Themengärten: Ruheräume in Grün

Orientierung bietet der Auenbogenweg, der hier anfängt, die Besucher mitnimmt Richtung Kabinette. Auf dem Weg kommt man recht schnell zu einer Leistungsschau des Garten- und Landschaftsbaus. Die Themengärten, die Gartenbauunternehmen aus der Region gebaut haben. Klingende Namen haben sie: "Seelenwalzer", "Mit Pauke und Harfe", "Catwalk der Blätter", "Kunterbunt" und "Ginkgo", sowie die beiden "Best Age"-Gärten für Wellness und essbare Pflanzen.

Alle grundverschieden

Alle grundverschieden, mit anderer Philosophie. Gebaut von Unternehmen, die sich "eher als Kollegen statt als Konkurrenz sehen", wie es Roland Ramming vom Gartenbaubetrieb Ramming und Tröster beschreibt. "Wir präsentieren hier Produkte, die jede Firma auf ihre Art und Weise bauen kann." Die Gärten sollen Anregung für die Besucher sein, Ideen mit nach Hause zu nehmen, sich mit Gartengestaltung auseinander zu setzen. "Denn Gartengestaltung ist ein schwieriges Thema. Es gibt Baugebiete, in denen viel selber gemacht wurde, was man dann auch sieht. Und andere, in denen Landschaftsgärtner aktiv waren. Denn ein Garten soll doch ein Raum sein, in dem man sich wohlfühlt", sagt Michael Weber von der Gartenschmiede.

Spannend zu sehen, wie die Besucher die Gärten erleben

Die ersten Tage der Landesgartenschau seien spannend gewesen für die Gärtner. "Ich habe mich einfach mal hingestellt und fand es unheimlich interessant zu analysieren, wie die Besucher den Garten erleben", sagt Weber. "Wir haben an den ersten Tagen mal die Fragen der Besucher gesammelt und werden einen Katalog erarbeiten, in dem die wichtigsten Fragen und Antworten stehen", sagt Ramming. Denn weder die beiden Betriebe, noch die anderen, zu denen Benno Zapf vom gleichnamigen Gartenbauunternehmen ebenso gehört wie Stefan Weiß von Feustel, können es leisten, die Themengärten 171 Gartenschau-Tage hindurch zu besetzten. An den Wochenenden speziell werden sie präsent sein, sagt Ramming stellvertretend: "Wir haben zehn Leute allein von uns an den Wochenenden im Wechsel hier in unserem Garten. So verteilt sich das auf mehrere Schultern und man verbraucht sich auch nicht. Außerdem erhöht das die Identifikation der Mitarbeiter mit dem, das da geschaffen wurde."

Umstritten bei den Unternehmen

Denn für die Unternehmen war das nicht ganz einfach. "Bei uns gab es sehr umstritten, ob wir das machen. Bis die Leute erkannt haben: das ist eine einmalige Chance. Allerdings: Bei uns entspricht das Engagement hier sicher dem von vier bis Jahren Werbeetat", sagt Ramming. "Bei uns ist es sicher noch mehr, denn unsere Firma ist kleiner", sagt Weber. "Allerdings haben auch wir uns gesagt, das ist eine einmalige Chance, die wir sicher nicht mehr erleben werden. Wenn man bei so einer großen Sache mitmachen kann, dann soll man das auch machen." Genau an dem Punkt kommt Stefan Weiß ins Spiel. Weiß, Bezirksvorsitzender des Verbands der Garten- und Landschaftsbauer, sagt: "Jeder hat hier richtig viel Geld in die Hand genommen, um sich und diesen Beruf präsentieren zu können." Deshalb ist auch Weiß, wie der Präsident der Gesellschaft zur Förderung der bayerischen Landesgartenschau, Roland Albert, sauer auf Ulrike Gote. Die Grünen-Politikerin hatte die Vergabepraxis der Gartenschauen gerügt und von einer "Gartenbau-Fifa" gesprochen. Geld, sagt Weiß, sei hier sicher keins verdient. Im Gegenteil. 

Stolz auf das Erreichte

"Wir sind Fachfirmen, wir lieben unseren Beruf. Entsprechend stolz sind wir auf das, was wir hier geschaffen haben", sagt Benno Zapf, der schmunzeln muss über die Bezeichnung: "Da isser ja, der Ginkgo-Dompteur", die ihm ein Besucher zuruft. "Jeder Garten ist anders, hat einen anderen Stil. Aber alle sind top gebaut." Zapf sagt, er schaut "sicher jeden Tag ein Mal rein, um zu schauen, ob alles passt. Ein sauberer Eindruck ist ja wichtig". Und: "Für mich persönlich war es mal die Möglichkeit, was Außergewöhnliches zu bauen, was Verrücktes. Ohne auf die Wünsche der Kunden eingehen zu müssen", sagt Ramming. Etwas Besonderes. Das den Weg nach draußen finden soll. Und dann nachhaltig sein soll. Das eint die Gärten: "Eine Generation soll so ein Garten dann schon überdauern", sagt Benno Zapf.

Die Gärten und ihre kurze Beschreibung

"Seelenwalzer": Der Garten von Sabine und Michael Weber aus der Gartenschmiede soll ein Raum für Zeit, Ruhe und Muße sein. Klare Formeensprache, Wasser, Grün, Holz. Nichts, was das Auge überfordert.

"Mit Pauke und Harfe": Der Garten von Roland Ramming spielt mit dem Thema Wilhelmine. Ramming spielt mit den Formen, mit den Materialien. Sandstein, Fruchtschiefer. Und einer Mauer mit rundem Durchgang, der den Blick auf den Garten freigibt.

"Best Age": Die beiden Gärten von Stefan Weiß und Feustel sind für die Ewigkeit gemacht. Sie sollen sicherstellen, dass die Menschen auch im höheren Alter Spaß am Garten haben. Der "Square Foot"-Garten lässt sogar das Rasenmähen weg, weil Kunstrasen verlegt ist. Hochbeet, Holz, Muschelkalk, Metall kennzeichnen ihn ebenso wie ein Bachlauf. Wasser gehört zum "Wellness"-Garten auch dazu. Als Bach und als Pool. Ebenso wie ein Holzdeck mit Baldachin aus Holz.

"Ginkgo" und "Kunterbunt": Benno Zapf spielt in dem doppelten Garten, der durch den Auenbogen geteilt wird, mit Grün und Stein. Im "Ginkgo", der wegen des Baums so heißt, kommt zum Beton noch Stahl dazu. Alles minimalistisch, fast japanisch. Zum Entspannen. Im "Kunterbunt" nimmt eine rustikale Mauer hinter einem dicken, zentralen Sitzstein den Wind weg. Die Wege sind aus bunten Steinen gebaut.

"Catwalk der Blätter": Hager Gartendesign hat den Nachbargarten von Stefan Weiß sehr reduziert gebaut. Granit vom Schneeberg, Lärchenholz und Hostapflanzen in den unterschiedlichsten Arten machen die Gestaltung rund. Und grün.

 

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