Thema Ehe für alle: Ausgrenzung statt Nächstenliebe

Man muss es so deutlich sagen: Wenn ein Pfarrer bei der Forderung „Ehe für alle“ in letzter Konsequenz auch Tiere einbezogen sieht, dann fantasiert er sich etwas zusammen, das so nie jemand gefordert hat. Kein Schwuler, keine Lesbe und kein sexuell sonstwie orientierter Mensch. Das ist eine Erfindung des Pfarrers. Solche Gedanken als Gegner der Homo-Ehe zu haben und – noch schlimmer – das in einer Andacht zu predigen und in einem Gemeindebrief zu Papier zu bringen, ist einfach nur bizarr. So hat es zum Glück auch die Landeskirche treffend eingeordnet.

Die Nemmersdorfer Andacht löst fassungsloses Kopfschütteln aus. Es fehlen einem die Worte. So abwegig erscheint das, was der Pfarrer da formuliert. Und doch sollte man sich damit auseinandersetzen, weil weite Teile der Gesellschaft die überfällige Diskussion scheuen.

Pfarrer Weigel hat ein Problem. Immer wieder verliert er das christliche Leitmotiv der Nächstenliebe aus den Augen, wenn er sich mit dem Thema Homosexualität befasst. Das war schon einmal im vergangenen Jahr der Fall, als er ein Video der evangelischen Kirche kritisierte, das für Toleranz gegenüber alternativen Lebensentwürfen warb.

Es ist eine Gratwanderung für einen Pfarrer, sich gegen die Gleichberechtigung von Lesben und Schwulen auszusprechen und dabei die Nächstenliebe im Hinterkopf zu behalten. Günther Weigel versucht diese Gratwanderung nicht einmal. Er packt die Keule aus und schlägt zu. Toleranz? Nächstenliebe? Fehlanzeige.

Es bleibt einem Pfarrer natürlich unbenommen, seine Kirchengemeinde über gestrige Ansichten und Ausgrenzung Homosexueller zu belehren statt über Toleranz und Nächstenliebe. Doch damit verletzt er Menschen. Und dann muss er sich nicht über Kirchenaustritte in seiner Gemeinde wundern und darüber, dass immer weniger Menschen zum Gottesdienst kommen. Das hat er zu verantworten.

moritz.kircher@kurier.tmt.de

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