Tirschenreuth plant zweite Gartenschau

Eigentlich hat alles in Bad Griesbach begonnen. Heuer, im März: Als der Tirschenreuther Bürgermeister Franz Stahl dort nach einer Hüftoperation auf Reha war, lief in den Medien die Nachricht, dass die oberbayerische Stadt Traunstein nach einem Bürgerentscheid den Zuschlag für die im Jahr 2022 geplante Gartenschau wieder zurückgeben muss. Stahl – nach der kleinen Landesgartenschau im Jahr 2013 in Tirschenreuth ein bekennender Fan dieser Veranstaltungen – ließ das Thema nicht mehr los. Stahl: „Da hast du Zeit, da machst du dir so deine Gedanken.“ Stahl hatte seinen Laptop dabei, sah sich die alten Pläne und Bewerbungsunterlagen für die 2013er-Gartenschau durch, begann zu arbeiten und zu tüfteln.

Nägel mit Köpfen

Der Bürgermeister witterte eine Chance. Für ihn war schnell klar, dass die Oberpfälzer Kreisstadt drei Jahre nach ihrer ersten Gartenschau gleich nochmals nach einer Gartenschau greifen muss. Er war damit übrigens schneller als die Gesellschaft zur Förderung der bayerischen Landesgartenschauen, die erst im Juni 2016 das vakante Jahr 2022 neu ausschrieb. Und jetzt macht Tirschenreuth Nägel mit Köpfen: Nach monatelanger Arbeit im Verborgenen hat am Dienstagabend der Stadtrat in einer nicht öffentlichen Sitzung entschieden, dass sich die Stadt um die Veranstaltung im Jahr 2022 bewirbt.

Bei der Neuausschreibung, die bis 15. Januar läuft, ist es den Interessenten freigestellt, ob sie sich für eine sogenannte große Landesgartenschau, wie sie in Bayreuth stattfand, oder für eine kleine Regionalgartenschau unter dem Motto „Natur in der Stadt“ bewerben. Tirschenreuth wählt die kleinere Variante. Die Chancen, dass die Stadt zum Zug kommt, sind gar nicht schlecht, dem Vernehmen nach ist die Zahl potenzieller Konkurrenten überschaubar; zwei Städte sollen Interesse haben. Eine davon ist Neumarkt in der Oberpfalz. Doch nach fehlenden Beschlüssen im Stadtrat hält Bürgermeister Thomas Thumann eine Bewerbung nicht mehr für realisierbar.

Eine Stadt im Wasser

Gerade fünf Jahre liegen zwischen Vergabe und Eröffnung der Schau. „Das wird schon sportlich“, sagt Stahl. Doch seine Stadt muss mit den Planungen nicht bei Null beginnen: Als die Planer für die Gartenschau im Jahr 2013 Konzept und Bewerbung erarbeiteten, hatten sie schon jene Bereiche im Blick, in denen nun die zweite Tirschenreuther Gartenschau stattfinden könnte. Die Stadt will die Gartenschau 2022 wie einen Gürtel um den Marktplatz und den Kern der Altstadt legen; mit dem bestehenden Gartenschaugelände würde sich so ein grüner Ring ergeben. Das Flüsslein Waldnaab soll hier ebenso integriert werden wie zwei bestehende kleine Seen und die Parkanlage am sogenannten Mühlbühl. Die bestehenden Wasserflächen sollen noch großzügiger angelegt werden. Tirschenreuth knüpft damit an das historische Stadtbild an, denn bis zum Jahr 1808 war die Stadt von Teichen umgeben. Das Motto der Schau soll „Eine Stadt im Wasser“ lauten. Stahl kalkuliert mit Kosten von rund acht Millionen Euro.

Nicht bewertet

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