Bayreuther Leitende Oberstaatsanwalt Herbert Potzel mit. Bevor die Staatsanwaltschaft ihre Klage aufsetzen konnte, musste ein Verkehrsgutachter aufwändig den Unfallhergang rekonstruieren. Das Ergebnis seiner Arbeit bestätigte letztlich die ersten Vermutungen direkt nach dem schrecklichen Unfall: Der Fahrer des Unglücksautos, ein 28 Jahre alter Bayreuther, war viel zu schnell und verstieß gleich gegen mehrere Verkehrsregeln.

Zwei Tote, drei Verletzte

Dienstag, 30. August, 18.30 Uhr. Ein roter Opel Astra ist auf der B 303 in Richtung Osten unterwegs. An Bord: der 28-jährige Fahrer und drei junge Frauen. Am Ende einer zweispurigen Überholgelegenheit kommt der Astra ins Schleudern und stößt auf der Gegenspur mit einem silbernen Minivan mit Kulmbacher Kennzeichen zusammen. Die Wucht des Zusammenstoßes wird deutlich an der Tatsache, dass beide Fahrzeuge danach in entgegengesetzter Richtung zum Stehen kommen, der rote Astra hängt halb auf der Leitplanke. Eine 20-jährige Mitfahrerin in dem Astra stirbt bei dem Unfall, eine 17-Jährige ist so schwer verletzt, dass sie später im Krankenhaus stirbt. Die dritte Mitfahrerin überlebt, aber sie verliert einen Unterschenkel. Der Fahrer des Opel Meriva aus dem Kulmbacher Raum, ein 82-Jähriger, erleidet schwere Verletzungen im Brust- und Bauchbereich. Auch der mutmaßliche Verursacher, der Fahrer des Astra, wird schwer verletzt. Bis heute stehen an der Unfallstelle hinter der wiederhergestellten Leitplanke zwei Holzkreuze in Erinnerung an die zwei Opfer.

Alkohol spielte keine Rolle

Eines war schnell nach dem Unfall klar: Alkohol hatte keine Rolle gespielt. Die Staatsanwaltschaft beschlagnahmte die beiden Unfallwagen, ließ die Opfer obduzieren und beauftragte einen Verkehrssachverständigen. Der kam in seinem Gutachten zu dem Ergebnis, dass der Fahrer des Astra am Ende der Überholstrecke bei wieder bestehendem Überholverbot und erlaubtem Tempo 60 mit mindestens 100 Stundenkilometern unterwegs war, dass er sowohl die Sperrfläche als auch eine durchgezogene Linie überfahren hatte und dabei ins Schleudern gekommen war. Als der Zusammenstoß geschah, traf der Astra mit seinem rechten Heck den Kulmbacher Meriva. Diese deutliche und mehrfache Übertretung von Verkehrsregeln stellt für die Staatsanwaltschaft eine "vorsätzliche" (im Gegensatz zur fahrlässigen) Straßenverkehrsgefährdung dar.

Überholen auf den letzten Drücker

In den Fokus kam auch die Unfallstelle selbst. Die Überholstrecke endet kurz vor einer Kreuzung im Bischofsgrüner Ortsteil Glasermühle, die Straße macht eine leichte Links-Rechts-Kurve, die Geschwindigkeit ist auf 60 Stundenkilometer reduziert. Obwohl seit knapp zehn Jahren gut vier Kilometer weiter die nächste Überholmöglichkeit besteht, werden bis heute an dieser Stelle häufig Lastwagen auf den letzten Drücker überholt, die gesperrte (schraffierte) Fläche, an der die beiden Spuren zusammengeführt werden und das Tempolimit interessieren viele Fahrer in ihrem Drang zu überholen wenig. Trotzdem war das Ende der Überholstrecke nach den Aufzeichnungen der Polizei bisher nicht als Unfallschwerpunkt bekannt. Für Unfälle berüchtigt sind eher die beiden folgenden Kreuzungen. Und eine andere Überholstrecke auf der B 303 weiter westlich im Maintal.

Unabhängig von dem schweren Unfall plant das Staatliche Bauamt an der Unfallstelle in Zukunft eine Änderung. Weiter westlich, zwischen Bischofsgrün und dem "Scharfen Eck", ist eine weitere zusätzliche Überholspur geplant, und zwar in östlicher Richtung. Ist diese verwirklicht, soll die Überholmöglichkeit an dem bestehenden dreispurigen Straßenstück gedreht werden in westliche Richtung.

Hässliches Nachspiel

Der schreckliche Unfall hatte ein hässliches Nachspiel in den sozialen Medien, bei dem die Schuld an dem Drama an der falschen Stelle abgeladen wurde. Auf Facebook wurden schwere Vorwürfe gegen die Polizei ("verfickte Polizisten") und angeblich auch gegen Rettungskräfte erhoben, dann aber schnell wieder gelöscht. Angeblich soll es auch zu Drohungen gegen den Unfallfahrer gekommen sein. Ein juristisches Nachspiel hatte das offenbar nicht. Weder bei der Polizei noch bei der Staatsanwaltschaft ist etwas von entsprechenden Ermittlungen bekannt.

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