Thema Seilbahn: Mutige Entscheidung

Wer kennt das nicht: Soll ich das alte Auto reparieren, dass es noch mal über den TÜV kommt? In der Hoffnung, dass in den folgenden zwei Jahren nicht was Großes kaputtgeht? Oder lieber gleich ein neues Auto kaufen und viele Jahre Ruhe haben? Mit einem Auto das womöglich schneller, schöner, bequemer, praktischer ist als das alte?

Am Ochsenkopf hat man nun den großen Sprung in die Zukunft gewagt. Und beschlossen, zwei neue Seilbahnen zu bauen, statt die alten noch mal zu überholen. Kosten: bis zu 20 Millionen Euro. Ebenfalls beschlossen: Projekte für Neubau, für zwei Millionen Euro.

In der Tat spricht sehr viel für die Entscheidung für die neue Bahn zum jetzigen Zeitpunkt: Der Staat schwimmt im Geld und zeigt sich zuschussfreudig. Die Zinsen sind niedrig – eine Konstellation, die es seit Jahrzehnten nicht gab. Und von der man nicht weiß, wie lange sie anhält.

Doch die Entscheidung ist auch risikoreich. Von der endgültigen Höhe der Zuschüsse hängt ab, wie hoch die Lasten für den Landkreis und die Ochsenkopfkommunen durch die Millioneninvestition in Zukunft sind. Schon jetzt kennt der Umlagebedarf vor allem eine Richtung: nach oben. Heuer wird die Schallmauer von einer Million Euro durchbrochen.

Das spricht dafür, dass die Stimmen derer lauter werden, die zuschussbedürftige Tourismuseinrichtungen in öffentlicher Hand grundsätzlich in Frage stellen. Der Verteilungskampf wird härter werden. Zwischen den Politikfeldern. Und zwischen den beiden großen Feriengebieten im Landkreis Bayreuth.

Landrat Hermann Hübner hatte in den ersten Jahren seiner Amtszeit – ob zu Recht oder Unrecht, sei dahingestellt – den Ruf, im Fichtelgebirge eine zu passive Rolle zu spielen, etwa beim unseligen Thermenstreit in Fichtelberg. Nun hat er sich an die Spitze der Bewegung gestellt und Mut bewiesen. Und kein Geheimnis ist, dass vor allem aus Bischofsgrün professionelle, mit Fakten unterlegte Lobbyarbeit betrieben wurde.

Auch unter den Nachbarn am Ochsenkopf scheint es wieder besser zu klappen. Aber auch da ist noch Raum nach oben, wie Bürgermeister Unglaubs gereizte Reaktion auf eine harmlose Äußerung von Stefan Prechtl aus Warmensteinach zeigte.

Wenn die wegweisende Entscheidung vom Mittwoch einen Schönheitsfehler hat, dann die, dass man nicht noch das Bikeparkprojekt auf der Ochsenkopfsüdseite draufgepackt hat. 1,3 Millionen Euro zusätzlich hätten bei insgesamt 22 Millionen das Kraut nicht fett gemacht. Aber was nicht ist, kann ja noch werden.

andreas.gewinner@nordbayerischer-kurier.de

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Kommentare

Bravo,

letzter Absatz, was soll eine hohe Beförderungskapazität wenn nur eine Bikerstrecke nach Fleckl vorhanden ist?

Muss ich mich dann oben anstellen wenn ich im Winter zum skifahren zwar massenhaft nach oben gebracht werde
aber wegen Überfüllung der Piste nur ungenügend nach Bischofsgrün abfahren kann?

Wie hoch ist der Zuschuss zu dem Projekt?

Aber seien wir mal Realist. Geld spielt doch keine Rolex. Seit wir den neuen Flughafen in Berlin haben ist doch jedes Projekt sinnvoll.

Geschichte wiederholt sich, haben schon die Hellseher gesagt. Auch vor 2000 Jahren hat man solche Projekte schon durchgezogen.
Zum Beispiel TURMBAU VON BABEL. Da sind zwei Seilbahnen doch pipifax.


JOE


Zitat: "Der Staat schwimmt im Geld und zeigt sich zuschussfreudig. Die Zinsen sind niedrig – eine Konstellation, die es seit Jahrzehnten nicht gab. Und von der man nicht weiß, wie lange sie anhält."
Der Mehrwert von neuen Gondelbahnen ist sehr gering! Ist man sich dessen bewusst, dass deswegen kaum mehr Wanderer und Biker, bzw. Skifahrer kommen werden?
Kaum und Wanderer nehmen in der Regel keine Seilbahn. Morgen wandert der FGV Weidenberg zum Asenturm, zu Fuß.
Ich bin zwar selbst kein Skifahrer, aber im Bekanntenkreis hat man sich schon oft über unzumutbare lange Wartezeiten am Lift beschwert. Eine höhere Beförderungskapazität würde dem etwas Abhilfe schaffen und vielleicht wieder mehr Gäste auch zu den Stoßzeiten anlocken.
Leider habe ich noch keine Zahlen zu der Beförderungskapazität der neuen (geschlossenen) Gondelbahn gelesen. Kann mir jemand sagen, wie viel mehr dann befördert werden können?
Für mich hängt das Problem der Wartezeiten damit zusammen, dass es nur zwei Beförderungsanlagen (Nord und Süd) gibt, die alle Gäste den ganzen Tag befördern müssen. Dazu kommt noch, dass die Südabfahrt oft gesperrt werden muss, sodass auch diese Gäste zur Nordseilbahn hinüber müssen. Wie schon gesagt, eine zusätzliche Aufstiegshilfe (Sessellift, Schlepplist) würde eine größere Entlastung der Seilbahn bringen. Dazu müsse allerdings eine neue Piste möglichst weit oben geschaffen werden.
So ähnlich wie es jhaecker bereits erwähnt hat, wird es wohl sein, dass man sich dann nicht mehr an der Bahn unten anstellen muss, um nach oben zu kommen sondern dann wird es wohl genau umgekehrt sein und hoffentlich gibts dann eine Ampelschaltung auf den Abfahrten, sonst kommt es auf den sehr sehr sehr schmalen Ochsenkopfabfahrten zu Staus und zu regelmäßigen Zusammenstößen! Ist jetzt natürlich etwas übertrieben ausgedrückt, aber sicherlich auch nicht aus der Luft gefriffen! Jedenfalls auch das Abfahren macht dann ohne eine Verbreiterung der Abfahrten absolut keinen Spass mehr! Also alles andere wäre eine absolute Verschwendung von Steuergeldern und bringt mit Sicherheit auch nicht mehr Skitouristen ins Fichtelgebirge!
Montag, 13. November 2017 - 11:06