Teure Mahnung für bezahlte Maut

"Eine Frechheit", sagt Alfred Lauterbach. Schließlich hatte er die verlangte Maut von 24 Euro mit seiner Visa-Karte am Automaten bezahlt. Seine Verärgerung über die Zahlungsaufforderung der Nivi Credit in Italien hat sich schon gelegt. In gepflegtem Amtsdeutsch wird er in dem Schreiben vom 27. Dezember dazu aufgefordert, die Maut für die Fahrt zwischen Venedig und Tarvisio nachträglich innerhalb von 30 Tagen zu zahlen.

Teure Halteranfrage

Abgerechnet werden darin ein Auto samt Wohnwagen, dessen Kennzeichen das Schreiben nennt. Beigefügt sind dem Schreiben zwei Fotos. Das eine zeigt ihn am Steuer seines VW Touran. Das andere zeigt den Wohnwagen mit Kennzeichen von hinten. Die hohen Gebühren seien unter anderem deshalb angefallen, weil die Nivi Credit beim deutschen Kraftfahrtbundesamt den Halter ermittelt hat, heißt es.

"Moment mal, wie kommen die denn darauf", habe er sich im ersten Moment gefragt. Seit 1974 fahre er die Tour. Nie sei da etwas gewesen. Nach so vielen Jahren jetzt das.

Gezahlt hat der fast 85-Jährige nicht. Auf dem Schreiben steht eine italienische Telefonnummer. Und die hat Lauterbach angerufen. "Gemeldet hat sich eine nicht unfreundliche, aber distanzierte Dame", erinnert er sich an das Gespräch. "Das kann ja jeder sagen", habe ihm die Frau auf seine Schilderung geantwortet. "Wir brauchen Beweise", habe sie dann gesagt.

Die Quittung hatte Lauterbach noch

Den Beweis konnte Lauterbach liefern. Die Quittung für die gezahlte Maut hatte er noch. 24 Euro fürs Auto und den Wohnwagen, Gebührenklasse 3, gezahlt am 4. Oktober um 3.19 Uhr, bei Venedig. Den Beleg hat er per Fax nach Florenz geschickt. Außerdem hätte er auch noch die Abrechnung seiner Kreditkarte vorlegen können. Denn abgebucht wurden 24 Euro am bereits am 6. Oktober. Geschrieben hat Lauterbach außerdem eine E-Mail. Doch Antwort bekam er bis heute nicht.

Alfred Lauterbach hat alles richtig gemacht. Das jedenfalls sagt der ADAC und die anderen Automobilclubs in Deutschland. Ein Schreiben von Nivi Credit dürften Italienreisende nicht ignorieren. Bei der Firma handele es sich um ein Inkassobüro. Es treibe Gebühren für die Autobahngesellschaften ein.

Diese Forderungen könnten laut Automobilclub grenzüberschreitend geltend gemacht und sogar vollstreckt werden, zum Beispiel mit einem gerichtlichen Mahnverfahren. Der ADAC warnt: Die Firma gebe nicht bezahlte Vorgänge auch an deutsche Inkassobüros weiter. Sie sollen die behaupteten Forderungen in Deutschland durchsetzen.

Vorgehen ist rechtens

Wie der ADAC weiter mitteilt, ist das Vorgehen rechtens, denn die Gebühren wurden meist wirklich nicht bezahlt. Das habe viele Gründe: Zum Beispiel wenn beim Auffahren auf die Autobahn keine Mautkarte gezogen werden konnte, weil der Automat defekt war. Oder weil bei bargeldloser Bezahlung die Kreditkarte nicht funktionierte, die Schranke sich aber trotzdem öffnete.

"Das Geld, das die Italiener für die Halterermittlung ausgeben, könnten sie besser in ihre Technik investieren, damit sie ordentlich arbeitet", sagt er.

Alfred Lauterbach berichtet über die Geschichte, weil er davon überzeugt ist, dass so etwas auch anderen Autofahrern passieren kann. Sein Rat: Alle Mautbelege aufbewahren. Und zwar lange. Denn die Verjährung setzt in Italien erst nach zehn Jahren an. "Es soll sich niemand ins Bockshorn jagen lassen", warnt er andere.

Die Reiselust lässt er sich deshalb nicht verderben. Gerade sind die Lauterbachs aus Ägypten zurück gekehrt. Im Mai geht es wieder nach Dalmatien und Ende August mit Freunden nach Griechenland.

Nicht bewertet

Anzeige

Kommentare

"Wie der ADAC weiter mitteilt, ist das Vorgehen rechtens, denn die Gebühren wurden meist wirklich nicht bezahlt. Das habe viele Gründe: Zum Beispiel wenn beim Auffahren auf die Autobahn keine Mautkarte gezogen werden konnte, weil der Automat defekt war....."

Das ist ja wohl ein Witz. Was kann der Autofahrer dafür wenn es zu solchen Vorgängen kommt und man dann oben drein auch noch mit Extragebühren angemahnt wird. Ergo: Statt Fingerspitzengefühl lieber abzocken!