Thema "Filmregion Ostoberfranken": Neue Bilder braucht das Land

Und so ist die Idee einer „Filmregion Ostoberfranken“ und des Versuchs, die grandiose Landschaft und die lieblichen Orte zwischen Fränkischer Schweiz und Fichtelgebirge als Filmkulisse vermarkten zu wollen, nicht originell, aber richtig gut.

Beispiel gefällig: Meine Heimatstadt Bad Tölz profitierte von 1995 bis 2009 von der Krimiserie „Der Bulle von Tölz“ – nein, eigentlich tut sie’s heute noch. Die Touristiker dort, die wissen, dass die Produktionsfirma Alexander-Film eigentlich in Garmisch-Partenkirchen drehen wollte, wegen der Nähe zu München, aber in Bad Tölz hängenblieb, senden tägliche Stoßgebete nach oben, ob dieser Fügung, die der Stadt über die Jahre Hunderttausende Übernachtungsgäste (vor allem aus dem Bullen-verrückten Österreich) und Tagestouristen beschert hat. Wer zu Zeiten der Erstausstrahlung als Einheimischer in der Stadt unterwegs war, konnte damit rechnen, dreimal nach dem Standort des Wohnhauses gefragt zu werden, in dem Bulle Otti Fischer mit seiner Mutter lebte (das Haus war 30 Kilometer entfernt, kurz vor München). Nicht zu reden von der Unzahl an Schaulustigen, die die Dreharbeiten begleiteten.

So eine Serie fürs Fichtelgebirge oder für die Fränkische Schweiz, wäre das nicht genial? An möglichen Drehorten fehlt es ja nicht. Der dunkle Tann auf den Höhen des Fichtelgebirges, mörderische Höhlen in der Fränkischen Schweiz oder auch die Wilhelmine-Architektur in Bayreuth. Wenn das nicht begeistert? Für einen Fichtelberg-Krimi bräuchte es ja nicht einmal ein Drehbuch. Dort ist das wahre Leben spannend genug.

Und wie sieht es tatsächlich aus? Selbst die groß angekündigte Wagner-Familiensaga „Der Clan“ ließ Regisseur Oliver Berben nicht in Bayreuth drehen, sondern am Traunsee in Österreich. Warum? „Bayreuth sieht einfach nicht gut aus.“

Das Projekt „Filmregion Ostoberfranken“ hat also noch viel zu tun.


joachim.braun@kurier.tmt.de

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