Theater Hof ein Sanierungsfall

Das Personal sei von den Schließungen nicht betroffen, sagt Jean Petrahn. „Niemand wird weniger Arbeit haben. Wir machen genauso weiter Theater wie bisher, nur eben woanders“, sagt der kaufmännisch-technische Geschäftsführer. Ein Gutachten im Auftrag der Stadt Hof habe im Herbst des vergangenen Jahres die Mängel aufgezeigt. Vorausgegangen war ein Hilferuf des Theaters. Dort hat man massive Mängel festgestellt und beim Vermieter des Hauses, der Stadt Hof, angezeigt.

Das Theater Hof ist, so muss man das sagen, technisch marode. So ziemlich alles rund um die Bühne muss erneut werden. Wer mit Leuten spricht, die hinter den Kulissen arbeiten, erfährt von der Dimension. Die Lüftungsanlage: Schrott. Ersatzteile gebe es nicht mehr. Die gesamte Bühnentechnik: Schrott. Beleuchtung, Scheinwerfer und die Tonanlage müssten komplett erneuert werden. Bislang sei immer wieder geflickt und aufgeschoben und, wohl auch das, ins Risiko gegangen. So mancher Aufzug sei an der Grenze der Belastbarkeit und eigentlich nicht mehr zu gebrauchen.

Nix geht mehr

Der TÜV droht, 2018 so ziemlich alles lahmzulegen, was ein Theater braucht, um das Spektakel zu bieten, für das Menschen auch ordentlich Geld bezahlen. So manches Teil werde schon nicht mehr genutzt, weil auch nach der zweiten und dritten Reparatur „nix mehr geht“.

Die Zahlen, die nun auf dem Tisch liegen, bezeichnet Grünen-Stadtrat Klaus Schrader als „erneut große Belastung für den Haushalt“. Denn obwohl 80 Prozent der Gesamtkosten von voraussichtlich zwölf Millionen Euro vom Freistaat Bayern übernommen werden, muss die Stadt trotzdem noch mehr als zweieinhalb Millionen Euro aufbringen.

Sechs bis acht Monate Bauzeit

Über den genauen Zeitraum der Schließung will der Stadtrat in der kommenden Woche öffentlich diskutieren. Die Theater Hof GmbH habe laut Petrahn einen Wunschtermin geäußert. Demnach sollen von Juli 2018 an bis in den Winter hinein alle Arbeiten erledigt werden. Ob sechs Monate Bauzeit ausreichen, zweifeln Insider schon jetzt an. Sie sprechen von „sechs bis acht Monaten“.

Der Geschäftsführung scheint das zweite Halbjahr als besonders geeignet, weil somit die sechswöchige Betriebsurlaub genutzt werden könne, sagt Petrahn. Der ist strikt gegen die zweite Möglichkeit, die Sanierungsarbeiten durchzuführen: eine etappenweise Schließung von jeweils zwölf Wochen über drei oder vier Jahre hinweg. Dies sei mit Kosten und Zeit verbunden, würde deutlich mehr Unruhe in den Theaterbetrieb bringen.

Aus Theaterkreisen war zu erfahren, dass bereits jetzt einige technische Anlagen nicht mehr genutzt werden können. Hebevorrichtungen zum schnellen Umbau der Bühne seien zuletzt immer wieder repariert worden. Nun gehe „nix mehr“. Der TÜV sitze den Verantwortlichen schon im Nacken. Weiteren Anlagen droht die Schließung.

Kaum noch Ersatzteile

Die Zahl von zwölf Millionen Euro, die nun im Raum steht, ist auch deshalb so wuchtig, weil es kaum noch Ersatzteile gibt. Die Firmen, die das Haus vor fast 30 Jahren aufgebaut haben, gibt es nur noch teilweise. Mancher Zulieferer musste Insolvenz anmelden. Die, die im Haus arbeiteten, wechselten immer mal wieder. Wichtige Bau-Unterlagen seien verschwunden.

All diese Probleme muss die Stadt Hof nun aus dem Weg räumen. Sie steht mit der die Theater-Führung um Intendant Reinhard Friese und Jean Petrahn in engem Austausch. Der Chef der Stadtwerke leitet das Haus als kaufmännisch-technischer Geschäftsführer. Friese konnte sich aktuell nicht äußern. Er befindet sich in den Proben zum Stück „Restauration“, das am Freitag Premiere feiert. Wie es genau weitergeht, müssten die genauen Planungen in den nächsten Monaten zeigen, sagt Petrahn. Ob das Haus exakt von Juli bis Dezember geschlossen bleibt, sei noch offen. Dieser Zeitraum sei lediglich der Wunschtermin der Theaterleute, mehr noch nicht.

„Wir haben es noch mit vielen Unwägbarkeiten zu tun“, sagt Petrahn. Letztlich müsse die Stadt Hof und das Bauamt darüber entscheiden, wie weiter vorgegangen wird. „Wir sind nur Mieter, melden, wenn der Wasserhahn tropft“, sagt Petrahn plakativ. Die Stadt Hof will sich erst am heutigen Mittwoch zum Thema äußern, lässt Sprecher Rainer Krauß wissen. Die bisherigen Beratungen hätten ohnehin in nicht-öffentlichen Sitzungen des Kulturbeirates stattgefunden.

Stadt Bayreuth nicht informiert

Wegen der Sanierung der Bayreuther Stadthalle fahren derzeit Theaterbusse nach Hof. Nach Auskunft des Pressesprechers der Stadt Bayreuth, Joachim Oppold, war dem Kulturreferat die Information der Hofer Theaterschließung nicht bekannt. Das Kulturreferat werde das Gespräch mit den Verantwortlichen der Stadt Hof suchen, hieß es.

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Kommentare

"Das Kulturreferat werde das Gespräch mit den Verantwortlichen der Stadt Hof suchen, hieß es" Es heißt ja in der Bibel: Suchet, so werdet Ihr finden.
Man hat ja unser Geld damals nach der Wende komplett im Osten verschleudert... und jetzt in der EU und in aller Welt...
....und deshalb geht es uns jetzt so schlecht.
Hof ist es aber schon immer schlechter als Bayreuth gegangen.