Tigers müssen auch Bartosch ersetzen

„Es ist nichts Dramatisches, die Verletzung zwingt ihn aber trotzdem zu einer Pause von zwei bis drei Wochen“, sagt der Bayreuther Coach und ergänzt mit einem Seufzer: „Das ist unglaublich, dieses Pech nimmt einfach kein Ende.“ Wenigstens kann Waßmiller wieder auf den zuletzt erkrankten Mathias Müller zurückgreifen und damit drei komplette Verteidigerpaare aufbieten.

Nur bedingt als Mutmacher für die geschundene Tigers-Seele dient der erste Vergleich zwischen Tigers und Towerstars im Bayreuther Kunsteisstadion. Den gewannen die Tigers mit 6:3, es war bis heute der Sieg mit der höchsten Bayreuther Torausbeute in dieser Saison. Damals Anfang Oktober allerdings begegneten sich beide Mannschaften noch auf Augenhöhe. Die Mannschaft von Trainer Sergej Waßmiller kletterte nach diesem Erfolg von Platz zehn auf sieben, die Ravensburger fielen von Rang neun auf zehn zurück.

Letztes Aufeinandertreffen endete mit Tigers-Debakel

Ende November aber trennten sich dann tabellarisch die Wege der beiden heutigen Gegner. Markanter Startschuss dieser Trennung stellte dabei das direkte Aufeinandertreffen in Ravensburg dar. Die Tigers gingen in diesem Duell der bis dato punktgleichen Mannschaften mit 1:10 baden. Nach diesem Spieltag holten die Ravensburger 24 Punkte, die Bayreuther nur noch zwei.

Alleine aus diesem signifikanten Unterschied der beiden Formkurven ergibt sich die große Favoritenrolle des Teams von Trainer Jiri Ehrenberger, das mit seinem jüngsten 5:4-Erfolg gegen die Kassel Huskies seinen sechsten Platz festigen konnte, die Playoffs aber noch lange nicht sicher hat.

Auffällig bei den Oberschwaben ist die starke Offensive um den aus Dresden gekommenen Topscorer Arturs Kruminsch (9 Tore und 26 Assists). Mit 127 Treffern in 34 Partien zählen die Towerstars neben Frankfurt (131) und Bietigheim (127) zu den drei torhungrigsten Mannschaften der DEL2, wobei sich die Verantwortung vor den gegnerischen Toren gleich auf mehrere Schultern verteilt. Mit Robin Just (18 Tore), Jakub Svoboda (15), David Zucker (15) und Adam Lapsansky (12) trafen vier Spieler zweistellig. Im Vergleich dazu: Bester Torschütze der Bayreuther (74 Saisontreffer) ist Andreas Geigenmüller mit neun Treffern.

"Machen zu wenig aus unseren Chancen"

Die geringe Torausbeute, insbesondere die schlechte Chancenverwertung, beschäftigt Trainer Sergej Waßmiller ganz besonders. Für ihn war die mangelnde Kaltschnäuzigkeit hauptverantwortlich dafür, dass seine Mannschaft zuletzt gegen Crimmitschau den Kürzeren zog. „Wir arbeiten gut, wir erspielen uns auch Chancen, aber wir machen zu wenig daraus“, sagt Waßmiller. Er hat aber, so ergänzt er, wenig Mittel, diesen Mangel zu beheben. Bei der hohen Schlagzahl an Spielen und vor dem Hintergrund ständig wechselnder Sturmreihen, sei eine darauf abzielende Trainingsarbeit schwer zu bewerkstelligen.

Vergleichsweise wenig beschäftigt den Tigers-Trainer die Tatsache, dass in einschlägigen Fanforen vereinzelt Stimmen laut werden, die ihn als Trainer in Frage stellen. „Das ist doch ganz logisch und normal für unsere Situation. Ich habe durchaus Verständnis dafür, dass die Fans unzufrieden sind. Wir sind ja auch nicht happy“, sagt Waßmiller und vergisst nicht zu betonen, dass er den Meinungen in Fanforen wenig Bedeutung beimisst, was die Bewertung seiner Arbeit angeht. „Ich habe, ehrlich gesagt, seit 50 Jahren in keinem Forum mehr gelesen.“

Tigers auch beim Kellerduell in Bad Tölz Außenseiter

Nicht ganz so klar wie gegen Ravensburg ist die Außenseiterrolle der Bayreuther am Sonntag um 18 Uhr im Kellerduell bei den Tölzer Löwen. Der Blick auf die Tabelle lässt angesichts der Punktgleichheit der beiden Teams, die am zurückliegenden Spieltag durch den 3:2-Sieg der Tölzer gegen Kaufbeuren die Plätze getauscht haben, sogar ein Spiel auf Augenhöhe erwarten.

Allerdings sind die Bayreuther so etwas wie ein Lieblingsgegner der Mannschaft von Trainer Rick Boehm. Schließlich gewannen die Oberbayern beide Saison-Vergleiche gegen die Bayreuther. In Tölz behielten sie mit 6:4 die Oberhand – es waren ihre ersten Saisonpunkte überhaupt –, in Bayreuth siegten sie mit 5:2.

Mit 102 erzielten Treffern verfügen die Löwen zudem über eine durchaus vorzeigbare Offensivabteilung, wobei der vor der Saison aus Ravensburg gekommene Flügelstürmer Philipp Schlager mit elf Toren und 25 Assists noch herausragt.

Tigers-Kapitän Potac: Innenleben ist intakt

Der langen Durststrecke der Bayreuth Tigers in der DEL2 zum Trotz ist das Innenleben der Mannschaft – und auch das Verhältnis zu Trainer Sergej Waßmiller – absolut in Ordnung. So zumindest sieht es Jozef Potac. Der 39-jährige Kapitän nennt den intakten Teamgeist sogar als wichtigsten Grund dafür, dass die Tigers ihre Haupttugenden, nämlich Zweikampfstärke und Laufbereitschaft, immer wieder aufs Neue aufs Eis bringen und auch bei punktuellen Rückschlägen nicht resignieren. „Der Charakter der Spieler, aber auch der Zusammenhalt – das hat in Bayreuth immer gestimmt. Und daran hat sich überhaupt nichts geändert.“

Die Ursache für die anhaltende Ergebniskrise sieht Potac in der großen Verletzungsmisere der zurückliegenden Wochen. Die zahlreichen Spiele mit Minikader hätten dazu geführt, dass die verbliebenen Akteure zu hoch belastet worden seien. „Da reicht dann die Regenerationszeit zwischen den Spielen nicht aus, um wieder komplett frisch zu sein. Deshalb haben wir gegen Ende der Spiele immer Probleme bekommen. Da fehlte dann die Kraft.“ Auch muskuläre Verletzungen wie die Bauchmuskelzerrung von Michal Bartosch seien Beleg der nicht ausreichenden Regeneration. Mut macht der Kapitän den Anhängern dann aber mit seiner Einschätzung, dass sich Besserung einstellt, sobald man wieder in den gewohnten Freitags-Sonntags-Spielrythmus zurückkehrt. „Und natürlich würde uns ein Erfolgserlebnis enorm weiterhelfen. Da wäre ein einzelner Punkt schon Gold wert.“

Nicht bewertet

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