Theater spielen ist Schwerstarbeit

Es ist Schwerstarbeit, sagt Schenke, jede Aufführung. Anderthalb Stunden auf dem Schlossberg diese Rolle zu spielen. Der Text muss sitzen und Schenke repräsentiert etwa 70 Prozent des Stückes, er ist fast die ganze Zeit auf der Bühne, springt und agiert, ist ständig in Bewegung.

Da braucht es auch körperliche Kondition. Sven Schenke spielt die Rolle nicht nur, er lebt sie, er ist in dem Augenblick dieser Herr Arno, der mit vielen Tricks und Schikanen versucht, sich eine Ehefrau heranzuziehen. „Man muss die Rolle leben, sich mit ihr identifizieren“, sagt er.

Einstieg mit einer Nebenrolle im Fernsehen

Schenke hat schon früh, mit Anfang 20, mit der Schauspielerei angefangen. Mit einer Fernsehrolle, damals in Berlin. Es war eine Nebenrolle – ein Kellner – in der Agententhrillerserie Berlin Break mit Hildegard Knef. Aber da lief das noch nebenbei. Eigentlich ist Schenke gelernter Einzelhandelskaufmann.

Klassisch hatten seine Eltern auch gesagt, er solle erst mal etwas Gescheites lernen, erzählt er lachend. Doch die Schauspielerei nahm ihn dann gefangen, er besuchte Coachingseminare und lernte, wie das richtig geht. „Ich bin da dann so reingewachsen“, sagt Schenke. Es faszinierte ihn, mal jemand anders zu sein, sich in eine andere Person hineinzuversetzen.

Schenke war eine Zeit lang auch bei der Serie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ dabei. Aber das war nicht so seins. Und er wollte sich nicht auf eine bestimmte Rolle festlegen, sich mit ihr identifizieren lassen. „Ich wollte gerne was anderes machen“, sagt er.

Brüllen wie Demetrius

Aus familiären Gründen zog er dann nach Franken, nach Weismain. Dort hörte er von den Faust-Festspielen in Kronach, lernte den Intendanten Daniel Leistner – der jetzt auch in Pegnitz Intendant und Schauspieler ist – kennen. Vor zehn Jahren war das.

Schenke fragte Leistner, ob er ihn engagieren würde. Es reizte ihn, mal auf einer Freilichtbühne zu spielen. Leistner drückte ihm die Rolle des Demetrius aus dem Sommernachtstraum in die Hand, sagte, er solle mal so brüllen, wie es in der Rolle steht. „Das habe ich dann gemacht, warum nicht?“, sagt Schenke. Und Leistner hat das beeindruckt, fand es gut. Seit dem war Schenke dabei.

Die erste Zeit hat er noch in seinem ursprünglichen Beruf als Einzelhandelskaufmann gearbeitet. „Es war gut, immer wieder bodenständig zu sein“, sagt Schenke. Auf der Bühne steht man im Scheinwerferlicht, aber danach ist man wieder Lieschen Müller. Aber bald ist er ganz auf die Schauspielerei umgestiegen.

Drei bis vier Rollen hat er pro Saison gespielt. „Das war ein Acht-Stunden-Job“, sagt Schenke. Man musste ja alle Texte können. Und er hat großen Respekt vor der Sache. Seine Texte lernt er am Anfang abends im Bett, später dann im Alltag, läuft durch die Wohnung, übt mit Ablenkung. Denn auf der Bühne hat er die ja auch. Da kann es beispielsweise passieren, dass auf einmal bei jemanden im Publikum das Handy klingelt.

Lampenfieber vor den Aufführungen

Hat er Lampenfieber vor den Aufführungen? „Ja, jedes Mal, das gehört dazu“, sagt er. Wenn aber der erste Textblock durch ist, dann ist das vorbei. Extrem ist die Aufregung vor der Premiere, weil man da noch nicht weiß, wie das Publikum an den einzelnen Stellen reagiert. Er und seine langjährige Schauspielkollegin Melina Rost – sie spielt seine Wunschehefrau in Pegnitz – machen sich vor der Premiere immer kleine Geschenke.

Diesmal hatte er für sie eine kleine Schultüte. Sie verteilte einen Stein – weil sie einen Stein im Stück schmeißen muss – und Schokolade. „Das ist dann wie Weihnachten“, erzählt er.

Schenke spielt lieber Theater, als im Fernsehen. Auf der Bühne kann er das Publikum mit einbeziehen, in der Fernsehrolle wird den ganzen Tag nur ein ganz kleiner Teil gedreht, immer wieder und am Ende erfährt er gar nicht, wie der Zuschauer reagiert hat. Und Schenke spielt lieber Komödien. „Bei einer Tragödie fahre ich immer deprimiert nach Hause“, sagt er. Die Rolle nimmt ihn mit, er muss mehr Schauspielkunst zeigen, sehr geerdet sein. „Die Komödie flutscht so“, sagt er.

Zitate prägen sich ein

Als die Festspiele in Kronach vorletztes Jahr abgesetzt wurden und sich dann die Gelegenheit in Pegnitz anbot, hat er Intendant Daniel Leistner zugesagt, dass er mitgehen, spielen würde. Und die beiden können gut miteinander, wissen, was der andere jeweils kann und möchte. So war es auch bei dem Molière-Stück. Leistner hatte es umgeschrieben und wusste, dass Schenke die Rolle ideal spielen würde.

Kann er noch die Texte aus allen Rollen, die er jemals gelernt hat? Nein, sagt Schenke, nur manche Zitate prägen sich ein. „Was ich sagen wollte, ist“ – das kam so ziemlich in jeder seiner Rollen vor. „Jeder Intendant macht die Rolle anders“, sagt er. Bei Leistner hat er die „Schule der Frauen“ so gespielt, wie der es wollte. Bei jemand anderem kann sie ganz anders ausschauen.

Nach den Aufführungen muss Schenke erst mal runterkommen. Bis er dann nach Bayreuth heimgefahren ist, hat er das meist geschafft. Zehnmal hat er schon den Herrn Arno in dieser Saison gespielt, sieben Aufführungen kommen noch. Die letzte ist nicht einfach. Da ist ein Lebensabschnitt auf einmal vorbei, Leute, mit denen man intensiv zusammengearbeitet hat, gehen auseinander. „Das ist schon traurig“, sagt Schenke.

Aber man muss sich eben von der Rolle mal verabschieden. Dieses Wochenende steht er aber erst mal wieder auf der Bühne. Und wenn es so ist, dann eben auch bei strömendem Regen. Das ist Schenke egal. Er spielt für das Publikum.

 

Info:Weitere Infos unter www.faust-festspiele-pegnitz.de. Karten gibt es dort oder an der Abendkasse.

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